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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Jahrg. 27 
Der Professor erwiderte ihr leichtes Abschiedsnicken mit einer 
tiefen Verbeugung. Er bat sie, ihn zu benachrichtigen, was 
die Untersuchung bei dem Kollegen ergeben. Sie sagte zu. 
Am anderen Morgen, erhielt er eine Karte; sie war mit ver 
stellter Handschrift geschrieben. Alles in Ordnung! Sie hätten 
es ruhig beschwören dürfen. Ihre glückliche — — “ Der 
Name war vollkommen unleserlich und wahrscheinlich auch 
falsch. # 
Zwei Jahre später. Ein herrlicher Augusttag. Professor 
Werner hatte die Praxis auf vier Wochen von sich ab ge 
schüttelt und eine Ferienfahrt gemacht. Nun weilte er in 
Heidelberg und lustwandelte inmitten frohgestimmter 
Menschen. Da sah er ein Ehepaar auf sich zukommen. Der 
Herr, eine stattliche Erscheinung, goldene Brille, Gelehrten 
typus, Das Gesicht — Herrgott! — so bekannt kam es ihm 
vor, doch ehe er sich’s recht überlegen konnte, war der Herr 
auf ihn zugeeilt und hatte ihn freudig begrüßt, „Fritz Werner, 
Freund, Studiengenosse — na, kennst du mich denn nicht 
mehr?“ 
Nun wußte der Professor endlich, wen, er vor sich hatte. 
„Natürlich, Fälken, du gelehrtester aller Archäologen.“ 
Fälken erinnerte sich seiner Kavalierspflichten. „Erlaube —■ 
meine Frau — mein Freund und Studiengenosse Professor 
Fritz Werner aus Berlin. — Aber kennst du meine Frau denn 
schon?“ fragte er erstaunt, da er sah, daß der Freund die 
Gattin ganz entgeistert anstarrte. 
Werner verneinte hastig. „Verzeihung, gnädige Frau, eine 
flüchtige Ähnlichkeit mit “ Der Satz erstarb in einem 
unverständlichen Gemurmel. 
Die schöne Frau, die leicht errötet war, hatte ihren Gleich 
mut schneller wiedergefunden, als der weltgewandte, sonst so 
sicher auftretende Mediziner. 
Hoffentlich weckt diese Ähnlichkeit keine trüben Erinne 
rungen, Herr Professor?“ fragte sie scherzend, konnte aber 
ein unruhiges Flackern des Tones nicht ganz unterdrücken. 
Werner verneinte. „Keineswegs, gnädige Frau, es handelt 
sich nur um eine alltägliche Geschichte, die mir gerade in den 
Sinn kommt.“ 
Er sah sich um, ein Bekannter spazierte daher. Schnell 
verabschiedete er sich. „Du bist heute Abend unser Gast“, 
lud Fälken den Freund ein. Der Arzt blickte die junge Frau 
fragend an, ein unmerkliches, verneinendes Kopfschütteln —- 
er lehnte dankend ab, da er in einer Stunde nach Frankfurt 
fahren müsse. 
Ein dankbarer Händedruck der jungen Frau lohnte seine 
Diskretion. 
★ 
EIN TANZ NUR! 
C. H. BARNICK 
S ie war das erste Mal in ihrem Leben in einem Tanz 
palast. Es war eine jener Stätten, wo das 
gleißende, flimmernde Leben in der Weltstadt 
sich zu einem ungeheuren Prestissimo zusammen 
ballte. 
Sie blickte ein wenig unsicher, ein wenig verwirrt auf 
das ungewohnte Treiben des Souper-dansant, auf das 
wirre Gemisch der Denimondainen und der Damen von 
Welt, auf die legere Eleganz der Smokings, die sie in 
der Kleinstadt sonst nur von den Bällen der Schützen 
gesellschaft oder Liedertafel her kannte. 
Aber Hans saß ja neben ihr, trug den Smoking genau 
so zwanglos wie die anderen Herren, grüßte hierhin 
und dorthin mit einem Nicken, das lächelnde Kenntnis 
der Dinge um ihn herum barg. Und das beruhigte sie. 
An seiner Sicherheit gewann sie wieder Halt. 
UNlV.Biau 
BERLIN. , 
Nr. 19 
Dann setzte sich eine Dame an ihren Tisch. Das 
Mattlasseekleid umhüllte ihren Gertenkörper und riß 
dabei die Blößen seiner Schönheit in das gedämpfte 
Geflimmer verhüllter Metallkerzen. Eine rote Rose 
stand blutend unter dem Herzen der Frau. 
Hans schlürfte nervös an Cherry-Cobler und blickte 
verschleierten Auges hinüber zu der fremden Frau. Er 
zog ihr dunkles Profil mit dem knapp anliegenden 
Haar tief in sich hinein, er liebkoste die großen 
schwarzen Ohrgehänge der Frau mit seinen Blicken. 
Und plötzlich beugte er sich herüber zu seinem 
blonden Mädel aus der kleinen Stadt und fragte mit 
einem Zittern in der Stimme: „Hörst du? Das ist ein 
Tango-Milonga . . . Gestattest du, daß ich tanze? , . .“ 
Sie nickte lächelnd. Warum sollte sie nicht gestatten? 
Es war ja nur ein Tanz, den er begehrt. Mit irgend 
einer der vielen Frauen, die hier saßen. 
Er verbeugte sich vor der schwarzen Frau an ihrem 
Tisch. Doch sie lehnte ab. Da stieg ihm eine leichte Röte 
ins Gesicht, und er verließ den Saal. Das kleine blonde 
Mädel aus der Kleinstadt machte verwunderte Augen; 
denn sie konnte die fremde Frau nicht verstehen. 
Plötzlich beugte sie sich hinüber zu der fremden Frau 
und fragte mit einer warmen Stimme: „Warum haben 
Sie ihm abgeschlagen?“ 
cwtnme 
der uns nach Umstellung der Buchstaben in obigem Rebus die rieh* 
tige Lösung einsendet und jeder Löser nimmt teil an der Verteilung 
der nachstehenden Preise: 
SKR Ein Automobil 
2.Preisi1 Motorrad, S.PreisilPianino 
4.—203.Preist 200laTaschenuhren und 
eine ungezählte Anzahl Trostpreise 
Sämtliche Preise kommen in bisher geübter reeller Weise unter 
sämtliche Löter zur Verteilung. Die geringen Versandkosten muß der 
Einsender tragen. Die Verteilung erfolgt unter Aufsicht eines Notars. 
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lohn usw. sind die Gebühren der Lösung befeufügen! Briefporto 10 Pfg. 
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schreiben geben wir Ihnen auch die Gewinner der Hauptpreise aus dem 
letzten Preisausschreiben „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" bekannt.
        
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