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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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AV. 13 
da machen Sie Ihnen nur keine Jedanken, Fräulein Ronvalk 
— oder wie wir Ihnen nennen dürfen —“ 
„Von Haus aus heiß’ ich Betty. Betty Schulze. Und ich bin 
von Hubertusburg.“ 
„Wir sind echte Berliner. Und sehen Sie, die Schweden- 
Ingrid, die hatte keene Chancen, nebenher wat zu verdienen. 
Mit Poussieren un so. Die war nich mehr zugkräftig.“ 
Jaürg. 27 
„Der, wo Sie sich verbeten haben, daß er Ihnen anfaßt und 
Ihre Muskeln darbietet.“ 
Eine Glocke begann vor dem Theater zu wüten. Ein Clown 
gesicht erschien ohne Umstände zwischen dem Vorhangspalt 
der Damengarderobe. 
„Dalli, Kindersl“ rief der weißgeschminkte Willi Prietzel. 
Betty Schulze erschrak über seine greuliche Fratze. Die Lippen 
„Wie ist es denn überhaupt mit den Kavalieren?“ forschte 
die Neue. „Ich bin sonst zwar nicht für so was.“ 
Die beiden anderen feixten sich an. „Jeschäft is aber nu 
doch mal Jeschäft. Das heißt —“ 
„Ja, das heißt“ sagte die rote Alma, sich eine vornehme 
Haltung gebend, „ich bin auch mehr fürs Solide. Ich muß 
Ihnen bedeuten, daß ich auf Herrn Willi Prietzel reflektüre.“ 
„Auf den Ansager. Clown is er auch“, kicherte die Schwarze. 
reichten von einem Ohr bis zum anderen. Die schwarze Ruth 
jammerte, daß ihr keine Zeit gelassen sei, ihre Hose zu nähen. 
Die Kollegin Alma mußte mit Sicherheitsnadeln beispringen. 
Dann traten alle drei in ihrem, sich auf die flitterbestickte 
Hose und ein buntes Trikot beschränkenden Kostüm vor die 
Bude. 
Der Clown löste den Direktor im Anreißen des Publikums 
ab. —
        
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