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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 14 
Jahrg. 27 
Nun stand er im Burghof. Aus den Gesinderäumen klang 
Lachen und Becherklirren. Wußte man schon um seinen Sieg? 
Nun jagte er die Stufen des Südturmes empor und hielt 
einen Augenblick vor ihrem Gemach. 
Dann klopfte er. 
Er hörte das Rascheln ihrer Gewänder und gleich darauf 
ihre Stimme, ihre silbern klingende Stimme. Sie sagte; 
„Kommst du noch einmal, Giorgio?“ 
Nun wußte er, daß die weißen Tauben die Wahrheit gesagt 
hatten. Als sie ihren Gatten sah, mit dem erhitzten, roten 
Gesicht, mit dem von Schlamm und Wasserpflanzen be 
schmutzten Anzug, schrie sie auf und sank in die Knie. 
„Ich weiß alles. Die weißen Tauben verrieten es. Wo 
ist er?“ 
Sie schwieg. 
„Wo ist er?“ 
Sie rang die Hände und sprach halblaut — denn das 
Klopfen ihres Herzens hinderte sie am lauten Sprechen: „Noch 
ist nichts geschehen. Ich schwöre es dir, Ich schwöre es!“ 
Während er auf ihren dunklen Scheitel und die feine Ge 
stalt niederblickte, die Augen blutunterlaufen, die Hand am 
Schwertgriff, und nach dem Namen seines Nebenbuhlers 
forschte, durchflog der Wunsch sein Hirn; wenn sie jetzt 
nur nicht wie damals lächelt . . . nur nicht lächelt . . . 
Er packte sie am Nacken und schüttelte sie wie ein Tier. 
Als sie emporsah, die schönen Augen voller Tränen und um 
Mund und Nase wieder das verwirrende, aufreizende Lächeln, 
überwältigte ihn dunkle Wut. Er hob sie mit beiden Armen 
an den Hüften hoch empor und trug sie zu dem schmalen, 
hohen Fenster, durch das eben der Mond blickte. 
Aber als er sie, für die seine gute Waffe zu schade war, 
hinunterstürzen wollte in den Burggraben, der ganz unten 
grünlich böse aufblinkte, geschah etwas Seltsames. 
Bianca Maria umarmte ihn plötzlich und stammelte: „Ach, 
Wärst du doch immer so gewesen, Galeazzo!“ 
Diese Worte verwirrten ihn so, daß seine Arme von ihr 
ließen. 
Und das Weib, das da mit zerwühltem Gewände am Fenster 
lehnte, sprach noch einmal: „Wärst du doch immer so ge 
wesen!“ Und ihr Lächeln begleitete die letzten Worte, die sie 
im Leben sprach: „Wärst du immer so stark gewesen, es wäre 
nichts geschehen. Ich wußte ja nicht, Galeazzo, 
daß du ein Mann bist, ein starker, glühender 
Mann! Ich lachte heimlich Deiner und spottete. Aber nun 
ich es weiß, weiß ich auch das andere: daß ich deiner nicht 
wert bin.“ 
Und ehe er noch ein Wort sagte, schwang sie sich über die 
Fensterbrüstung in die Tiefe. 
Er hörte das Aufschlagen ihres Körpers auf einen Mauer 
vorsprung — das Äufklatschen des Wassers dann war 
alles still. 
Und da erschien am Fenster wiederum eine Schar weißer 
Tauben, Zauberte sie ihm sein überreiztes Hirn hervor? War 
es heute im Lager eine Täuschung gewesen? Waren es die 
gleichen oder andere? War es ein Spuk? 
Jfafalogßellage 
Der in der Nr. 10 unserer Zeitschrift, ans 
gezeigte illustrierte Katalog der Firma 
Kurt Ehrlich, 
Verlag, Berlin SW 61, 
lag infolge eines Vers 
Sehens nur einem Teil 
der Auflage bei. — 
Ein Teil unserer Leser 
wird denselben erst 
heute vorfinden. 
Auf Wunsch versens 
det der oben genannte 
Verlag, wenn auf „Bers 
liner Leben“ bezugs 
genommen wird, allen 
denen ein Exemplar, 
die das Verzeichnis 
noch nicht erhielten. — Wir möchten unsere 
geschätzten Leser auf das nett ausgestattete, 
viele interessante Bücher umfassende Vers 
zeichnis ganz besonders aufmerksam machen 
Er sah deutlich ihre weißen Flügel und ihre roten Füßchen 
im hellen Mondschein. Sie flogen abwärts zum Fuß des 
lurmes und gurrten wehklagend und, wie es ihm schien, 
anklagend. 
Da schlug der junge Herzog die Hände vor sein Gesicht und 
stöhnte. Ihm war in diesem Augenblick bewußt, daß er än 
diesem Tage seines ersten Sieges die größte Niederlage seines 
Lebens erlitten hatte, und er wußte nicht, wie sich diese 
Wunde jemals schließen könnte. 
* 
Cros fiat das IDort 
Wenn eine Frau träumt, sündigt sie bekanntlich nicht, aber 
wenn sie gesündigt hat, behauptet sie, sie hat es in einem 
Traumzustand getan. 
Der erste Fehltritt eines Mädchens erlischt durch den 
zweiten. Der dritte heißt eigentlich nicht mehr Fehltritt, son 
dern die Macht der Gewohnheit. 
Sobald der Junggeselle in den Armen einer verheirateten 
Frau zu viel zu philosophieren beginnt, kehrt diese wieder ent 
täuscht zu ihrem lieben Manne zurück. 
Heirate eine Geliebte und du wirst das Weib in ihr er-, 
kennen. 
Der Teufel amüsiert sich in der Liebe und freut sich un 
menschlich, wenn er dabei den Engel beim Wickel bekommt. 
Ein Mann, der immer am Tage schläft, sieht seine viel- 
bewegte Gattin bei Nacht in schnarchender Treue und glaubt 
an sie . . . Str. 
Eine Frau bringt uns die Ideale, die andere aber nimmt 
sie wieder. 
Die Männer sind generell Frauenhasser, im einzelnen aber 
Frauenverehrer. 
Die Neugier führt die Frau rascher zur Sünde hin als 
Leidenschaft. 
Eine Frau, deren Liebe erlischt, hört auf, auf das Porte 
monnaie des Mannes weiter Rücksicht zu nehmen. 
Not verbindet heute mehr denn je die Herzen zweier 
Liebenden oder sie trennt sie im D-Zug-Tempo. 
3 fragen Ulfe! 
1. Sind Ihnen die seelischen und körperlichen Leiden 
bekannt, die sich aus den sexuellen Hem= 
mungen ergeben? 
2. Wissen Sie, das ärztliche Autoritäten der 
SexuaLWissenschaft eine Erfindung gemacht 
haben, die die entschwundene Kraft dem 
Manne zurückgibt ? Das Reich hat nach Prü 
fung der wissenschaftlichen Erfolge unter 
Nr. 368532 ein Reichspatent darauf erteilt, 
3. Dürfenwir Ihnen Aufklärung über die Ursache 
der Leiden und die neuesten Erfolge der Wis= 
senschaft geben, dann verlangen sie durch Post= 
karte kostenlose Zusendung der ärztlichen 
Schriften 
Globus - Pledlco - Gesellschaft 
Berlin Z Uf 57, BUlotusfrasse 56 
27
        
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