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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jatrg. 27 
Nr. 9 
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Die älteste Schwester des Prinzen Eugen war kugelrund und 
eine Zwergin. Trotz dieser Figur soll sie ein gottloses, tolles 
Leben geführt haben. 
Ihre bekannteste Affaire ist die Liaison, die sie mit dem 
Abbe de la Bouslie gehabt hatte, 
Der Herr Abbe war ein fideles Kerlchen und fragte nicht 
nach dem Exterieur der Dame von Savoyen. Er liebte sie schon 
deshalb, weil der französische Hof es sich verbat, daß ein 
gewöhnlicher Abbe es wagen mochte, mit einer leibhaftigen 
Prinzessin eine Liebestorheit zu begehen. ' 
Verschiedene Male wurde der Abbe im trauten Tete ä Töte 
mit der Prinzessin ertappt und man ließ ihn wissen, daß 
gegen ihn das nächste Mal ein disziplinarisches Verfahren ein 
geleitet werden würde, sofern man ihn noch einmal im Schlaf 
gemach der Prinzessin sehen würde. 
Der Abbe sowie die Prinzessin waren desperat. Das 
Schlaf gemach war ja ihr liebster Aufenthalt. 
Da wußte die Zwergin einen Rat. Sie ging in das Gemach 
ihrer Kammerzofe und erwartete dort den Herrn Abbö. 
Als es dunkel ward, hörte sie Schritte. Ein Mann trat auf das 
Bett hinzu und in der Meinung, seine Geliebte, die Zofe, sei 
drinnen, umarmte er die Prinzessin, wie auch sie ihren Freund 
im Zimmer wähnte. 
Als nun der Abbe, der sich verlaufen hatte, dies Mißver 
ständnis erkannte, wollte er sieh mit dem Manne schlagen. Er 
zündete eine Kerze an und nun mußte er erkennen, daß der 
Nebenbuhler sein Bruder war. 
Leise flüsterte der Missetäter, Francois de la Bouslie, dem 
Bruder, ins Ohr: „Gehe zur Zofe, sie wird dich nicht ent 
täuschen.“ 
Das hörte die Prinzessin, di© kleine Frau, und ängstlich 
bat sie: 
„Lieber Freund, gehe nicht.. . Mädchen aus dem Volke sind 
heftiger heim Küssen als wir Prinzessinnen. Dafür aber haben 
wir Seele . . . meine Seele klammert sich an die deine.“ 
Der Freund schwor, nicht die Zofe aufzusuchen; aber er 
brach seinen Eid um Mitternacht. 
Es war ihm bald klar, daß seine Geliebte recht prophezeit 
hatte. 
Und nun begab sich, je nach Wunsch, der eine oder der 
andere der Brüder zur Zofe, wenn man Kräfte erproben 
wollte; zur Prinzessin aber, wenn man sich ins Land der 
Seele verirren wollte. 
Drei Jahre später aber ging Francois eine Ehe mit der Zofe 
ein (er liebte das Robuste). Und der tolle Abbe heiratete im 
selben Frühling zu Genf — so berichtete Liselotte von Orleans 
— die Zwergin. Wie Liselotte schrieb, sollen beide sich brav 
geschlagen haben. Sie starb anno 1717. 
* 
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Bianca Cagello war die Geliebte vom Herzog Franz von 
Medici. Sie kam aus kleinen Verhältnissen und brachte es 
endlich zur Großherzogin. 
Die ungewöhnliche Laufbahn dieser schönen Frau wirbelte 
damals (1570—1587) ungeheuren Staub auf. Feinde um 
gaben sie, und die Florentiner schworen ihr Vernichtung. Da 
sie aber die Liebe des Herzogs umgab, war es Florenz un 
möglich, ihr etwas anzuhaben. 
Bianca gebar, so hieß es, einen Knaben, der später Don 
Antonio genannt wurde. In Wirklichkeit aber war es eine 
glatte Kindesuntefsohiebung. Bianca wollte eben die Bande der 
Liebe unzerreißbar bei ihrem fürstlichen Geliebten machen. 
Die wirkliche Mutter bekannte später auf dem Totenbette, wie 
sie ihren Sohn zu dieser Täuschung hingegeben.
        
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