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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Nr. 2 
Jaßrg. 27 
Kupfer-Sachs 
SliuatLo nen 
6@on Q. S traß b arger 
Orchideen-Parfüm. 
Eine Ehefrau kam hinter die Untreue ihres Mannes. Sie 
hatte Spuren entdeckt. Der Ehemann war unbefangen und 
flirtete bei seiner Geliebten, daß die Umgebung behauptete; 
„Dieser junge Mann heiratet seine Freundin sicher; er ist ver 
liebt bis zum Stehkragen in sie.“ 
Da überraschte die Ehefrau die Beiden in einer Situation, die 
an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig ließ. 
„Ertappt, meine Herrschaften“, schrie die empörte Ehe 
frau auf. „Gegen mich bist du kalt, du Elender, wie ein 
Eisberg und hier spielst du Aetna oder Vesuv?“ 
Der Ehemann wandte sich plötzlich, unerhört energisch 
werdend, gegen die Geliebte: 
„S’e unverschämte Person, Sie; was wollen Sie eigentlich 
von mir? Keine Klette haftet so wie Ihre Seele! Lassen Sie 
mich in Ruhe und machen Sie mir keine Unannehmlichkeiten.“ 
Die Geliebte war sprachlos; der Elende aber nahm das 
Orchideenparfüm, das er dieser geschenkt hatte und über 
reichte es mit den Worten seiner Gattin; 
„Du siehst, mein Goldkind, nichts ist mir für dich -;u teuer.“ 
Beim Zahnarzt. 
Eine entzückende und ebenso tapfere Dame war zugegen, 
als der Zahnarzt ihren Freund von einem bösen Zahn befreite. 
Obwohl der Zahn gefühllos gemacht wurde, schrie ihr Theodor 
wilder auf als manche Verbrecher es vor dem Henker sicher 
getan. 
„Herr Doktor! Herr Doktor, Sie reißen mir den Kopf ab.“ 
Als zufällig die Geliebte des Patienten auch um einen Zahn 
ärmer (ohne Betäubung) gemacht werden sollte, lächelte sie, 
während Herr Theodor verwundert und bewundernd dasaß. 
Sie aber sagte: „Du siehst, wir Frauen schweigen im Schmerze 
und ihr Männer brüllt wie die Löwen.“ 
Herr Theodor, der sich mittlerweile erholt hatte, erwiderte: 
„Aber wir Männer schweigen im Vergnügen und in der Wonne, 
während ihr . .“ Er wollte das andere Wort sich verkneifen. 
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Die Malerin. 
Eine reizende, junge Malerin malte Akt. Der Betreffende 
war ihr Freund; er sollte sich ihrer Kunst opfern. Mit dem 
Einglas (zu deutsch Monokel) im Auge ä-ähte er:
	        
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