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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr. 7 
14 
foertiner Komödie 
6. fiusira 
Sie sprach an der Tür: „O nimmermehr, 
ich bin eine reine Lilie; 
ein solcher Entschluß wäre wirklich schwer, 
bedenken Sie meine Familie!“ 
Er lächelte wie ein Gent: „Ich zeig’ 
Ihnen nur meine reizende Wohnung; 
ich hab’ einen echten Hals und van Dyck, 
Ich zeige sie als Belohnung.“ 
„Van Dyck und Hals?“ Sie war interessiert: 
nun wohl — doch müssen Sie schwören, 
daß drinnen kein Kuß meine Wangen berührt, 
Sie dürfen mich niemals betören.“ 
Er schwor: „Ich schwöre, es soll kein Kuß 
Ihre reizenden Lippen streifen, 
und wenn ich dabei auch zerplatzen muß, 
ich werde mir alles verkneifen.“ 
Sie tranken Champagner, sie lachten vergnügt, 
„Van Dyck und Hals — verborgen?“ 
„Ein Zufall hatte es so gefügt, 
verkauft . . . und gerade am Morgen.“ 
Sie lachte: „Du bist ja ein großer Filou, 
doch wenn schon — komm her du Schieber! 
Wir spielen nun dunkles Rendez-vous, 
mein Kerlchen, so hab’ ich es lieber.“ 
Er sprach: „Herzliebste, wie kommst du mir für? 
Du wärest wirklich bereit jetzt?“ 
Sie grinste: „Ach Gott, welch ein Kavalier — 1 
ich gebe zurück deinen Eid jetzt.“ 
Da schrie er vor Wut: „Es ist doch stark, 
Tagtäglich dieselbe Geschichte. 
Allabendlich immer der gleiche Quark — 
ich passe, Madame, ich verzichte!“ 
Da legte die Lorgnette sie weg: 
„Ich geh’ — das wird mir geboten? 
Ich soll wohl noch bitten? — Das hat keinen Zweck, 
ich pfeife auf solchen Idioten.“ 
berauscht! 
ßans fbetüge 
Ich glaube nicht, daß eine Frucht gedeiht 
auf dieser Erde, süßer als die Liebe. 
Das schönste Zuckerwerk, durchsetzt mit Mandeln, 
ist Bitternis, verglichen mit der Liebe. 
Ich kenne, ganz berauscht durch deine Schönheit, 
die zaubervolle Süßigkeit der Liebe. 
O neig’ dich meinem Herzen zu: hier schmachtet 
der demutvollste Sklave deiner Liebe.
        
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