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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Das Herz ist für den Geliebten, der Verstand für den Gatten. 
* 
Die Tagend einer anderen Frau verteidigt am temperamentvollsten 
die Frau, die sündigt. 
Die Liebe ist unlogisch; Die Gattin unterschätzt der Ehemann, die 
Geliebte überschätzt er. 
* 
Weil die Liebe blind ist, tappt man dabei so lang und so oft im 
dunkeln. 
* 
Die Geliebte muß dem Manne die Treue innehalten, dann nur wird 
er sie aushalten. 
* 
Eine Frau freut sich, wenn der Mann sie besiegt, aber sie ist noch 
mehr entzückt, wenn sie die 
Siegerin ist. 
* 
Die schwachen Stunden sind 
sonderbarerweise am gefähr 
lichsten. 
* 
Daß der Mann sie vergißt, 
vergißt die Frau ihm niemals. 
* 
Den Zauber der Ehe lernt oft 
nur der Hausfreund kennen. 
* 
Die Liebe ernährt sich mei 
stens durch Phantasie- 
* 
Das sei der Trost eines Be 
trogenen: Auch den Nachfolger 
wird das gleiche Geschick er 
eilen. 
* 
Der Mann sucht sein Glück 
auf der Straße, die Frau im 
molligen Boudoir. 
* * * . 
In seiner Liehesglut erfaßt der 
junge Fabrikant das Händchen 
seiner neuen Bekanntschaft. 
Rash legt er es auf die Herz 
gegend. 
„Fühlst da .. . fühlst da, 
Shatz?“ 
„Ja, ih fühle", erwidert sie 
belustigt. 
„Und was?” fragte er leiden- 
shaftlih. 
„Die Geldtashe mit den Geld 
anleihen■” Sir. 
Ung eh härter Fa [f. 
Sybil: „Wenn ihr Mannsbilder unsereinen bioß nicht so schnei! ent. 
täuschen wolltet! Keiner von euch hat die Gabe, die Illusion Ober 
drei Tage hinaus au prolongieren! Der Mahn, der klug Ist, trägt 
meistens gußeiserne Krawatten. Der Mann, der elegant ist hat meistens 
Holzwolle unter der Schädeldecke. Der Mann, der klug ist und elegant, 
glaubt seiner Eitelkeit einen Massenkonsum schuldig zu sein. Das sind 
die größten Enttäuschungen,. von den kleineren und den noch kleineren 
gar nicht zu reden! Den Richtigen, du lieber Gott, den Richtigen werde 
ich wohl niemals finden —!" 
Hugo: „Solange Sie den Richtigen nicht gefunden haben, o Sybil, 
nehmen Sie mich 
„Sie sind mir gerade der Richtige . . ." 
Sybil; 
//. Reinald. 
Hör - ig. 
Walter: „Nichts höre ich lieber 
als das Brausen des Meers, das 
wirklichkeitsferne Sausen, das 
Sehnsüchte aufwühlende — —, 
nichts höre ich lieber als Ge» 
witterregen-Geprassel im Hoch» 
gebirg, mit Blitz, mit Donner, mit 
Sturmgeheul , im giganti 
schen Ausmaß , nichts höre 
ich lieber als den Bogenstrich des 
Primgeigers im Cafd Balzac, — 
animalisch, losgelassen, unkünst» 
krisch fast, mitten durchs Herz 
sägend, — nichts höre ich lieber 
als die erschütternden Ton-Kon» 
stellationen des Puccini, die 
Ltebesklage der Floria Tosca, — 
nichts höre ich lieber " 
Emil: „— Nichts höre 
ich lieber als das Stillschweigen 
meiner Frau. . ." 
H. Rewafrf. 
Revanche 
„Warum hältst du dir einen 
Freund?" wollte der Zahnarzt 
wissen. 
„Weshalb hältst du dir eine 
Freundin?'" gab seine Gattin ihm 
zur Antwort. 
„Ich revanchiere mich." 
Ich mich auch", meinte sic. 
Verlag; Almanach 
Krebs, Berlin / Scbrifrleitun; 
Sossener Straße 55 / Manusi
        
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