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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Ü-V 
Rokoko-Idyll Pr °f■ Hegemann 
SPANISCHE TÄNZERIN 
Von Hans Befhge 
Auf einem Tische tanzte sie bei Nacht in einer kleinen, abge 
legenen, düstern Spelunke Salamancas. Stierkämpfer, gelassen, 
bleich, doch mit erregtem Blut, hockten im Kreis, ein paar Gi 
tarren spielten, der Qualm der Zigaretten zog in Schwaden durch 
den mit Weinduft angefüllten Raum. 
Wie ein gestürzter Engel tanzte sie, noch haftete an ihren 
zarten Gliedern, wenn sie die Hände aufwärts warf, ein Schimmer 
vom Paradiese, überirdisch herrlich, dann wieder rieselte tun ihre 
Brüste die ganze Qual, die Schwermut, aller Jammer der Erde, 
ihre Locken wirbelten um den aufrechten, goldgebräunten Hals 
wie schwarze Schlangen auf schimmerndem Herbstlaub. 
Und manchmal sah es aus, als höbe sie sich auf Wolken, mär 
chenhaft, und wolle Entschwinden, gleitend, wahrlich wie ein Engel, 
und manchmal zitterte die Leidenschaft so wild und so verwegen 
durch den Schwung der Hüften, daß sie wie in Flammen empor- 
zulodem schien, in fürchterlichen, verzehrenden, verdammnis- 
sprühenden Flammen, und manchmal war ein kindhaft zartes 
Klagen um ihre dünnen, hingesunkenen Hände, imd manchmal 
meinte man ein fernes Rauschen aus Palmenwäldem zu vernehmen, 
manchmal das Stürzen von Wildbächen im Gebirge, und manchmal 
Mondschein, manchmal heiße Sonne auf gelbem Sande Spaniens . . ,, 
manchmal auch war es, als käme ein geheimnisvolles, letztes, 
verblichenes Grüßen aus dem Grabe der schönsten, lastervollsten 
Sünderin. 
Der enthusiasmierte fbackfiscfy 
O, wie ist ein Kino schön! So dunkel ist keine Nacht, ge 
liebter Max, wie wenn das Drama läuft. 
* 
Wann, du süßer Alex, wirst du mir meine Lippen wieder 
wund küssen?! Ich bin begeistert davon. 
* 
Ich bin sechzehn, er ist sechzig . . . Bin ich begehrt? 
* 
Fünfzehn Minuten Tunnel! Welch ein Glück . . . und mir 
gegenüber Hans, der Unterprimaner. Romane! Romane! 
* 
Ich werde wahnsinnig vor Glück! Ein Jurist fiel meinet 
wegen im blutigen Duell. 
* 
Ein Ehemann hat sich mir genähert . . . sein Weib ist eifer 
süchtig. Ich kann die Katastrophe kaum erwarten. 
* 
Denkt Euch; mein Strumpfband wollte er durchaus sehen. 
Welchen Eindruck habe ich nur auf ihn gemacht! 
♦ 
Lache, Bajazzo! Er hat meine Freundin aus seiner Wohnung 
hinausgeworfen und mich in die Wohnung eingeladen.
        
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