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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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n seinem dreiunddreißigsten Jahre erfuhr 
Daniel Sebastian eine Wandlung seines 
inneren Lebens, die langsam und ohne 
auffallende Zeichen, aber von Grund aus 
i umwälzend, die seelischen Fundamente 
seines Daseins neu gestaltete. Vom Kriege 
in seiner tiefsten Menschlichkeit aufge 
wühlt, zerrissen von dem Zwiespalt zwi 
schen Wollen und Vollbringen gegenüber den Problemen der 
Hilfe am kranken Menschen, die ihm Beruf im doppelten Sinne 
war, bedrückt von der Sterilität der überlieferten Schulmei 
nungen, die sich im Hörsaal ebenso imposant ausnahmen, wie 
sie in der Alltäglichkeit versagten, hatte er beim Studium alter 
Schriften einen neuen Weg zu finden geglaubt. Was als histo 
risches Interesse angefangen hatte, ward heimlichste Sache 
des Herzens. Namen, die in den modernen Lehrbüchern nur 
im Zusammenhang mit Kuriositäten Vorkommen, wurden ihm 
erkenntnisgebärende und Ehrfurcht gebietende Wirklich 
keiten Er schied die Schale zufälliger Akzidentien des Zeit 
alters und der Umgebung von, dem Kern einer Weisheit, die 
unbekümmert um Zeit und Raum wiederholt in Erscheinung 
zu treten pflegt, und entfernte sich so in seiner Denkweise 
immer mehr von den Anschauungen, die allein als modern 
und auf der Höhe der Wissenschaft stehend, gelten. Während 
er in der Gebärde der Gegenwart agierte, wob sein Grübeln 
und Enpfinden die Fäden zwischen einer unwiederbringlichen 
Vergangenheit und einer Weltepoche, die nicht in der Linie 
der bisher bekannten und der der Wahrscheinlichkeit nach im 
voraus berechneten' Entwicklung lag, sondern höchstens viel 
leicht in der Ebene irrealen Geschehens möglich ist. 
Indem er seine Nächte dem Studium von Schriften opferte, 
die selbst im wunderfrohen Mittelalter Zweifel und Feind 
schaft erregt hatten, konnte es nicht ausbleiben, daß sein 
Denken mehr und mehr von exakter Skepsis zur nichtsver 
neinenden Anerkennung auch scheinbar absurder Vorkomm 
nisse umgeschaltet wurde. Und da jede geistige Tätigkeit als 
die Emanation von Wellenbewegungen bestimmter Frequenz 
und Länge gleich abgestimmte Empfänger mobil macht, fand 
er bald, ohne es darauf anzulegcn, ähnlich Gesinnte, die, wenn 
auch nicht auf demselben Wege, so doch in derselben Richtung 
vorwärts schritten. 
Eines Tages begab es sich, daß Daniel Sebastian in einem 
engen Kreise von Leuten zu Gaste war, die sich versammelt 
hatten, um mit einem innerhalb einer gewissen Bannmeile ge 
schätzten Medium zu experimentieren. Daniel hatte Derartiges 
noch nie mitgemacht, wenn er auch in der einschlägigen 
Literatur durchaus bewandert war. Er kannte die Geschichte 
aller Entlarvungen und war von vornherein geneigt, alles sich 
etwa Ereignende auf Hysterie, Personifikation von unterbe 
wußten Komplexen und verwandte Begriffe zurückzuführen. 
Zudem befand er sich gerade in einer von Alltagssorgen ver 
staubten Stimmung und war nicht gelaunt, an irgendwelche 
gefühlsmäßigen Ansprüche Konzessionen zu machen. 
Als er in das Zimmer trat, in dem die Gesellschaft noch zum 
Nachmittagskaffee versammelt war, fiel sein erster Blick auf 
eine junge Frau von gepflegter Hübschheit. Sie lächelte ihn in 
unvermeidlicher Koketterie mit Zähnen an, die an Reinheit 
der Farbe mit ihrem weißen Korallenhalsband wetteiferten. 
Sie war die Gattin eines technischen Managers der Kino 
industrie, aber obwohl sie hinreichend von der Flimmerlüge an. 
gestcckt war, um, ungeschickt genug, in Worten und Bewe- 
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