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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Nr. Io 
Jahrg, 27 
künstlerisch und geschäftlich Lanziert hat, der vorher ein 
Nichts war, jetzt durch unsere Verbindungen und unser Geld 
sich einen Namen gemacht hat, wenn der — so — so ... o 
Gott! . . . (Sie schluchzt leise.) Begreifst du das nicht, 
wie einen das kränken muß?! 
Hansheinz (zieht sie an sich); O ja — ich begreife 
das. (Er küßt sie.) Aber dann begreife auch, daß — nun, 
daß ich eigentlich recht froh bin, daß wir sie los sind. (D a s i e 
noch immer schluchzt, zieht er sie aufs Sofa 
und auf seine Knie.) Sieh mal, mein süßer Schatz — es 
war doch zuletzt sehr lästig — immer dieser Ezzard und diese 
Ada. Na ja, auf die Dauer wird das langweilig. Man will doch 
auch mal mit seinem kleinen, süßen, bildschönen Weibchen 
allein sein. Aber, bums — kaum war man’s, da kam sie oder 
er, oder beide kamen. 
Sie (richtet sich halb schluchzend, halb 
lachend an seiner Schulter auf): Ja, aber Heinz — 
du — du machst dir doch gar nichts mehr aus mir?! 
Hansheinz (heftig); Wer sagt das? Wer sagt das? 
(Verlegen.) Siehst du — ich bin eine komplizierte Natur 
— und die Ehe, die ist wie — wie ein Meer, bald Ebbe, bald 
Flut. Nach der ersten stürmischen Flut tritt langsam eine 
gewisse Ebbe ein. 
Sie (kichernd): Und jetzt ist — Flut? 
Hansheinz: Sogar Hochflut! (Erküßtsielange 
und s tü r m i s c h.) Siehst du, die Flut rast schon heran. Ich 
bin ganz flitterwöchnerisch gestimmt, und mir erscheinst du 
ganz neu — wie als Braut. Ich bin eben eine komplizierte Natur. 
S i e : Na, d a s ist gar nicht so kompliziert — (kichernd) 
seit Adam und Eva. Weißt du was? Laß uns auch reisen — 
(lehnt sich an seine Schulter) so ’ne Art zweite 
Hochzeitsreise — nach dem Süden ... an die Riviera. 
Hansheinz: Famos — famos — bloß, um die — die 
anderen zu ärgern. 
Sie (jubelnd): Ja, ärgern wir sie! — Und das Perlen- 
gchänge, das du neulich Ada ge — pardon, daß sich Ada 
neulich gekauft hat, so eines will ich auch haben. 
Hansheinz: Du sollst ein noch größeres haben. 
Nach der Generalversammlung morgen schreibe ich mir ’ne 
hohe sechsstellige Zahl gut. Das wollen wir durch ein kleines 
Fest feiern. (Das Mädchenmeldet, daßdas Abend 
essen serviert sei.) Schön — Friedrich soll Sekt herauf 
holen. (M ä d c h e n a b.) — Madame, Ihren Arm! (G i b t i h n 
i h r.) Du wirst nachher deinen Nymphentanz tanzen und dann 
— und dann . . . Ich fühle mich wirklich als Flitterwöchner. 
(Er geht mit ihr ab.) Im Eßzimmer schickt er 
den servierenden Diener fort, nachdem der 
Sektgebrachtist. Er schenkt ein und hebt sein 
G 1 a s.) 
Hansheinz: Dies erste Glas dem Andenken an die 
Toten! 
Sie: Vollständig tot! Ich meine natürlich das junge Ehe 
paar. Für uns sind sie tot. 
Hansheinz: Und nun auf unsere neuen Flitterwochen! 
(Sie stoßen wieder an.) Merkwürdig so schön bist du 
mir nicht mal als Braut erschienen. Ich bin eben eine kom 
plizierte Natur. (Erküßtsieheißund stürmisch.)
        
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