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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 2" 
Nr. 2t 
26 
Sie sind noch jung und glühend und haben vermutlich 
schon manchen „Trabanten“ verkohlt. 
Sie sind schnell entdeckt, schwerer aber erforscht. 
Dazu bedarf es größerer Mittel. (Denn sie verlangen 
ausgerechnet nicht nur Bananen ) 
Man findet sie fast ausnahmslos in den glänzenden 
Bezirken des Nachthimmels — zwischen „Leyer“, 
„Becher“ und „Wagen“. Und lediglich die Frauen von 
Philistäa, die bei ihrem Anblick einen sehr heftigen An 
fall von Tugend bekommen, rechnen sie zum Sternbild 
der „Schlange“ und des „Skorpions“ (und niemals zu 
dem der „Jungfrau“). 
Die Sterne zweiten Grades oder zweiter Größe sind 
weniger leuchend. Sie haben einen gelblichen oder röt 
lichen Schein und flimmern ziemlich. Sie sind — nach 
allgemein wissenschaftlicher Annahme — älter, ziemlich 
häufig und leichter erreichbar. Sie haben eine Ver 
gangenheit, und man muß gelegentlich ein Auge zu 
drücken, um die Spuren von gestern zu übersehen. 
Die Sterne dritten Grades (usw.) endlich werden nur 
im tiefsten Dunkel wahrgenommen. 
Sie sprechen einfach an — und das ist eine für Sterne 
befremdliche Gepflogenheit! (Meine Herren, ich bitte 
Sie, die Schlüsse zu ziehen!) 
Wenn sie sich entsternen, fühlt man enttäuscht, wie 
auch der letzte Schein vergeht. 
Sie wirken nur auf Entfernungen von Straßenweite. 
Aber bei allen diesen Sternen sieht man es gern, 
wenn sie die Gepflogenheit ihrer himmlischen Schwester 
haben und — verblassen, wenn der Tag beginnt .... 
# 
Wenn es dunkelt, schweift der Blick ins All 
Und du kannst bei Dingen mit zärtlicher Gründlich 
keit verweilen, die du sonst nur anritzen darfst. 
Es gibt gewisse Schaufenster, die nur bei Nachtbe 
leuchtung genießbar sind. Dazu rechne ich alle Paradiese 
der Damen mit süßer Wäsche. Wer könnte da tagsüber 
phantastische Orgien mit zartesten Spitzen und trama- 
seidenen Geweben feiern. 
Man kann es nicht. 
Ist „man“ jenen Mädchen, die, wie sich Herr von 
Goethe ausdrückt, einmal Bräute und Mütter werden 
wollen, nicht energisch genug aus dem Wege gegangen, 
ist „man“ also verheiratet, so vermeidet „er“ diese Ge 
legenheit zu zweien: denn Gelegenheit macht Spitz 
buben und Käufer. 
Widmet der Verheiratete sich solo dem Geschäft 
zartfühlender Bewunderung — so sieht ihn sicher ein 
Bekannter oder eine Gevatterin, und er ist ohne 
weiteres verdächtig, eine Geliebte zu haben: da man 
soviel Interesse für die Frau Gemahlin nicht erwartet. 
(Man erzählte mir, daß eine Vekäuferin einen Herrn, 
der Strümpfe kaufen wollte, fragte: „Ist es für die Frau 
Gemahlin — oder darf es etwas Besseres sein?“) 
Man kann darüber denken wie man will—: fest steht 
jedenfalls, daß Ehemänner einen chronischen Appetit 
nach Batist haben. Und nach anderen ebenso schönen 
Sachen auch 
* 
Ich stehe einmal vor dem Schaufenster „Zum Para 
dies der Damen“ und überlege gerade, ob es nicht auch 
„Zum Paradies der Herren“ heißen könne. Mein Auge 
umschwärmt die Linien eines Beines (aus Holz oder — 
—?), vom Seidenflor umschimmert und, weiter oben, 
von den Kaskaden eines Höschens überschäumt. 
Da flüstert’s neben mir. — 
Das eitle Mädchen Plantikow 
(Nun, was denken Sie, meine Damen?) 
Es flüstert ein schalkhafter Sopran: „Das kannst du 
bei mir viel schöner sehn 
* 
Sie erraten leicht, daß ich ein ungläubiger Mensch 
und nur durch den Beweis zu überzeugen bin, daß dies 
Nocturno daher noch nicht zu Ende sein kann, — und 
ich, allen Täuschungen abhold, setze nun eine Reihe 
Gedanken- oder vielmehr Gefühlsstriche. — — __ 
Ein neues wunder der Wissenschaft 
, n „in Apparat, mit dem man Musik, Gesang, Vorträge usw„ die 
” Amerika aufgenommen werden, hier ln seiner Wohnung hören kann, - 
z. B. In Am d , e mo< j crn e Astrologie, eine Kunst, durch das Geburts- 
Noch wun er ar de3 Menschen genau vorher feststellen zu können. - 
datum das go^en ^ unser Institut Ihre Zukunft enthüllen lassen. Wir wissen 
Au * Ihren Charakter und die Vergangenheit, beschreiben auch Ihre Liebes- und 
sogar . die Wege zum Glück und was sonst noch Ihr Inneres be= 
Eheverha ms , £rhaltcn Sie e ; nen se hr ausführlichen Führer durch das Leben 
roit^näherer Aufklärung. Institut für Astrologie. Berlin SW 68/N. 18.
        
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