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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 8 
Jaßrg. 27 
21 
Teils weil zu prüd’, 
teils weil verblüht. 
Doch war die Mode dienlich nicht, ' 
verhüllt, worauf der Mann erpicht, 
worauf er scharf alleine: 
die Beine — die Beine. 
Die Folg’rung zog die Frau daraus: 
zog rasch die — neue Mode aus, 
die schöne Pluderhose, 
die lose, 
famose. 
Durch die man selbst mit Kennerblick 
nicht sah was g’rad, was dünn und dick. 
IFas O und X, 
das tauget nix. 
Die Fessel muß recht schlank und fein, 
geschmeidig, etwas locker sein. 
Die Wade 
sei gerade. 
Zu weich nicht und auch nicht zu schlaff 
der Muskel, stramm, doch nicht zu straff. 
So mollig wie ein Kissen, 
so müssen 
zum Küssen 
zwei Beine sein, voller Sünd’, 
voller Glut und nicht melancholisch, 
temperamentvoll, weil symbolisch 
sie für das ganze Kind. 
Dann ward der lange Rock modern, 
zum großen Unglück aller Herrn, 
die sich die Augen ausgegafft 
bis eine mal den Rock gerafft, 
und aus den Seitenschlitzen 
sie sah’n ein Beinchen blitzen. 
Und hochbeglückt 
rief er entzückt: 
Ach, Lottchen, du, erhör mich doch: 
streif einmal nur dein Röckchen hoch, 
zeig’ mir mal, süße Kleine, 
die Beine — die Beine. 
Was nützt mir denn ein Rendez-vous, 
verschweigst mir deine Beine du. 
Mir fehlt zu meinem Glücke, 
o Tücke, 
die Brücke! 
Nicht seh’ ich selbst mit Kennerblick 
was krumm und g’rad, was dünn und dick. 
Zu weich nicht und auch nicht zu schlaff 
der Muskel, stramm, doch nicht zu straff. 
So mollig wie ein Kissen. 
So müssen, 
zum Küssen 
zwei Beine sein voller Sünd’, 
voller Glut und nicht melancholisch, 
temperamentvoll, weil symbolisch 
sie für das ganze Kind. 
Drum wurde rasch der Rock verkürzt. 
Die Mädel gingen hochgeschürzt 
und trugen öffentlich zur Schau 
das Prunkstück jeder schönen Frau, 
die Männer zu verführen 
zu Ehebruch und Schwüren. 
Durchbrochen — chick — 
trägt sie dein Glück — 
die allerliebste Kleine — 
die Beine — die Beine. 
Es schmiegt sich dir so leicht ans Knie — 
dir wird dabei, du weißt nicht wie — 
in seinem seid’nen Glanze 
beim Tanze 
das Ganze. 
Man fühlt auch ohne Kennerblick 
Was krumm und grad, was dünn und dick. 
Was O und X, 
das tauget nix. 
Die Fesssel muß recht schlank und fein, 
geschmeidig, etwas locker sein. 
Die Wade 
sei gerade. 
Zu weich nicht und auch nicht zu schlaff 
der Muskel, stramm, doch nicht zu straff. 
So mollig wie ein Kissen. 
So müssen 
zum Küssen 
zwei Beine sein, voller Sünd’, 
voller Glut und nicht melancholisch, 
temperamentvoll, weil symbolisch 
sie für das ganze Kind. 
Was O und X, das tauget nix. 
Die Fessel muß recht schlank und fein, 
geschmeidig, etwas locker sein. 
Die Wade 
sei
        
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