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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 8 
.Jaßrg. ij 
17 
„Der Herzog von York hatte 
Abenteuer auf Abenteuer hinter 
sich gelegt. Eine Raserei des 
Ungenügens mußte ihn schließ 
lich ergriffen haben. Ich habe 
auf den Schlössern die Bilder 
seiner Schönen gesehen. Man 
erzählte mir, daß schließlich 
die Frauen aufschrien, wenn es 
hieß, er käme in ihre Gegend. 
Kinder bekam er seit langem 
nicht mehr und schien es doch 
inbrünstig zu wünschen. Eines 
Tages ließ er zu Aller Verwun 
derung von seinem wahnsin 
nigen Treiben ab. Widmete sich 
ganz seinen Staatsgeschäften 
und der Jagd. — Die Frauen 
in den Grafschaften Englands 
atmeten auf. Hie und da wagte 
sich wieder eine in seine Ge 
sellschaft. Nichts geschah. Da, 
eines Abends, ich vermute, es 
wird ein Abend gewesen sein 
wie der heutige, ging der Jagd 
zug, in dem Miß Arabella 
Churchill, die Schwester des be 
rühmten Duke of Marlborough, 
mitritt, durch einen Park, in 
dem kurz zuvor ein Sommerge 
witter gehaust hatte. Jeder ritt 
seines Weges. Man verlor sich. 
Arabella und der Herzog blieben 
allein. Da stürzte über einen 
gebrochenen Baumstamm Ara 
bellas Pferd — sie fiel, und fiel 
s o, daß sich ihre Schönheit 
dem Herzog enthüllte. Infolge 
dieses Falles gebar Miß Ara 
bella dem Herzog von York, 
dem nachmaligen König Jakob II, 
James Fitzjames, den Herzog 
von Berwick, den du hier vor 
dir siehst, Dianore — — Be 
greifst du?“ 
„Ich begreife“, sagte die 
kleine Dianore und legte ihren 
Arm um Berwicks Schultern. 
Am Himmel versank das 
letzte Licht; der Duft der 
Wiesen trug Fernes, Uner 
reichbares her — aus dem dun 
kelnden Zenith trat glühend ein 
Stern hervor. — — 
Als James Fitzjames kurz vor 
dem Aufgang in sein Schloß 
sich an den sandsteinernen 
Amor lehnte und in den 
Nachthimme} sah, glaubte er 
wieder einmal, ganz glück 
lich zu sein. Er stieg mit 
leichtem, lockerem Herzklopfen 
die Treppe hinan und dachte 
im Übermaß seiner Seligkeit: 
„Wird es sie glücklich 
machen?“ — — — 
mmniinmmumHHmHimmnnmmnamiiimmniiiimmmniummunmnimMimiiiiiiiiiiiinnumiiMimnMnniimimnmmmimimiimnmmmnmmmmmiiimimmniinmiiimmnimH» 
Ottokar unter den Seetangen. 
fbanano 
„Es muß doch Frauen geben, 
die wie Schlangen sind . . 
dachte Ottokar, er war darin ein Kind. 
„Es muß doch Frauen geben, 
die vom Kopf zur Zeh 
sich befühlen lassen wie Seide oder Gelee . . 
(Solcher Ausschweifung war Otto fähig!) 
„Gerne solche Frauen säh’ ich.“ 
Und er ging westöstlich nach Täuentzien 
und betrachtete die seltnen Pflänzien, 
die der Ostwind hat hierhergeweht. 
Und fürwahr: da gab es solche Weiber. 
Glatt und sonderbar wie Schlangenleiber 
Gleißen sie in schwarzem Jet und Seide. 
Ach, denkt Ottokar, die tun dir nichts zu leide. . . 
Er umbuhlt sie mit verzückten Blicken, 
lüstern und verkennt der Schlange Tücken. 
Wir wollen schließen, weil uns dies sehr schmerzlich. 
Wir bedauern Ottokaren herzlich, 
denn er ward von solchem Biest gebissen 
und hat das Geschlängel büßen müssen. 
Wie soll die Moral von so was heißen? — 
Ein jeder, der von solcher Torheit frei, 
stimmt sicher dieser klaren Formel bei: 
nur grober Unverstand kann so entgleißen. 
Orpheus stärkt einen Cebensschivachen 
CLrtHur Siföergfect 
Rauscht durch Mykenes hohes Löwentor 
wie ohne Schauer vor der strengen Größe, 
in die sich schlürfend Meißelstich verlor, 
als ob Dämonenmajestät entblöße 
sich in der Riesenkatzen Felsenkraft! 
Erstarre selber hier zum Säulenschaft! 
Der Quadern Spannung spanne auch dein Blut! 
Erstarke hier zu Heraklidenmut! 
Kühn überwuchte deine Lehensschwäche 
Gigantenwucht geballter Quadernfläche, 
daß deine Faust Titanenfrevel räche 
und kraftlos nie dein Schulterblatt zerbreche, 
wenn Kugel Weltall dir im Nacken ruht! 
Q&b&t an Xcus 
(CLus der Dichtung Orpheus.) CLrtßur SiCberpCe.it 
Weinrankengleich am Berg der Ewigkeit 
laß mich dir blühen, bin ich selbst nicht Wein, 
als grünen Mantel deiner Tochter Zeit. 
Ich hülle sie an Felsenwänden ein, 
und wenn mich Falk und Gemse überschreit, 
rauscht dir ein Firnenföhn mein höchstes Sein, 
bis mich in deine goldene Rebenstadt 
der Träume deine Gärtnerhände ziehn. 
Doch pflückt ein Sturm mir einmal Blatt um Blatt, 
Braust es im Sturz noch deine Melodien.
        
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