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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg, 27 
Nr. 15 
18 
Der bCasLerte Jbettftofi 
ßermann Schreiber 
Es war einmal ein Floh. 
Der hatte für einen Floh immerhin beträchtliche Er 
fahrungen gesammelt. 
Er hatte gekostet von vielem, was reizend aber auch 
von vielem, was nicht gerade reizend war. 
Da er sich meistens in den Gegenden aufgehalten, die 
zum mindesten recht anstößig waren, so war ihm das 
Verbotene alltäglich. 
Da seinem Gesichtskreis Schranken gesetzt waren, 
innerhalb deren das Leben allerdings recht interessante 
Perspektiven eröffnete, so hatte besagter Floh bei seiner 
anerkannten Emsigkeit das Interessante in seinem 
Leben bald ausgekostet. 
Er wurde daher blasiert. 
Dick und faul. Die Frechheit seiner Exkursion ließ 
nach. Und die Kurve in der Statistik seiner Opfer, die 
er als gewissenhafter preußischer Bettfloh zu führen 
hatte, zeigte eine erschreckend rasche Abwärtsschwen 
kung. 
Die Munterkeit in seiner Bewegung verfettete. Und 
mit ihr die Freude an seinem Beruf, sein Frohsinn und 
die beschauliche Fleiterkeit seines Gemüts. 
Er verlernte das Lachen. 
Und so kroch er einds abends asthmatisch und lusL 
los in ein Bett, 
Das gehörte meiner Tante Julie, die ihren späten 
Lenztrieb auf den ältlichen Provisor gerichtet hatte, der 
neben einer fortgeschrittenen Arterienverkalkung eine 
verblüffende Hartnäckigkeit in seine erste Ehemanns- 
nacht hinübergerettet hatte. 
Die Leiche des blasierten Flohs wurde am anderen 
Morgen gefunden. 
Er war an einem Lachkrampf krepiert. 
Plantikow 
LIEBESBRIET 
ACH SO/ 
ANTON SCHNACK 
Mademoiseffe; wär jetzt die Zeit des kapriziösen Roßoßo, 
War idt der Graf vom roten Teuerfierzenj 
In meinem SSfoß Adonis wär’ Sifßergfanz von fänfzeßnßundert 
Kerzen. 
Im gofdnen Vogefßauer flötete verträumt ein ßfauer f'oiseau. . . 
IS ßätte EuS zum Rendezvous gefaden 
In meines SSfosses sSwäfstem Boudoir■, 
GesSmiiSt mit naSten Tänzerinnen, Syfpßen und Najaden, 
Mit BCumen aus Nizza und Duft aus Sansißar. 
IS würde woßf auf meinen Knien Ciegen 
Vor EuS im sifßerweißen Ätfasfanapee 
Und Euer Mund ergfüßte woßf wie eine seftne OrSidee. 
Erßeßend würd’ iS Euern Mund zu meinem Munde ßiegen... 
Erst faß' iS mit ßeißen Küssen 
In Umarmungen wifd diS umrafft. 
Nur weif iS gegfaußt, es zu wissen. 
Du dürstest naS LeidensSaft; 
Vergeßficß!7 
Dann spraS iS dir von durStvaSten 
NäSten und ißrer Quaf, 
Nur weif meine Gangfien daSten, 
Du seiest woßf sentimentaf: 
Verg e ß ficß !! 
Dann wollte die Saiten iS rüßren 
Und sSfuSzen von Lust und von SSmerz 
Nur weif iS vermeinte zu spüren. 
Du ßaßest - vieffeiSt - ein Herz: 
Vergeßficß! I 
Es sprängen, Königin, Dir zart die Seidenßänder an der Büste, 
Wie ßeusSes MorgenfiSt erßfüßten Eure Jungen weißen Brüste. 
Mit gofdnem Ton sSfüg' eine Ußr verforen sießen. 
O sSmerzfiS GfüS: so faß iS’s nur gesSrießen 
Wie iS EuS, Königin, zu Jener Zeit würd’ fießen. 
DoS nun, da iS endfiS gefunden. 
Was ferne von mir diS ßäft. 
Kann iS sie niSt ßeifen, die Wunden: 
IS ßaße sefßst - fein Ge fäll 
Scßadel L.B.
        
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