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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 22 
Jafirg. 27 
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DAS 1 DUELL 
\T f enn Rinaldo Perfetti die verzeihliche Neugier 
/ besaß, wissen zu wollen, wie der Geliebte seiner 
i/\/ Frau eigentlich aussah, — hätte er dann eine 
▼ V bessere Gelegenheit finden können, als sich mit 
ihm, nackt vom Gürtel aufwärts, zu schlagen? 
Aber Rinaldo hatte diese Gelegenheit gar nicht ge 
sucht ..... 
Eines Abends hatte er sich mit seinen Freunden in 
dem Cafe herumgestritten, in welchem Jahre Napoleon 
der Dritte gestorben wäre, und da er auf 1873 beharrte, 
war er schnell nach Hause gelaufen, um in dem Kon 
versationslexikon nachzusehen. In dem finsteren 
Zimmer hatte er seine Frau angetroffen, die zögernd 
eine Kerze ansteckte und ihn vorwurfsvoll fragte: 
„Wo kommst du zu so ungewohnter Stunde her?“ 
„Ich will im Salon im Lexikon etwas nachsehen.“ 
„Nein, nein .... du darfst auf keinen Fall hinein.“ 
In diesem Augenblicke war in der Salontür ein Mann 
erschienen, und Frau Pefetti pustete in einem seltsamen 
Anfall von Schamgefühl die Kerze aus. Während der 
Gatte im Dunkeln schimpfte und tobte, hatte der Un 
bekannte eine Visitenkarte auf den Tisch geworfen: 
„Ich stehe zu Ihrer Verfügung“ und war verschwunden. 
Auch Frau Perfetti hatte sich in ihrem Schlafzimmer 
eingeriegel und antwortete auf das Pochen Rinaldos nur 
mit herzzerbrechenden Seufzern. 
Nicola Paolini — Agent, stand auf der Karte. 
„Kenne den Mann nicht“, dachte der betrogene Gatte, 
„und weiß nicht einmal, wie der Mensch aussieht.“ Er 
steckte das ominöse Stück Papier in die Tasche und 
kehrte in das Cafe zurück. 
„Nun, wann ist Napoleon der Dritte gestorben?“ 
tönte es ihm von allen Seiten entgegen, aber Rinaldo 
Perfetti schien nichts zu sehen und nichts zu hören. Er 
nahm seinen intimsten Freund, den Doktor Tanti, am 
Arm und zog ihn auf die Straße. 
„Ist deiner Frau nicht wohl?“ 
„Im Gegenteil, ich habe sie soeben überrascht, wie sie 
sich zu gut amüsierte. Kennst du diesen Namen?“ 
Der Doktor las die Visitenkarte, die ihm sein Freund 
unter die Nase hielt. 
„Nein, wer ist der Herr?“ 
„Der Geliebte meiner Frau. Sonst weiß ich nichts von 
ihm. 
„Deine Frau hat einen Geliebten, und du kennst ihn 
nicht?“ 
„Ich habe ihn noch nie gesehen. Aber er selbst gab 
mir vor zehn Minuten in meiner Wohnung seine Karte.“ 
„Er hat dir seine Karte gegeben, ohne daß du ihn ge 
sehen hast?“ 
„Das Zimmer war natürlich finster . . . verzeih mir, 
. . . . ich bin etwas erregt “ 
„Sehr begreiflich, aber du ( bist ein Mann und wirst 
wissen, was du zu tun hast.“ 
„Was habe ich denn zu tun?“ 
„Du wirst dich morgen mit ihm schlagen.“ 
„Ich? Ein Duell?“ 
„Natürlich, und bei dieser Gelegenheit wirst du den 
Lumpen endlich zu Gesicht bekommen.“ 
„Aber ich kann doch gar nicht fechten.“ 
„Hier handelt es sich nicht um das Können, sondern 
um das Müssen.“ 
Rinaldo versuchte vergebens, sich klar zu machen, 
wie er dazu komme, sein Leben zu riskieren, weil seine 
Frau eine Pflichtvergessene war, aber der Doktor blieb 
unerbittlich. 
