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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 7 
Jahrg. 27 
23 
Süße Wacht der Trauen 
C, fiustra. 
Das letzte Wort hat nie die Frau, 
behaupte ich; 
der Mann behält das letzte Wort 
doch stets für sich. 
* 
Quält die Frau den Mann durch Launen, 
gibt’s im Hause ewig Zwist; 
freudig bleibt der Mann im Hause, 
wo er Herr im Hause ist. 
* 
„Mein Weib — mein Kreuz!“ 
klagt mancher Mann, 
und betet doch 
sein Kreuz noch an. 
* 
Schweigen ist Gold! 
Drum ist es doch eigen, 
unsere Frauen wollen Gold 
und nicht schweigen. 
* 
Den Stürmen zum Trutz, 
wie ein Kind in der Mutter Schoß, 
findet der Mensch im Hafen Schutz. 
Doch, o wehe! 
Im H af e n der Ehe 
gehen erst recht die Stürme los. 
Die Schfelfe 
Qctns Jbctfige 
TI 1s der Gatte der schönen jungen Frau plötzlich gestorben 
/\ war, sandte man ihr Trauerkränzc ins Haus. An einem 
JL V. war ein so köstliches rosafarbenes Seidenband be 
festigt, daß sich die Witwe nicht entschließen konnte, es auf 
dem Grabe des Gatten vermodern zu lassen. Sie knüpfte es 
daher los und verwahrte es. 
Als sie nach Ablauf des Trauerjahres daran ging, sich ein 
rosafarbenes Gesellschaftskleid anfertigen zu lassen und sie 
am Ausschnitt der Brust einer Seidenschleife benötigte, fiel 
ihr das Band von dem Totenkranze des Gatten wieder ein. 
Sie holte es hervor, und da es in der Farbe vortrefflich zu 
dem neuen Kleide paßte, wurde eine duftige Schleife daraus 
gemacht, welche die Brust der jungen Schönen unter dem Aus 
schnitt des Kleides verführerisch zierte. Da saß sie nun, die 
verlockende Schleife vom Totenkranze des Gatten, und als ein 
junger Mann, dem das Herz der Witwe entgegenschlug, den 
holden, schleifengeschmückten Ausschnitt am Gewände der 
schönen Frau erblickte, wurde er so entflammt, daß er sich 
der Witwe in Liebe nahte und bald in die innigsten Be 
ziehungen zu ihr trat. 
Sie vermählten sich, und wiederum wurde die rosa Schleife 
liebevoll aufbewahrt, diesmal von dem jugendlichen Gatten, 
der sie als eine Art Heiligtum verehrte, denn sie war es ja, 
die, das reizendste aller Gewänder schmückend, den Kelch 
seines Herzens zum Überlaufen gebracht hatte, so daß sie 
eigentlich die Begründerin seines Glückes war. . . . 
* 
Jm Cond der Cieöe 
Das Weib im Manne ist für die Frau nicht so gefährlich, als 
der Mann im Weibe für den Mann. 
♦ 
Wer in der Liebe an Vergangenheit und Zukunft denkt, hat 
für die verliebte Gegenwart nicht das richtige Empfinden und 
Verständnis. 
* 
Der Unmut bei einer anmutigen Frau ist stets ein anmutiger 
Unmut. 
* 
Damit das kluge Gehirn nicht zu große Töne rede, schuf 
Gott das dumme Herz. 
* 
Theorie in der Liebe — schon abgekühlt! 
* 
Moral ist ein „Fünfundneunzigpfennig-Artikel“, die Unmoral 
hält Goldbergwerke in Atem. 
* 
Warum man küßt? — Um den monotonen Geschmack aus 
seinem Herzen los zu werden. 
• 
Die Sünde amüsiert nur, die schöne Sünderin aber kann 
rasend machen. 
Der Weg zum Frauenherzen ist mit Gold und Diamanten 
gepflastert und mit Tränen besprengt. Auf dem Rückwege 
tönt dir die schönste Radiomusik entgegen. 
* 
Deine Freundin kann bei dir im Minus, nur darf sie anderen 
Männern gegenüber nicht im Plus stehen. 
* 
Eifersucht schmeichelt ihr und entwürdigt dich. 
* 
Sobald ein Lump eine Frau schön findet, erklärt sie ihn für 
einen Kavalier. 
JbzrtLiicr C&öai-Ctbende. 
■tifiiniiuuiiuiiiiiiiniiiniiiiiiiiiniiiiHiniiiiiiininiiiniiaiüninuiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiHniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHniiiiii.uainiiiiiiiiuiii- 
Jeden Dienstag treffen sich unsere Freunde und Anhänger 
im Charlott (Kurfürstendamm 12, Berlin). 
Sowohl die Berliner Lebewelt wie auch die hochwohllöblichen 
Damen und Herren von außerhalb sind voller Entzücken, wenn 
die verführerische Musik der Kapelle (Jacobsen) ertönt und 
Java-, China- und Sudan-Tänze das Auge des modernen 
Genießers erfreuen. 
Die Preisfragen: 
Warum halte ich mir einen Freund? 
■Warum halte ich mir eine Freundin? 
wurden mit Grazie gelöst. 
Sekt (aus der Kellerei von de Monstroff, Originalbilder von 
Zehbe und Schokolade waren die Prämien. 
Hier ein paar Lösungen: 
Warum halte ich mir einen Freund? 
1. Preis: Weil mein Gatte bei Steinach ist; 
2. Preis: Ich halte mir einen Freund, um die Schwäche 
meines Mannes zu vergessen. 
♦ 
Eine besondere Überraschung bereiteten die Maler Barna, 
Gölh, Köves, Fodor, Siggel dem „Berliner Leben-Publikum“, 
indem die besten Tanzpaare ohne Wissen gezeichnet wurden. 
Gott Amor waltete seines Amtes in seiner üblichen Kavalier- 
weise. 
Die Redaktion.
        
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