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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 24 
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geberin mit anmutiger Bewegung ihrer rosigen Arme 
und mit zarten Fingern zu reichen wußte, machte 
höfliche, allgemeine Gegenstände berührende Konver 
sation, der die Marquise durch die Beweglichkeit ihres 
Plantikow 
Geistes Glanz und Schimmer gab, sagte sich leicht ver 
hüllte Schmeicheleien und gefiel sich in espritvollen 
bopmots, erfreute sich an unmerklichen Hinterhältig 
keiten, in die man hin und wieder auch ein ganz, ganz 
klein wenig Bosheit einfließen ließ. 
Beim Abschied verriet dem Chevalier nur ein be 
redter Druck ihrer weichen Hand während des Kusses, 
ein tiefer Blick ihrer ausdrucksvollen Augen, ein leise 
prononziertes au revoir, verbunden mit einem kleinen, 
graziösen Lächeln ihrer glutroten Lippen, daß er sie 
bald, sehr bald und in anderer Toilette Wiedersehen 
werde. 
Er fand die kleine Seitenpforte offen, die steil zu den 
oberen Räumlichkeiten führte, zum Boudoir der Herrin. 
Es war nur matt erhellt. Ihren Instruktionen folgend, 
die sie ihm beim ersten und bisher einzigen tete a tete 
erteilt, verbarg er sich hinter dem Wandschirm, der das 
breite, von einem mattblauen Seidenhimmel überdachte 
Bett umgab. 
Der Chevalier brauchte nicht lange zu warten. Bald 
trat sie ein, gefolgt von Ninette, die ihre Herrin ent 
kleidete, ihr gute Nacht wünschte und lautlos ver 
schwand. Er fand seine Angebetete in einem entzücken 
den Negligee, einem fließenden, fliederfarbenen Nacht 
gewand, weißen, hauchzarten Strümpfen und weißen 
Samtpantöffelchen, die den reizendsten Fuß der Welt 
bekleideten. 
„Madonna “ 
Inbrünstig küßte er ihre Hände. 
„Ah, mein Ritter. Nun, wie lebt man?“ 
„In einem Taumel des Entzückens, seitdem sich die 
Liebe meiner Göttin mir zuwandte.“ 
„Sieh da, der Schmeichler! Solcher Rausch ist oft 
gefährlich, für beide Teile gefährlich. Vor allem aber 
— dieses Entzücken ist doch stumm, stumm vor der 
Welt?“ 
„O, die Welt! Was kümmert mich die Welt in den 
Armen meiner Geliebten! Hier ist meine Welt, mein 
Himmel —• an dieser Brust, an diesem Herzen.“ 
Er küßte emphatisch die Pantöffelchen, den kleinen 
Fuß, wobei seine Hände nicht müßig blieben. 
Wie von ungefähr öffnete sich ihr loses, spitzenüber 
rieseltes Gewand, so daß die runden Knie sichtbar 
wurden. Das rechte umschlang ein breites, blaues 
Seidenband, während das linke nur ein schmales 
Kettchen umschloß. 
Die Marquise ließ ihre lächelnden Blicke darüber 
gleiten. 
„Ich vermisse seit einigen Tagen ein Strumpfband. 
Es ist mir das um so peinlicher, als gerade ein so intimer 
Gegenstand mißbräuchlicher Verwendung ausgesetzt 
sein könnte.“ 
Eine leichte Verlegenheit malte sich in den Zügen 
des Chevalier. 
„Ich weiß wirklich nicht 
„Nicht, wirklich nicht?“ 
Sie sah ihm immer noch lächelnd in die Augen. 
„Wenn ich nun aber wüßte, daß sich ein gewisser 
Chevalier vor einiger Zeit im Kreise fröhlicher Kame 
raden Vermaß, meine Gunst innerhalb einer bestimmten 
Frist th besitzen, und zum Beweise dessen irgend ein 
Liebespfand vorzulegen sich anheischig machte, wenn 
ich weiter wüßte, daß dieser — Chevalier sans peur et 
sans reproche ein solches Beweisstück auch präsentierte 
und so die Kavalierspflicht der Diskretion auf das 
Gröblichste verletzte? Was dann — was dann, Che 
valier?“ 
„Ich weiß nicht, wo Sie hinaus wollen?“ 
„Müßte dieser ehrenwerte Herr nicht fürchten “ 
„Welcher Kavalier, welcher Edelmann kennt die 
Furcht, die Furcht vor einer Frau?“ 
„O — ausgezeichnet! Ein stolzes Wort, Chevalier. 
Ja, gewiß, es würde sich in diesem Fall nur um die 
Rache oder — Strafe, ganz wie Sie wollen, einer Frau 
handeln.“ 
„Aber muß diese Frau denn“, lenkte der Chevalier 
ein, „rächen und strafen? Ziert es die Frau nicht mehr, 
zu vergeben, statt zu rächen, zu lieben, statt zu hassen?“ 
„Ach, ja, wie schwach sind wir Frauen!“ 
Ein Seufzer hob die kaum verhüllten Brüste der 
Schönen. Als dann die Küsse des Chevaliers ihr auf 
Lippen, Hals und Busen brannten, als sie in süßer Wol 
lust zu erbeben begann, schien sie sich dieser Schwäche 
ganz bewußt, sich ihr ohne Schmerz und Trauer hinzu 
geben, dieser Schwäche, die die Stärke der Frau, die 
eine Waffe, welche nur stumpf in der Hand der Un 
kundigen. 
„Wenn nun aber“, begann die Marquise wieder, nach 
dem sich der Sturm der Leidenschaft gelegt, „wenn 
nun aber diese in Ruf und Ansehen gekränkte Frau, von 
der wir sprachen, der Lage des Falles und ihrem ganzen 
Wesen nach nicht anders könnte, als die Beleidigung 
strafen?“ 
„Könnte sie denn nicht verzeihen? Wäre sie gar nicht 
zu versöhnen, nicht durch die aufrichtigste Reue?“ 
Der Chevalier war auf die Knie gesunken und küßte 
die Füße seiner Holden. 
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