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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 13 
Jafirg. 27 
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D. G. SCHUMACHEIU 
i. 
er rothaarige Raubgraf Bolko von Klütze war 
im ganzen Kreise Teltow gefürchtet: Ritter 
und Bauern, Freie und Hörige erzitterten vor 
ihm; denn seiner List und Rücksichtslosig 
keit hatte bisher noch keiner und noch keine 
widerstehen können . . . zumal er mit nider- 
trächtiger Schlauheit vorging — wo es galt, 
einen fetten Bissen mühelos zu ergattern. Berlin, der Mark 
graf war weit — ja, der dortige Hof war froh, wenn er unbe 
helligt blieb von den Nöten, die Bolko von Klütze dem Lande 
schuf 1 
Der Raubgraf hatte die Weise, überall herumzustreifen und 
sich über die Pläne und Wege seiner auserkorenen Opfer 
vorher wohl zu unterrichten, um sie dann bei geeigneter Ge 
legenheit um so leichter in seine Gewalt zu bekommen. Dabei 
kam es ihm nicht nur auf Geld und Gut an — oft wollte er 
nur die schönen Frauen und die unschuldigen Mägdelein 
gewinnen . . . 
Er drohte jungen Edlen mit Brandschatzung, sobald sie 
Hochzeit halten wollten. 
Das traurigste bei diesem Dinge war nun dies: die für ihn 
in Betracht kommenden weiblichen Wesen ließen sich oft 
sehr willig dem Bolko ausliefern und es kam so weit, 
daß sie den Bolko ihren eigenen, von Eifersuchtsqual und Er 
niedrigung gepeinigten Verlobten als einen „gar stattlichen, 
lieben Herrn“ schilderten, „dem niemand rechtens nee sagen 
kunnt’.“ 
Acht Tage vor seiner Hochzeit mit der Jungfrau Götelindis 
von Trüchtelheim erhielt der junge Ritter Gunzo von Mindel- 
hausen (der da kürzlich erst vom Markgrafen mit der Do 
mäne Blatzkow belehnt worden war) den folgenden Drohbrief ' 
vom Raubgrafen Bolko von Klütze zugestellt: 
„Wisset, Ritter von Mindelhausen, daß ich euch mit meiner 
Streitmacht überziehen täte, just wenn ihr euere Ho chgez eiten-- 
mit dem Jungfräulein von Trüchtelheim feiern werdet! Sehe 
ich doch nit ein, daß ihr’s frei geneußen sollt, maßen ihr ein 
landfremder, fränkischer Junker seid, und will euch euer Lust 
füglich gehörig Stören.“ 
Der einge,schüchterte junge Ritter sagte dem gefürchteten 
Bolko eine hohe Abstandssumme zu, falls er von Brand 
schatzung ablasseh wolle. 
Der Bolko aber schrieb nur kurz zurück: 
„Euer Geld mag ich nit, fange mit erst mit so armseligen 
fünfhundert Dukaten an, habe deren nämlich genug, tracht’ 
nach anderem in mein jungen Jahren! Will ablassen von 
Brandschatzung, so ihr mir euer Jungfer Braut, wolgemerket 
die Jungfer — auf ein Nacht schicken wolltet. Die Jungfer 
Götelindis gefallt auch mir sehr wol und tät’ mich gern an 
ihr Mündlein letzen, bevor ihr’s tut — so ihr mir meine Lust, 
euch niederzubrennen nit gönnen wollt!“ 
Der junge Ritter von Mindelhausen entschied sich dafür, 
dem Raubgrafen seine Braut den Abend vor der Hochzeit 
hinüberzuschicken . . . der Markgraf in Berlin war weit und 
rasche Hilfe nicht herbeizuholen. So verabredete er mit Göte 
lindis, daß sie dem Bolko von Klütze ein Pulver in den Abend 
trank tun solle, welches ihn betäuben werde, worauf er sie 
füglich in Ruhe lassen werde. Unterdessen werde der 
Bräutigam ihrer unter Bedeckung unten warten und sie 
könnten fliehen und des Markgrafen Hilfe erbitten. 
Götelindis war’s zufrieden, obwohl dieser ganze Plan auf sehr 
schwachen Füßen stand. Sorglich verbarg sie das Pulver unter 
dem blauen Mantel auf ihrer weißen Brust und ließ sich von 
Gunzo selbst bei Nacht und Nebel zu Bolko hinführen. — 
Ihre Bereitwilligkeit machte Gunzo bereits Kummer. — 
Indessen gefiel Götelinden der rothaarige, eisenstarke 
Mensch so wohl, er war auch vor ihr ein so süßer, minniglicher 
Gesell, daß sie den gefürchteten Raubgrafen kaum in ihm 
wiedererkannte . . . nicht sie senkte ihn in Schlaf mit Gunzo’s 
Pulver, sondern e r raubte dem verlangenden Fräulein den 
letzten Halt und Willen — „ist mir keine Burg im Lande 
widerstanden, wo ich’s nehmen wollt . . . auch du nit, zartes 
Tierlein du!!“ 
Vergessen glitt das Pulver mitsamt dem Mantel zu Boden. 
Dem Raubgrafen war sein Plan voll und ganz geglückt. Bei 
aller Schlechtigkeit doch noch ein Mann von Wort bleibend, 
iiiiiiiiiiiniiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiins 
Unsere verehrten Leserinnen und Leser | 
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