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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr, to 
Jahrg. 27 
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in Herr Beske, Juwelier in Berlin, hatte her 
ausbekommen, daß er einen reichen Ver 
wandten in Paris besäße und daraufhin 
dessen Adresse ausfindig gemacht. Er schrieb 
ihm einen diesbezüglichen Brief und meldete 
sich zugleich in Paris an: ein günstiger 
Juwelenhandel stehe ihm dort in Aussicht, 
und er würde sich freuen, wenn er den neu entdeckten Vetter 
zu der angegebenen Post antreffen würde. Als Erkennungs 
zeichen sollte eine schwarz-weiße Schleife am Hute dienen. 
Als dieser Brief in Paris im Hotel des Herrn Dujardin, so 
hieß der Vetter, anlangte, war dieser gerade auf einige Zeit 
verreist. Dafür hatte sich aber Zikade, ein bewährter Schnapp 
hahn, bei Sabinchen, der Haushälterin Dujardins, einquartiert. 
Sabinchen war seit einiger Zeit Zikade bei Geschäften be 
hilflich gewesen, indem sie ihm das Siegel des Herrn Dujardin 
verschafft hatte. Sabinchen war somit in den Ring eingetreten, 
der ehern jedem Eingriff der Polizei des Königs widerstand. 
Zikade, der eigentlich Boulanger hieß, trug diesen Namen 
wegen seiner langen Beine, seiner weiten Sprünge und seiner 
Meisterschaft, auf der Laute zu spielen. Zikade nahm aus 
Sabinchens zarter Hand täglich die eingehenden Briefe für 
Herrn Dujardin entgegen, um die geeigneten Sachen zur 
„Erledigung“ für sich zurückzubehalten, die übrigen zur Nach 
sendung weiterzugeben. Unter den zurückbehaltenen Schrift 
stücken befand sich auch der Brief des Herrn Beske. Zikade 
hatte nämlich beschlossen, den Vetter aus Berlin im Hotel 
Dujardin zu empfangen und unter dem Namen des verreisten 
Hausherrn die Geschäfte Beskes in einer für den Ring 
günstigen Weise zu besorgen. Wer Zikade kannte, war über 
zeugt, daß er diese Aufgabe glänzend lösen werde. Er bat sich 
also am Tage der Ankunft der Post, mit der der Vetter anlangen 
wollte, die Kleider des Herrn Dujardin aus und beauftragte 
ein jüngeres Mitgied des Rings, Neunauge geheißen (weil 
der junge Mann seine Augen überall hatte), Herrn Beske an 
der Poststation abzuholen und sich um das Gepäck zu be 
kümmern. Neunauge trat Herrn Beske in würdiger Haltung und 
mit einer schwarz-weißen Schleife am Hute entgegen. Der 
Berliner \ etter fragte, ob er das Vergnügen mit Herrn 
Dujardin habe? „Nicht mit ihm selber, mein Herr, aber mit 
seinem Hofmeister, Ihr Gepäck, wenn ich bitten darf?“ Herr 
Beske, an sich schon von der Bedeutung des ersten Schrittes
        
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