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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jaßrg. 2J 
Nr. 19 
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(Zur nachfolgenden Erzählung.) Bin Ich noch schön, Jeanne? 
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EIN AKT VON E.W. D 'ALTON 
Personen: Die Herzogin Ivonne / Der Unbekannte / Jeanne, die Zofe 
Ort der Handlung: Das reizend eingerichtete intime Boudoir der Herzogin. Es hat zwei Fenster und eine Tür, die auf einen 
Balkon herausgeht. Durch die Fenster schaut man in eine wunderbare Parklandschaft. Mondnacht. Von unten her tönt leise 
moderne Musik. Plötzlich wird die Balkontür vorsichtig aufgemacht. Hinter den Gardinen tritt behutsam ein Herr im Gesell 
schaftsanzug hervor, er tappt leise ins Zimmer, schaut umher und sieht auf den Toilettentisch, als ob er dort etwas suche. 
Der Unbekannte (schüttelt den Kopf) nicht hier— 
verdammt (schaut auf den Nachttisch) auch nicht — o 
la la! (Man hört Stimmen und Schritte. Der Unbekannte 
geht schleunigst wieder auf den Balkon, lehnt die Tür 
hinter sich an. Gardinen verdecken die Aussicht auf 
den Balkon. Die eine Tür (rechts) geht auf, die Herzogin 
in großer Balltoilette tritt ein, hinter ihr die Zofe.) 
Herzogin: Ich bin müde — ich bin abgespannt. 
Jeanne, hilf mir rasch auskleiden. 
Jeanne: Ihre Hoheit, es ist doch noch so früh für 
ein Fest — Ihre Hoheit, darf ich fragen, haben Ärger 
gehabt? 
Herzogin: Du hast recht, ich bin total verärgert — 
das Fest tut mir weh — ich will Ruhe haben, ich weiß 
nicht, was mit meinen Nerven los ist — Schlafen — alles 
vergessen. — (Stampft mit dem Fuß auf.) Wenn man 
doch vergessen könnte — vergessen. 
Jeanne: Mit Verlaub zu sagen — ich — möchte — 
sagen, Ihre Hoheit, ich finde — zu viel Ruhe — finde 
ich — Hoheit werden mich gewiß verstehen. (Die 
Herzogin hat das Kleid ausgezogen. Die Zofe frisiert 
und kämmt sie am Spiegeltisch.) 
Herzogin: Bin ich noch schön, Jeanne, wirklich 
schön? Wir Frauen sind oft so schrecklich unsicher.
        
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