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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jafirg. 27 
Nr, 12 
72 
DIE FAVORITIN 
Da liegt er auf des Lagers duft’gem Pfühle, 
Die dunklen Wimpern schlummer-müd’ gebannt.... 
Auf leichten Schwingen schwebt des Abends Kuhle 
Und dämpft des Tages glutenschwere Schwüle, 
Die weich und werbend Herz und Sinn umspannt 
Da liegt er — zarten Schimmers übergossen, 
Ein leises Lächeln stumme Kunde beut 
Von heißem Rausche, taumelfroh genossen, 
Da sich zum ersten Male ihm erschlossen 
Die Wunderblume seiger Liebesfreud. 
Und trunknen Auges ihre Blicke hangen 
In weher Lust und wonnesüßer Pein 
An seines jungen Leibes Blütenprangen, 
Als saugten sie in lechzendem Verlangen 
All diese Schönheit gierig in sich ein. 
O, wie sie ihn doch liebt, wie keinen, keinen 
Sie je geliebt, so ganz mit Herz und Blick; 
Ach, ewig sich in Liebe ihm zu einen. 
Nichts würd ihr köstlicher auf Erden scheinen 
Es wär gleich süßestem Nirwana-Glück! 
Da liegt er — und der Abend weicht von hinnen, 
Am Himmel zieht herauf die bleiche Nacht, 
Des Mondes weiße Fäden keusch umspinnen 
Mit ihrem silberseidenen Zauberlinnen 
Den jungen schönen Schläfer kosend-sacht. 
Wie schön er ist! — Fast möchte sie verwehren 
Dem Mond sein buhlend-schmeichlerisches Spiel, 
Das sie schier dünkt ein freventlich Begehren; 
Nur ihr, nur ihr darf er ja angehören, 
Er — aller Erdenwünsche höchstes Ziel. 
Er liebt siel Jal Wie hehre Hymmen klangen 
Die wen gen Worte ihr aus seinem Mund, 
Die immer wieder seine Seufser sangen, 
Als er im Liebestaumel sie umfangen 
In göttlich-großer, dreimal seiger Stund. 
Er liebt siel Ja/ Sie darf den Worten trauen, 
Doch wird ihr seine Liebe bleiben — ihr? 
Gibt's nicht noch schönre liebenswerte Frauen? 
Und wird er ihre reichen Reize schauen 
Achtlos und ohne sündger Lüste Gier? 
Nein, nein, nicht einer andern soll erblühen 
Je seines Leibes jugendschöne Pracht, 
Nicht einer andern Gunst sich um ihn mühen; 
Nie sollen seine Lippen jemals glühen 
Auf einer andern Mund, vom Rausch entfacht. 
Doch wie sich gegen das Geschick erheben, 
Dess Willen jeder Wurm sich wimmernd fügt? 
Nicht macht es Halt vor Menschen-Lieb und -Leben; 
Und doch — was macht das Herz ihr jäh erbeben? 
Und doch .... wenn sie es zwingt, es trotzig trügt?! 
Ihr Auge glänzt in überirdschem Glanze 
Und lächelnd streut sie um die Lagerstatt 
Mit hast’ gen Händen Reiser rings im Kranze. 
Schon tummelt lustig sich im Knistertanze 
Der rote Brand, gefräßig, nimmersatt. 
Und lächelnd folgt sie der Zerstörung Schrecken, 
Mit wildem Schauer des Verderbens Wut.... 
Da — über goldgewirkte Sammetdecken 
Die Flammen ihre spitzen Zungen recken 
Nach ihm, der schlummer-müd’ in Träumen ruht 
Ein Schreil Ein zweiter/ Ein verzweifelt Ringen, 
Ein Röcheln noch. — Zwei Leiber, enggepreßt 
Die roten Feuerarme heiß umschlingen. 
Im heil’gen Hain die Nachtigallen singen 
Und feiern redfer Liebe SommerfestI
        
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