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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Nr. 7 
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S B U R Gr E PO 
15. März. 
Mein Mann ist ein herziger Junge. Ich liebe ihn. Aber er 
hat kein Geld und das macht mich ganz krank. Ein Mann, 
der kein Geld hat, ist wie ein Pfau, dessen Federn heraus 
gerissen sind. 
Was soll ich mit einem solchen Pfau, der keine richtigen 
Räder schlägt?! 
Suchen wir nach Pfauen mit blendendem Gefieder. 
16. März. 
Man muß nur zum Fünfuhrtee gehen und lächeln. Donner 
wetter, hat dieser Fabrikant eine noble Art. Was heißt das, 
Liebe? Liebe ist gar nicht notwendig dabei . . . die Haupt 
sache, er ist Kavalier. 
Gott, sind die Mannsbilder ulkig: wenn sie tüchtig bezahlt 
haben, soll man mit ihnen das Schlafzimmer oder die Bibliothek 
besichtigen. 
Mein Mann hat auch Bücher und schlafen kann er auch. 
17. März. 
Ob mein Mann etwas gemerkt hat? 
I wo! Männer haben ein Geweih auf dem Kopf und sie sind 
mit Blindheit geschlagen, 
23. März. 
Ich habe nun doch seine Bibliothek besichtigt. Er hätte mir 
diese Bücher nicht zeigen dürfen. Aber so sind die Männer 
. . . mit Speck fängt man Mäuse. 
Er ist eben auch nicht besser als alle anderen und unsereins 
ist nur ein schwaches Weib . . . ein Spielball in der Hand 
acs starken Geschlechts. 
25. März. 
Eigentlich furchtbar der Gedanke . . . aber man gewöhnt 
sich vielleicht mit der Zeit daran. Die Gewissensbisse töten 
einen ja sonst. 
28. März. 
Er küßte mich ... er, mein Mann. Treuherzig sah er mit 
in die Augen. Ich hätte weinen mögen. Am liebsten hätte ich 
alles gestanden und ihn um Verzeihung gebeten. Ich habe ihn 
liebevoll gestreichelt. Wie eine Mutter ihr Kind. Ich habe 
seine Falten am Auge leise massiert und ihn dann geküßt. Als 
ich ihn küßte, dachte ich nur an ihn und nicht an den Neuen, 
an den furchtbaren Eindringling. 
Mein Herz schlug ruhig und zufrieden. 
Der Eindringling ist ja nur eine Laune, die einst vorüber 
geht . . , aber ich habe doch Sehnsucht nach dieser Laune. 
29. März. 
Er beschenkte mich reichlich. Mehr als ich mir hätte ahnen 
lassen. Er ist eben ein famoser Mensch. Als ich mich vor 
dem Spiegel auskleidete, küßte er meinen Nacken, Dann trug 
er mich trällernd im Zimmer umher und jubelte: 
„Geliebte, dein auf immer, dein auf ewig!“ 
Wüßte ich, daß er es ernst damit meint, ich ließe es zur 
Scheidung kommen. Aber am Ende spielt er nur mit mir und 
— ich werde geschieden und habe gar keinen. Ein furchtbarer 
Gedanke. 
Besser, man hat einen Ehemann in der Reserve. Man kann 
nie wissen, für w T as er gut ist. 
30. März. 
Warum ich so kalt sei?, fragte mich mein Eheiiebster. Ob 
ich ihn nicht mehr liebe? 
Was soll man seinem Manne sagen, wenn man ihn betrögt? 
Am besten man ^sagt; „Nur wer selbst immer Sünden be 
geht, sagt so etwas.“ Immer diplomatisch. Nie aus der Fassung 
und aus dem Konzept kommen! 
31. März. 
Ich stellte Vergleiche an. 
Der Liebhaber ist immer der Sieger. 
