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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 18 
Jahrg. 27 
„Aber eine Rose ist sie, und wenn du die Dornen entfernt 
hast, mein lieber Neffe, dann kannst du mit ihr sehr zufrieden 
sein.“ 
Und so geschah es. Die entdornte Mimi de Bellegarde wurde 
Mutter von sechzehn jungen Grafen und Gräfinnen. 
Der frerr Tapa 
Fürst Pückler war in seiner Jugend ein namenloser Ver 
schwender. Sein Vater dachte des öfteren daran, ihn unter 
Kuratel zu stellen. Als er 1803 bei den Dresdener Leibgarden 
diente, lernte er eine Irmgard von P. kennen, eine junge 
Dame, die trotz ihrer Jugend sehr geschäftstüchtig war, wenn 
es galt, sich für ihre Reize honorieren zu lassen. Irmgards 
Freundinnen hatten von dieser gelernt und bald mußte der 
tapfere Leibgardist Schulden auf Schulden machen. Da kam 
der Vater Pückler nach Dresden und siehe da: fünf hoff 
nungsvolle, junge Damen wurden als die Ursache der großen 
Ausgaben bezeichnet. 
Da nahm der alte Herr den jungen Herrn energisch ins 
Gebet: „Ich habe dereinst auch geflirtet, aber meine Liebe 
honoriert ... als eine Sünde hätte ich das angesehen.“ 
Der junge Pückler lächelte: „Heute nicht mehr, Papa!“ 
„Ich beweise es dir. Junge!“ erklärte siegesbewußt der Vater. 
Und er bandelte mit zwei Damen aus der etwas korrum 
pierten Dresdener Gesellschaft an. Da aber die Damen bei 
fortschreitendem Alter der Männer auch mehr materielle Dinge 
verlangten (dieser Grundsatz gilt ja heute noch), so war 
Papa Pückler nach acht Tagen in einer solch hilflosen, finan 
ziellen Lage, daß er einen Eilboten auf raschestem Wege auf 
seine Güter schicken mußte, um sich Barmittel zu beschaffen. 
Der Sohn fragte den Vater etwas mokant: „Und nun, Herr 
Papa, schnitten Sie besser ab als ich?“ 
Der Vater wich aus, denn er wollte sich nicht als blamiert 
ansehen lassen. 
„Mein Sohn“, sagte er, „wer Schulden wegen Weibern macht, 
gehört ins Irrenhaus und kommt dorthin.“ 
Der junge Pückler erwiderte: 
„Papa, ich bin ganz im Bilde und freue mich, daß ich 
wenigstens nicht allein dorthin fahren brauche.“ 
Die. Stofe 
Die schöne Witwe, Frau von ChauveHn, wurde in einer 
Gesellschaft, draußen im Park, vom Grafen Genlis auf ihren 
Dilettantismus in der Liebe angesprochen. 
„Ich dilettantisch?“ fragte die Dame, die einer uneinnehm 
baren Festung glich. „O, Sie irren, Herr Graf.“ 
„Ich bin Menschenkenner!“ sagte er, 
„Sie wissen nicht, was eine Frau in den Amouren versteht.“ 
Er lachte: „Andere, ja.“ 
Der Graf wollte nicht, wie alle änderten, abblitzen und 
immer hitziger gestaltete er den Dialog mit der schönen Frau. 
Am Ende erklärte sie wütend: „Wetten wir hundert 
Louisdor ... Sie sagen nein, ich sage ja ... “ 
Und der Graf begleitete nach dem Fest die Rokokodame 
nach Hause in ihr Landschlößchen. 
In der Nacht hatte der Graf erreicht, was er ohne die Rede 
schlacht nie erreicht hätte. . . 
Frau von Chauvelin hatte gewonnen. Aber da sie iim Grafen 
einen ausgezeichneten Kavalier gefunden, sagte sie: 
„Hier die hundert Louis! Sie haben zw'ar die Wette verloren, 
wie Sie mir um Mitternacht schon bekundeten, aber Sie sind 
ein scharmanter, fabelhafter Offizier.“ 
Der Graf schämte sich erst ein bißchen, wollte die Summe 
refüsieren, aber schließlich ... die Morgenschokolade kredenzte 
Mademoiselle Juliette und Mademoiselle Juliette war ent 
zückend und blutjung. . . . 
Der Graf ließ das Geld in der Tasche versinken . . . wie er 
sagte, für die Armen in Paris. 
Und schon gegen Mittag nahm Juliettes schwarzer Strumpf 
die Schätze auf.
        
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