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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr, 12 
Jahrg. 27 
27 
„Das geht nicht,“ sagte er, „das ist die schwerste Sünde, die 
Seine Majestät und der Herzog von Orleans je begangen haben.“ 
Aber sein Adjudant machte ihn darauf aufmerksam, daß Majestäten 
und andere Fürsten überhaupt keiner Sünde fähig seien und daß 
recht getan sei, was sie immer getan. 
Da kam Tesse zu Pferd in die Jakobsgasse, allwo ein reizendes 
Heidelberger Blondköpchen wohnte: Marthel Rupp benamset. Mit 
Marthel Rupp hatte der Franzose ein Techtel - Mechtel und so 
manche Nacht verbrachte der Franzose mit seinem blonden Lieb 
chen am Neckar und üp Schloß. 
Nun mußte er der Kleinen mitteilen, daß morgen Heidelberg an 
allen Ecken angezündet werden sollte. „Flüchte Dir meine Kind, 
sonst wirst Du verbrennen wie andern Menscher!“ mahnte der 
Feldherr. Er hielt sie im Arm und küßte sie. „Jesses noi, seid 
ihr Pranzoser gefiehlvoll! Euch hol’ der Deifel“. Der Graf ver 
bat sich plötzlich den Ton der Heidelbergerin. Sie aber sagte: 
„Ich redd, wie mir der Schnawwel gewachse isch, Du einfältiger 
Pariser Bursch.“ 
Tessd, der sehr dekolletiert war, sprang rasch auf die Beine, sie 
aber höhnte und er, der Kavalier, gab ihr eine klatschende Ohrfeige. 
Da riß der Rupp die Geduld. Obwohl sie im Hemde dastand, 
riß sie die Tür, die auf die Straße führte, auf und schrie den 
Vorübergehenden zu: 
„Landsleut, ich habe mich for Euch geopfert. Ich wollt’ den 
Grafen da im Hemd mild stimme durch mei Schmuserei, aber 
der Graf hat nur sei Pläsiercher bei mir gesucht.“ 
Der Graf von Tesse wurde blutrot vor Zorn und schämte sich. 
Rasch schlüpfte er in die Beinkleider, warf der Kleinen einen haß 
erfüllten Blick zu und schwang sich aufs Pferd, um schleunigst 
die Soldaten zu sammeln. Früher als geplant, kam das Verhängnis 
über die Stadt. Zwei Stunden später zündete ein Korporal als 
erstes Haus das der Martha Rupp an. Sie aber war eine Stunde 
zuvor mit ihrem Herrn Bräutigam, der kluges Verständnis für ihren 
Opfermut beim Grafen von Tesse zeigte, entkommen. 
Das arme Heidelberg aber mußte für den Hohn der kleinen 
Pfälzerin bitter und schnell büßen. 
Törichte Kassiber 
(Was eine Leserin des „Berliner Leben“ in Berlin zugesteckt bekam) 
Ich stecke den Kassiber 
Der Gnädgen heimlich zu — 
Fleh' um ein Rendez-vous, 
Jelänger, ja, jelieber. 
» 
Den Herrn, der hier am Tische saß 
Und süße Apfeltorte aß. 
Den haben Sie verrückt gemacht — 
Er steht um sechs vor Postamt acht 
Wenn Sie ledig sind, dann bitte 
Sagen Sie doch nicht gleich nein,- 
Steht nun zwischen uns der Dritte, 
Muß es ohne ihn mal sein. 
» 
Ihr Gatte scheint ein netter Mann, 
Doch ich bin zehnmal netter. 
Wenn's anders sonst nicht gehen kann 
„Machen's mich zu ihrem Vetter." 
* 
Wann Isf der Ehemann freu? 
Wenn er kein Geld hat. 
Wenn er das Telephon abgeschnitten bekam 
Und zugleich ans Zimmer gefesselt ist. 
Wenn er sich kalt duscht. 
Wenn er die Steuererklärung abgibt. 
Wenn der Gerichtsvollzieher klingelt und der 
Schreck ihm in die Glieder fährt. 
* 
Wann isl die Ehefrau unfreu? 
Wenn er kein Geld hat. 
Wenn der Gatte mehr schläft als wacht. 
Wenn er nein sagt und sie sagt ja. 
Wenn der Andere Komödie ihr vorspielt 
Und sie die Ehe als Schwank ansieht. 
Wenn der Ehemann sie ganz erkannt hat 
Und der Andere das Frauenrätsel lösen soll. 
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