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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr. 7 
24 
DER LIEBESTRANK 
Kulturhistorische Dinge erzählt von Franz Dux 
Im Jahre 1428 bereitete ein frommer Gottesmann ein Phil- 
tron, das er in einen Apfel gleiten ließ. Einer jungen Frau, die er 
abgöttisch verehrte, schickte er 
mit verliebten Zeilen dieFrucht. 
Die junge Frau wurde arg 
wöhnisch und warf den Apfel 
zum Fenster hinaus. Eine Ziege 
fraß ihn auf und sie entbrannte 
dermaßen in Liebe zu dem Got 
tesmann, daß sie ihn von Stunde 
an verfolgte und er sich kaum 
vor ihrer Anhänglichkeit zu 
retten wußte. 
* 
Eine Handschrift der König 
lichen Bibliothek zu Dresden 
gibt Aufschluß: „Nym Baldrian in den Mund und küsse eyne, 
welche nach deinem Geschmack ist. Sie gewynnet dich gar 
lieb. — Item pulffer eyne Es 
sels gallen und gib des pulffers 
eyner zu eßzen oder zeu 
trincken, so volget ßie dyr nach 
wi du wilt.“ 
♦ 
Im 16. Jahrhundert wurde 
Maulwurfsblut empfohlen. Dies 
soll der Liebhaber trinken und 
Feinsliebchen abküssen. Außer 
dem soll er mit Fledermausblut 
eine gewisse Figur auf Jung- 
fernpergament schreiben und 
dies der Dame, es in der 
rechten Hand haltend, zeigen. 
« 
Im Odenwald lebte um das 
Jahr 1660 ein verbummelter Me 
dikus, der weit und breit be 
rühmt war wegen seiner Liebes- 
tränklein, die er zumeist beim 
Mondschein braute. 
Von Heidelberg und Erbach 
kamen die Weiblein an, um sich 
ihr Philtron persönlich abzu 
holen. Eine Frau von Selken- 
heim, die durch den Trank ihre 
Kälte vergessen wollte, um den 
Grundstein zu einem Knäblein 
oder Mägdlein zu legen, wurde 
nach dem Genuß des Trankes so erhitzt, daß sie wie Feuer 
glühte und in tiefer Nacht dem Medikus sich an den Hals 
warf. Der Baron hörte von der Schmach, ritt gen Mosbach 
und erstach den Medikus. Seinem Weiblein aber verzieh er und 
freute sich des Knaben, der nach neun Monaten geboren wurde. 
« 
Isolde wurde nach England 
gesandt, um den fremden Kö 
nig zu ehelichen. Damit der Kö 
nig nicht lange „fremdelte“, gab 
man ihr einen starken Liebes 
trank mit, auf daß sie ihn dem 
König reichen sollte. Aus Ver 
sehen trank Tristan ihn auf der 
Überfahrt. Die Katastrophe und 
die Folgen dieser Fahrt sind 
bekannt. . . Tristan und Isolde! 
♦ 
Nicht weit von Heilbronn lebte zu Götzens Zeiten ein 
Stadtschreiber, dem das Geld nicht reichte. Wie viele Stadt 
schreiber verschaffte er sich 
Nebeneinnahmen. Er braute 
Tränklein. Dies Gebräu bestand 
aus aqua destillata, gerqischt 
mit einem viertel Liter Ochsen 
blut. Die Mädchen von Heil 
bronn kamen in Scharen ange 
laufen, um ihre Liebsten durch 
ihre Glut zu fesseln. Die Ein 
bildung, daß herrliche Essenzen 
verabreicht werden, war so 
stark, daß die Mädchen vor Se 
ligkeit in Verzückung gerieten. 
Ein Ratsherr, ein alter, rheu 
matischer Mann, den seine 
Haushälterin nach dem Genuß 
des Trankes wild anfiel, machte 
Anzeige und der Schreiber 
sollte vor allem verurteilt wer 
den, selbst sein Tränklein zu 
genießen. Eine alte Vettel 
wurde ihm beigesellt. Sie sollte 
die Rache sein, indem auch sie 
trinken mußte ... als Strafe 
für irgend ein Vergehen. 
Man harrte und jubelte schon 
im voraus. Nichts geschah. 
Beide blieben kalt wie eine 
Hundeschn. . . Da merkten die 
Richter, daß der Schreiber kein 
Giftmischer, sondern nur ein 
Menschenkenner war. Er wurde freigesprochen und die 
Mädchen von Heilbronn, die die Einbildung stark und hitzig 
machte, schämten sich und krochen in ein Mauseloch hinein. 
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