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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr. 18 
12 
„Junge, paß doch auf. . . man kommt durch deine Bananen noch zu Fall!“ 
lieh etwas mit ihr gehabt hättest, ich würde das nie 
mehr verwinden können .... 
Gert : Nun ist’s ja gut, Lorel. 
Lore (plötzlich): Du wolltest vorhin schwören, 
Gertchen. Bitte, bitte, schwöre! 
Gert (überlegen): Aber warum denn noch, Schatz? 
Es ist doch .... 
Lore (lachend): Schwöre! (Dann in ausbrechender 
Heftigkeit.) Schwöre! 
Gert: Kinderei. 
Lore (zusammenzuckend): Also doch! 
Gert (in Sorge): Unsinn, Herz. Ich schwöre dir . . . 
Lore (froh): Ja, ja! 
Gert: Und nun ist’s ja gut! 
Lore; Nein, nein! Weiter: ich schwöre dir, daß ich 
niemals etwas .... nun? 
Gert (ärgerlich lachend): . . . daß ich niemals etwas . . 
Lore;.... mit Ria von Alvensleben gehabt habe. 
Gert (in komischem Ernst, zögernd): .... mit Ria 
von Alvensleben gehabt habe. 
Lore (stürmisch): Ich danke dir, Liebling! Huch! (Sie 
sieht auf die Uhr.) Johann wartet unten. Ich muß 
schnell fort zur Schneiderin. Sie soll mir doch noch 
das Samtene für heute Abend ändern. Heute Abend, 
Schatz! (Sie gibt ihm einen Kuß und eilt zur Tür hin 
aus.) 
Gert geht in tiefen Gedanken ans Fenster; unten 
hört man den Motor anspringen und das Auto davon 
rollen. Gert blickt ihm nach; dann geht er aufseufzend 
in die Mitte des Zimmers und verharrt dort grübelnd. 
Nach einer Weile öffnet sich die Tür; eine Dame 
in taubengrauem Kostüm mit üppigem Pelz um die 
Schultern tritt herein. Sie sieht den versunkenen Mann 
und lacht leise; dann legt sie Hut und Pelz auf einen 
Stuhl, hebt die nackten Arme und räuspert sich. 
Gert (fährt aus seinen Träumen hoch): Ria! Um 
Gottes willen! 
Ria (spöttisch): Um Gottes willen? Nein, um deinet 
willen! 
Gert (hastig): Geh, man darf dich hier nicht sehen! 
Ria (zuckt die Schultern): Warum nicht? Da man 
nicht die Gewogenheit hatte, mich zu deinem Polter 
abend einzuladen .... 
Gert (entschuldigend): Lore .... meine Braut wollte 
es nicht. 
Ria (lacht laut): Deine Braut! Dies kleine Ding! 
Gert •’ Ich will nicht, daß du so von ihr sprichst! 
Ria (achtet nicht auf seinen Einwurf): Weiß sie schon, 
wie wir Beide miteinander stehen? 
Gert: Du bist toll! 
Ria: Aber du wirst doch nicht mit dieser . . . Lüge . . . 
Gert (scharf): Laß das! Es wäre ihr Tod! 
R i a (spöttisch): Es stirbt sich nicht so leicht aus Liebe, 
Gert. Ich sterbe ja auch nicht um dich. 
Gert (verwundert): Um mich? 
Ria: Glaubst du, Gert, eine Frau könnte es jemals 
vergessen, wenn sie dich in den Armen gehalten hat? 
Wende dich nicht ab, Gert! Ich komme nicht um dich 
zu kränken; ich komme, um mein Recht von dir zu 
fordern! 
Gert (erschrocken): Recht? 
Ria: Von dir und von Lore. Was hat dieses kleine 
Mädchen für ein Recht, mich in deinem Herzen aus 
zulöschen? 
Gert (aufgeregt): Du bist verrückt, Ria. 
Ria: Nein, du bist verrückt, Gert, wenn du glaubst, 
ich ließe mich von dieser harmlosen Puppe ver 
drängen. (Mit Betonung.) Ich bin dein, Gert. Und 
ich will dein sein. Heute Abend werde ich hier er 
scheinen, Gert, und vor aller Welt verlangen, daß 
du .... 
Gert (in Angst): Ria, ich bitte dich, nimm Vernunft 
an! 
Ria (bitter): Schau, schau! 
Gert (drängend): Es ist ihr Tod, Ria! 
R i a (tonlos): So also liebst du sie ... . 
Gert (starrt ihr in das bleiche Gesicht): Ja. 
Ria: Und ich war nur ein Rausch des Blutes .... 
Gert (weicht zurück): Ria, ich bitte dich .... 
Ria:.... nur eine Freude für gestohlene Nächte . . . 
Gert (besorgt): Was willst du von mir, Ria . . . 
R i a (wild auflachend): Nichts, nichts! Komm an meine 
Brüste, Geliebter! Küsse meine Knie! Verbranntest 
du nicht an meiner Glut? O, du Tor! Fürchtest du 
dich nicht zwischen ihren keuschen Schenkeln? 
Werden nicht deine Sinne nach mir schreien und 
deine Erinnerungen dich aufpeitschen von deinem 
milden Ehelager zu mir .... zu mir . . . . ! (Sie 
schüttelt ohnmächtig die Fäuste gegen die Decke.) 
Oh, ihr dreitausendmal Anständigen! Ihr Wohl 
erzogenen! Ihr Geraden und Gerechten! Haha! Was 
wißt ihr von Liebe? Wenn ihr das Bett besteigt, legt 
ihr den Knigge unter das Kopfkissen und macht 
Priesnitzumschläge um eure Gefühle! (Sie geht auf 
Gert zu und funkelt ihn an.) Sie würde an deinen 
Küssen und deinen tollen Heimlichkeiten die Lehr 
meisterin deines Lustlagers erkennen! (Tritt ver 
ächtlich zurück.) Oh, du armseliger Häscher! Ver- 
schächerst dein glühendes Blut um kühle Silberlinge! 
Zerreißest mit einer Lüge das armselige Bürgermäd 
chengeheimnis; zerbrichst mit einer lächelnden Phrase 
das erbärmliche Siegel einer dürftigen Unschuld. 
Graut dir nicht, auf gemietetem Gaul in die auf 
rauschenden Tore des Himmels zu springen?
        
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