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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 21 
Jahrg. 27 
9 
UNTER BACKFISCHEN, p enneker 
„Da, Elga, ich möchte za gern meinen Hans betrügen 
„Warum denn?“ 
„Man ist dann ein mondänes Fräulein.“ 
„Sie haben gewonnen. Denn um Sie zu besitzen, habe 
ich mein Vermögen vergeudet.“ 
Nun war sie ganz Frau, und das Leben erschien ihr 
auf einmal wieder neu und lockend, und das Werben 
des Mannes vor ihr tat so wohl .... 
Nun sie wußte, daß sie gesiegt hatte, glaubte sie, auch 
ihm den Sieg gönnen zu dürfen, den er erstrebte. 
Die Nacht war heiß. Die Bosketts im Parke raunten 
leise. Die seidenen Tapeten in einem Zimmer erzählten 
berauschende Geschichten. - 
Am anderen Morgen hielt sie einen Brief von ihm in 
ihren Händen. 
Und darin stand zu lesen; 
„Gnädigste, mit dem Dank für die Nacht muß ich 
das Geständnis einer kleinen Lüge ablegen, deren ich 
mich schuldig gemacht habe. Ich habe die Wette nicht 
verloren! Denn das Geld, das Sie mir so gütigst ent 
wendeten, hatte ich Ihnen zuvor gestohlen. Meine 
Freunde können bezeugen, daß ich schon seit Tagen 
ohne einen Franken in der Tasche in den Spielsaal ge 
gangen bin. Ich habe Sie also nicht durch mein Geld ge 
wonnen. Leider durfte ich das Ihnen gestern Abend 
noch nicht sagen, da gekränkte Frauen niemals schöne 
Nächte schenken werden. Mit dem tiefsten Bedauern, 
Ihnen durch dieses Geständnis keine allzu große Freude 
bereitet zu haben, verbleibe ich Ihr ergebenster Mit 
spieler Aribert.“ 
Louison verließ noclp. am selben Abend den Badeort, 
den sie in ihrem späteren Leben sehr sinnreich ihr 
„Canossa“ nannte.
        
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