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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr 26 
18 
Se. Majestät würden Sr. Königlichen Hoheit ein delikates Äquivalent 
bieten .... Und dabei verdrehte der alte Sünder die Augen und 
schnalzte mit der Zunge. Auf bloße Andeutungen und Versprech 
ungen könne er nichts geben, was das für Äquivalent wäre?!! 
* 
Ein paar Tage später. Man hatte schwer gezecht und die Köpfe 
glühten. Da machte August der Starke seinem Gaste den Vorschlag 
doch von der Terrasse aus die kühle Nachtluft zu genießen, es 
sei unerträglich heiß im Saal und beiden würde etwas Abkühlung 
gut tun. Auch der Kronprinz schloß sich den Majestäten an. Man 
ging durch mehrere Gemächer und gelangte unvermutet in einen 
kleinen Saal, dessen Einrichtung vom feinsten Geschmack zeugte 
und der von hunderten von Kerzen erleuchtet war. Der preußische 
Gast, der einen solchen Luxus sich in seiner Lebensführung nicht 
gönnte, war noch im Betrachten der so pompös ausgestatteten Ge 
mächer begriffen, als plötzlich ein seidener Vorhang leise zur Seite 
rauschte. Ein für damalige Zeit ungewohnter Anblick bot sich 
ihnen dar. Auf einem Divan ruhte lässig hingelehnt und verfüh 
rerisch lächelnd ein nacktes junges Weib. Schöner als die medice- 
ische Venus und die Grazien soll sie gewesen sein und ihre Gestalt 
wie von Elfenbein und weißer als Schnee, wenn man den damaligen 
Chronisten glauben darf. 
Friedrich Wilhelm war außer sich. Er hatte sofort gemerkt, 
daß der Kronprinz Zeuge dieser Szene war, deshalb hielt er ihm 
seinen Hut vor das Gesicht und stieß ihn mit harten Fäusten aus 
dem Zimmer. Auf dem Fuß folgte er dem Kronprinzen und zog 
sich tiefgekränkt auf der Stelle in seine Gemächer zurück. 
Noch am gleichen Aband beklagte er sich bitterlich bei seinem 
Vertrauten Grumbkow über dieses Attentat auf seine eheliche Treue, 
er sei ein braver Ehemann und er solle Sr. Majestät ausrichten, 
wenn sein Gastgeber sich noch einmal einen derartigen Scherz mit 
ihm erlaube, so würde er unverzüglich nach Potsdam abreisen. 
Grumbkow entledigte sich seines Auftrages, aber August der 
Starke lachte nur und verstand es, dem Gespräch eine andere 
Wendung zu geben. 
Unterdessen saß der preußische König am Schreibtisch und machte 
seinem Zorne in einem Briefe an seinen Freund, den Fürsten Leopold 
von Dessau, Luft. Er schrieb von dem „Weltgetümmel in Dresden“, 
daß es an Verführung dabei nicht fehle und er würde ihm bei 
seiner persönlichen Begegnung die Chronica scandalosa und seine 
eigenen Aventüren erzählen. Ein Jahr werde er brauchen, um 
alles zu erschöpfen. Aber er sei vor Gott keusch und rein ge 
blieben. Er habe nie gesündigt. 
* 
Zur selben Zeit sah der, um dessenwillen die ganze Komödie 
veranstaltet worden war, unser junger Fritz, wieder die Kabinetts 
räte Sr. polnischen Majestät bei sich. —• Wie Sr. Königlichen Hoheit 
das von Sr. Majestät gebotene Äquivalent gefallen habe? Nun, die 
wenigen Sekunden, die ihm vergönnt gewesen waren, das verfüh 
rerische Bild in sfch aufzunehmen hatten genügt, um die Reize 
der Pormera, eine Sängerin von der italienischen Oper in Dresden, 
sachverständig zu würdigen. Man wurde bald einig, der Kron 
prinz gab nach, und verpflichtete sich, künftig von der Orzelska 
zu lassen und mit der Italienerin vorlieb zu nehmen. Bei ihr 
versuchte er sich dann für den Rest seines Dresdner Aufenthaltes 
über den Verlust seiner ersten großen Liebe zu trösten. 
* 
Liebeskrank kam er nach einmonatlicher Abwesenheit nach Pots 
dam zurück. Das alte Leben ging seinen gewohnten Gang. Er 
verfiel in tiefe Schwermut. In dieser Zeit dichtete er seine ersten 
Liebeslieder, die die zauberische Pracht des Leibes der schönen 
Orzelska verherrlichten. Aber noch einmal sollte er das ganze 
Glück seiner ersten jungen Liebe auskosten: August der Starke 
machte seinen Gegenbesuch in Berlin und in seiner Begleitung 
befand sich, da der König ohne seinen Liebling nicht leben zu 
können glaubte, die Orzelska. Wiederholt kam der junge Fritz 
mit ihr zusammen, er hielt sich nicht mehr an seine damalige 
Verpflichtung, die Liebe war stärker als alle Vereinbarungen. 
Der Frühling war ins Land gekommen. Vom Parke des Schlosses 
Monbijou her erhallte der schluchzende Gesang der Nachtigall in das 
Verschwiegene stille Gemach, in dem beiden das Bett bereitet war. .. 
* 
LIEBESPERLEN 
Die Toilette ist die Vorrede zu einer Frau — manch 
mal sogar das ganze Buch. 
* 
Es gibt wenig verheiratete Männer, die es nicht be 
reuen, verehelicht zu sein; aber es gibt kaum Frauen, 
die sich nicht einen zweiten Mann wünschen, selbst 
einen dritten . . . usw. 
* 
Selbst wenn die Frauen im Glashause sitzen, nehmen 
sie es nicht übel, wenn man ihnen Edelsteine durch 
die Scheiben wirft. 
* 
Allein die Frauen können auch mit dem Busen lügen. 
* 
Der Mann, der eine Frau aus Liebe tötet, begeht ein 
Verbrechen, aber selten einen Fehler. 
* 
Wenn man lange über die Liebe nachgedacht und 
sehr viel persönliche Erfahrungen sammelte, so kommt 
man endlich zü dem Schluß: die Liebe ist die Frau des 
anderen!
        
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