„Vor allem behalte kaltes Blut, und das beste wäre, 
wenn du jetzt zu Bett gingest. Nach Hause kannst du 
natülich nicht zurück, also werde ich dich in ein Hotel 
bringen.“ 
Doktor Tanti zeigte sich als ein wahrer selbstloser 
Freund. Von dem Hotelportier verlangte er ein ruhiges 
Hinterzimmer, denn der Herr dürfte auf keinen Fall ge 
stört werden. Oben fühlte er ihm den Puls und sagte: 
„Lege dich sofort zu Bett.“ 
Dann bereitete er ihm einen beruhigenden Trank, 
den er ihm einflößte, und brachte Papier, Tinte und 
Feder ans Bett. 
„Bevor du einschläfst, wirst du gut tun, deinen letzten 
Willen niederzuschreiben. Man kann nie wissen, wie 
solch ein Handel ausläuft.“ 
Rinaldo Perfetti fühlte sich am nächsten Morgen wie 
zerschlagen. Er hatte die ganze Nacht kein Auge ge 
schlossen. Um elf Uhr erschien Tanti und teilte ihm 
mit, daß alles aufs beste erledigt wäre, und daß das 
Duell nachmittags um drei Uhr sattfände. 
„Wie sieht er denn eigentlich aus?“ 
„Geschmacksache. Ich finde ihn ziemlich nett.“ 
„Was hat er für einen Beruf?“ 
„Aber erlaube. Ich kann ihn doch bei einer solchen 
Gelegenheit nicht nach seinen persönlichen Verhält 
nissen fragen.“ 
Das für das Duell ausgewählte Terrain war ein ein 
samer Platz hinter einem kleinen Restaurant. Rinaldo 
war mit seinen Zeugen zuerst zur Stelle, fünf Minuten 
später traf der Gegner ein. Rinaldo schielte um die 
Ecke. 
„Ich möchte ihn sehen.“ 
„Nur keine Überstürzung. Du wirst ihn schon zu 
Gesicht bekommen. Ziehe dich inzwischen aus.“ 
„Ausziehen?“ 
„Ja, bis auf das Hemd. So lauten die vereinbarten 
Bedingungen.“ 
Rinaldo dachte an seine Frau, und das Blut stieg ihm 
zu Kopfe. Mit welchem Rechte kam dieser fremde Lump 
dazu, eine ganze Familie zu zwingen, sich vor ihm zu 
entblößen? Nein, dreimal nein, er war kein Zirkusathlet, 
sondern ein ehrbarer Bürger, der hier auf dem Kampf 
platz erschienen war, um seine verletzte Ehre zu rächen. 
Doktor Tanti mußte diesmal nachgeben, und während 
er mit dem Gegner parlamentierte, stand Rinaldo ein 
sam und verlassen auf seinem Platze. Allein auf der 
Welt, das war jetzt sein Los, und wider seinen Willen 
stiegen ihm die Tränen in die Augen. Dann stand er 
mit dem Degen in der Hand seinem Feinde gegenüber. 
Ach, welch ein Feind .... Klein, schmalbrüstig, eine 
riesige Glatze über den kurzsichtigen, von einer Brille 
bedeckten Augen. Jetzt begriff Rinaldo, weshalb seine 
brau so schnell das Licht ausgelöscht hatte .... sie 
hatte sich ihres Liebhabers geschämt. Wo hatte er 
dieses Gesicht schon einmal gesehen? Dieser Gedanke 
verließ ihn nicht, während die notwendigen Vorbe 
reitungen getroffen wurden, und dieser Gedanke ver 
folgte ihn noch in den Kampf. Plötzlich ein schmerz- 
«jmiiiiimimmmiimiiiiiiimiimaiiiiiiBmiigmiiiiiiiimsiiHiimiiiiiimgiiiiiiiiiisiinimiimiiiniiiiii» 
{Der Wiinsdi jeder Dame? | 
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s w ie Herz oder Niere, sondern nur auf vorhandenes, überschüssiges Fett, E 
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