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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nt. 11 
Jatirg. 27 
27 
Uhr brauchte der Page nicht die Türe zu drehen. Da 
durfte er ausruhen und besorgte nur Botengänge im 
Haus. Das hatte sie heute früh von ihm erfahren. — Sie 
mußte noch lächeln, wenn sie an die erschreckt neu 
gierigen Augen des Jungen dachte, als sie ihn fragte, ob 
er denn von früh bis spät die Türe drehen müsse. 
Nun war es bald ein Uhr. 
Frau Thea konnte ihre Unruhe nicht beherrschen. Sie 
ging in ihrem Zimmer auf und ab, ließ sich bald in 
einem Sessel nieder, griff zu einem Buch, legte es 
wieder aus der Hand. 
Dann aber stand sie auf, kurz und entschlossen, ging 
zum Badezimmer nebenan und ließ das Wasser in die 
Wanne rauschen. Einige Tropfen „Fleures de Paris“ 
zauberten in des Gemach den Duft eines tropischen 
Blütenhaines. 
Minuten später umkoste das Wasser warm und weich 
den weißen Frauenleib. 
. . . Ein zages Klopfen an der Tür . . . Ein stärkeres 
. . . Frau Theas Herz jubelte auf, schlug zum Zer 
springen. Der Augenblick war da — und alles geglückt. 
Das selbstbestellte Telegramm — der Page — sie im 
Bad. 
. . . „Herein!“ 
In jungen Augen spiegelt sich Erschrecken. Verwirrte 
Gedanken stammeln Entschuldigung. Zitternd streckt 
sich dem weißen schimmernden Frauenarm das Tele 
gramm entgegen. „Dringendes Telegramm“ beben er 
regte Lippen. Dann gleitet der Blick des Pagen — un 
gewollt, unbeherrscht — über den schmiegsamen 
Frauenleib in der durchsichtigen Decke des Wassers. 
Und haftet immer noch am magnetischen Weiß, wäh 
rend der Junge sich rückwärts zur Tür tastet. 
„Bleib . .“ hauchte Frau Thea, schmeichelt sie, bittet, 
fleht sie. „Bleib . . 
Die Nasenflügel des Jungen sind ganz breit und aus 
gebogen, und sein Atem geht tief und stockend. 
Dann wirft er jäh den Kopf zurück, drückt mit einem 
Ruck die Klinke der Tür — und ist fort. 
♦ 
Am Abend um zehn Uhr geht der Pagen Dienst zu 
Ende. 
Es ist noch ganz wirr um ihn, als er nach Hause 
schlendert. 
Die Hitze des Tages liegt in den Straßen. Unter den 
gelbsüchtigen Flammen der Laternen stehen die feilen 
Mädchen und tragen ihre geschminkten Gesichter und 
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