1. April. 
Es war nicht nett, daß mein Freund von meinem Manne, 
den er nicht kennt, sagt, er sei ein großer Idiot. So etwas 
empfinde ich als Beleidigung. Wie kommt mein Freund zu 
einer solchen Äußerung? Mein Mann ist dabei zehnmal in 
telligenter als er . . . nur hat er keine irdischen Güter; hätte 
er Irdisches, es wäre überirdisch, 
2. April. 
Wie komisch! Ich habe sie beide miteinander bekannt ge 
macht. Mein Mann sagte: „Dieser Herr ist ebenso dumm wie 
lang.“ Dabei hat dieser Herr, mein Freund, ein Meter neunzig 
. . . in der Länge. 
6. April. 
Ich weiß nicht: seit beide sich kennen, habe ich den Ge 
schmack am Betrügen total verloren. Wie komisch doch das 
Herz ist, wie unberechenbar. Ich wollte, ich hätte sie nicht 
„zufällig“ miteinander bekannt gemacht. Der Sache fehlt 
nun der romantische Reiz. 
7. April. 
Mein Mann ist reizend zu mir: Er hat ein Haus „vermittelt“ 
und 4 0 0 0 Mark verdient. Sobald ein Mann finanzielles Rück 
grat hat, verzichtet die Frau auf jede Nebenluft. 
Mein Mann liebt mich, ich liebe ihn. Alles vergessen, was 
sich zwischen dem 19. März und dem 6. April außer dem 
Hause zugetragen hat. Schon schwinden die ungezogenen 
Gewissensbisse. 
Wir fahren in acht Tagen nach Italien. 
9. April. 
Ich wollte ihm abschreiben; aber die Macht der Gewohnheit 
siegt wieder einmal. Ich war bis um Mitternacht bei ihm. Es 
war himmlisch. Er ist ein Herkules; 134 Zentner hebt er 
langsam in die Höhe. Mein Mann bringt es nur auf 30 Pfund. 
Der Liebhaber ist immer Sieger. Wer löst dies Problem? 
12. April. 
Mein Mann wurde sehr zärtlich zu mir. Ich sah ihn nie so. 
Er erzählte mir immerzu, daß ein Kind das Schönste auf der 
Welt sei. Wenn ich bedenke, welche Veränderungen eine 
Frau durch so einen werdenden Erdenbürger durchmachen 
muß, verliere ich den Geschmack am Klapperstorch. 
Aber mein Alex war voller Innigkeit. Ich vergaß ihn trotz 
dem und dachte an Jenen. 
Die Phantasie ist zu albern. 
14. April. 
Ich hasse den Freund. Habe ich doch auf der Chaiselongue 
ein Damentaschentuch entdeckt. Er log: von seiner Schwester! 
So ein Erzlump . . . und mir schwört er Treue. 
Wie herzig ist mein Eheliebster! Wie entzückend! Wie 
fürsorglich! 
Schade nur, die 4000 Mark sind auf 500 Mark zusammen 
geschmolzen. Der Verkäufer hat meinen lieben Mann auch 
noch genasführt. 
Wir fahren nach Magdeburg zwei Tage und nicht nach 
Italien. Haben auch keine Ausreise-Erlaubnis. 
18. April. 
Alles aufgeklärt! Mein Freund zeigte mir einen Brief, daß 
das Taschentuch also doch, wie er gesagt hatte, seiner 
Schwester gehöre. 
Mein Mann verreist vier Wochen. Er ist Direktor geworden 
und muß eine Filiale einrichten ... in der Schweiz. 
Mein Freund fährt mit mir nach Spanien. Die Briefe von 
Berlin nach Zürich an meinen Mann liegen schon alle bereit. 
Meine Freundin Else befördert sie. Ich liebe meinen Freund; 
Wenn er mich heiraten will und ich es bestimmt weiß, dann 
lasse ich mich bestimmt von Alex scheiden und eile ins Lager 
meines Iwan. Hallelujah! ....
        
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