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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 23 
Jatrg. 27 
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zahlreiche Papiere und bares Geld waren geraubt. Ent 
setzt warf der Graf den Blick nach der Schlafzimmer- 
tür seiner Gattin. Sie war halb offen. Der Gedanke an 
einen Raubmord schoß durch sein Gehirn. Er stürzte 
auf die Tür zu, stürmte in das Schlafgemach. Da lag im 
Dämmer des Morgens, schön, mit geröteten Wangen 
und verlangend halbgeöffneten Lippen sein junges 
Weib und schlief und träumte und lächelte im Traum. 
Lange ließ Graf Grunot den Blick versonnen auf dem 
lieblichen Bilde ruhen, dann schlich er leise aus dem 
Gemach. 
Während Telephon und Telegraph spielten und die 
Kunde von dem Einbruch allen Amtsstellen und auch 
dem Pariser Polizeipräfekten zutrugen, erwachte 
Yvonne, rieb sich die Mattigkeit aus den Augen und 
kleidete sich an, ohne ihre Kammerzofe in Anspruch 
zu nehmen. Pünktlich erschien sie zum Lunch in der 
großen Glasveranda, zu ihrer höchsten Überraschung 
von ihrem Gatten stürmisch an die Brust gerissen, mit 
Küssen überschüttet und immer und immer wieder um 
armt. Dann erst sprach Graf Grunot von dem Ein 
bruch. Sie hatte natürlich keine Ahnung und war ehrlich 
entsetzt, als der Graf ihr erzählte, daß die Täter durch 
ihr Schlafzimmer in seinen Arbeitsraum eingedrungen 
seien. „Es müssen Zwei Mann gewesen sein“, sagte der 
Graf, „ein dritter hat offenbar in deinem Zimmer Wache 
gehalten und seine Kumpane gedeckt.“ Yvonne zuckte 
bei diesen Worten leicht zusammen, ein toller Gedanke 
schreckte sie auf. Aber schnell faßte sie sich und sagte 
wie nebensächlich: „Wohl möglich, einmal glaubte ich 
wie im Traum ein Geräusch zu hören.“ 
* 
Als am Morgen nach der ersten, gemeinsam ver 
brachten Nacht Graf Grunot und sein junges Weib — 
nun wirklich sein Weib — durch den Park schritten, 
schmiegte sich Yvonne pötzlich dicht an den Arm 
ihres Gatten. „Ich habe einen Wunsch, Liebster“, sagte 
sie leise. „Wünsche dir, was du magst, es ist im Vor 
aus erfüllt“, lächelte Graf Grunot und streifte mit lieben 
dem Blick die schlanke Gestalt. „Weißt du, der Pierre, 
der Gärtnerbursche, verfolgt mich seit einiger Zeit mit 
so unverschämt zudringlichen Blicken. Tu mir den Ge 
fallen und entlasse den Rüpel.“ 
Graf Grunot nickte Gewährung. 
„Und dann, Geliebter, kündige doch auch gleich der 
schamlosen Person, dieser Marion. Ich weiß bestimmt, 
daß die beiden ein Verhältnis miteinander haben.“ 
RÄTSELECKE 
* ——— * 
Silbenrätsel 
Die fünfzehnjährige fesche Lu kam um 10 Uhr abends von 
einem Souper«dansant und erst um 2 Uhr nachts nach Hause. 
Was hat sie unterwegs verloren? — Die richtige Lösung des 
Rätsels erteilt die Antwort. 
Aus den Silben: 
5a — cu — des — die — dis — do — e — ge — gli — her — in — kre — 
le — leib — lin — me — nar — ne — o — o — on — ra — ro — 
schi — sehn — sous — sucht — ter — tik — ti — u — un — wan 
sind 11 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben 
nach unten gelesen das verlorene Gut bezeichnen. Die 11 Wörter 
bedeuten: 
1. nicht sichtbare Damenkleidung, 
2. Vertrauensbruch, 
3. Liebeskunst, 
4. Vorname einer Filmdiva, 
5. pikantes Empfangskleid, 
6. Liebesverlangen, 
7. beliebten Likör, 
8. wertvollen Pelz, 
9. bedeckten Körperteil, 
10. Vornamen eines berühmten Malers weiblicher Schönheit, 
11. bequemes Liebeslager. 
* 
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Besuchskarten«Rätsel 
Diese Dame führt den vielversprechenden Vornamen Leda. Ihre 
Besuchskarte lautet: 
Leda B e m e 
■ Welchen Beruf hat Leda? 
# 
Ein stummer Diener 
Den Eins geht täglich Frau und Mann. 
Zwei « Drei kein dummer Mensch sein kann. 
Oft mußt du näch dem Ganzen sehn, 
Wenn du den rechten Eins willst gehn. 
* 
Auflösung der Rätsel aus Nr. 22: 
Silbenrätsel 
Alimentel — Adam, Lumen, Impotenz, Melone, Lehar, Nutte, 
Türke, Ekstase.
        
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