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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

JaHrg. 27 
Nr, 6 
8 
Die zioei Gefteöten 
■iiiiiiniiiiinmmiiiiiiiiiiiiiiiiimiinniiiiiiiiin!iiiiiiii)!iiiiiimmmiiiiiimiinimiMiiniiTiiIiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiMimiiiiiiiiniii»ii!niiiiiiiiiiiiniiiiiiiiitii’ 
Cnoin DZänster 
Georg, ein Kavalier. 
Edith, seine neueste Attraktion 
Georg und Edith steigen aus der Hochbahn. 
Edith: Alles verpfuscht, von A—Z. 
Georg (gleichgültig): Sie muß es eben ändern. 
Edith: Ihr Männer habt ja keine Ahnung! — Ändern? — 
neu muß sie es machen! — 
Georg (aufhorchend): Wie, neu? — wird dir was „neuen“ 
Edith ; Ich verklage einfach die Person! 
Georg (bitter): Und ich kann das Gericht und die Rech 
nung begleichen. 
Edith (mit Megärenblick): Deine Vermittlung! — Deine 
Rekommandation! 
Georg (beleidigt tuend): Das ist der Dank. Sucht ihr 
Weiber euch doch selbst die Schneiderin! Laßt uns Männer 
doch damit in Frieden! 
Edith (streng): Ich wollte! — aber du wolltest nicht! — 
Du; eine glänzende Künstlerin auf der Nähmaschine! — Du: 
eine Perle! — Du; billig und sehr gut! — (mit Detektivmiene): 
Woher kennst du eigentlich das Dings? 
Georg (entrüstet): Wie? — Dings sagst du? — Verzeih’, 
sie ist eine anständige Person, — woher ich sie kenne — das 
ist ja auch Nebensache! 
Edith (mokant): Sagen wir aus dem Cafe des Westens — 
sagen wir aus der Elektrischen, — sagen wir .... 
Georg (der Fröhliche); Nein, — von der Bank im Tier 
garten! 
Edith (seufzend); Er wird auch mal von mir so reden; von 
der Bank im Tiergarten! 
Georg (ablenkend): Hier ist das Haus, meine Liebe. (Im 
Hausflur): Gib mir nun schnell hoch einen Versöhnungskuß 
und dann schließen wir die Akten. 
Edith (wieder die Normale): Komm, du Verbrecher! — 
Küß mich! (Die Herrschaften verschmelzen in einem langen 
Kuß. Der Portier kommt zufällig dazu.) 
Der Portier: Verzeihen Sie, wenn ick Ihnen steere, — 
aber dat Lärmen uff’m Hof un im Flur is strengstens un bei 
50 Pfennig Buße verboten. — Das ist Reglement! 
Edith (in Purpurröte getaucht): Schatz, gib ihm was! 
Georg (im Schelmenton): Sie, Herrchen! — Mund halten! 
— Staatsgeheimnis! 
Der Portier (im Biedermannston): Uff mir kennen Sie 
sich verlassen; det jeborene Jrab. 
(Die Herrschaften klingeln erschöpft in der vierten Etage, 
nachdem die Versöhnungsszene auf jedem Podest sich wieder 
holt hatte.) 
Schneiderin (öffnet, im Redeschwall): Ach, die Herr 
schaften! — Bitte, treten Sie ein ... . bitte, darf ich die 
Schirme abnehmen? — Bitte, machen Sie es sich bequem! — 
Bitte, tun Sie, als wenn Sie zu Hause wären, — bitte . . . . 
Georg (mit Hohn): Bitte, seien Sie einen Augenblick still! 
— Sie überbitten sich ja förmlich! 
Edith (zurechtweisend): Georg! — Laß das! 
Schneiderin: Herr Dr. Ehrlich ist heute wohl schlechter 
Laune .... (geschäftseifrig): Aber gnädiges Fräulein sehen 
glänzend aus! Wie ein Gedicht von Liliencron. 
Georg (für sich): Habe ich ihr geschenkt, den Liliencron 
Edith (setzt sich in Positur): Ich danke für Ihr Kompliment, 
— aber mein Kleid ist total verpfuscht! 
Fräulein Damaschke, die Schneiderin. 
Ein kleiner Portier. 
Schneiderin (ungläubig); Oh . ... oh ... oh ... . 
gnädiges Fräulein! Verpfuscht? — Ich arbeite für die höchsten 
Herrschaften; ich bin Lieferantin von zwei fürstlichen Zofen; 
ich habe die vornehmsten Kokotten in meiner Kundschaft — 
und die gehen doch wahrlich schick! 
Georg (aus der Rolle fallend): Kommt ganz aufs Revier an. 
Schneiderin: Es sind Palaisdamen .., erste Lebewelt! — 
Ja, die zahlen Preise! 
Edith (in bestimmtem, energischem Ton): Fräulein Da 
maschke, ich bin meines Kleides wegen hierher gekommen. 
Schneiderin (verlegen): Ich weiß, ich weiß .... Ihr 
Kleid bedarf einer Änderung. 
Georg (gespreizt): Sitzt nicht, sitzt überhaupt nicht, hat 
gar keinen Sitz! 
Edith: Total verschnitten! (Seufzt.) 
Schneiderin (nervös); Nein, das kann nicht sein! 
Georg: Sagen Sie! 
Schneiderin: Sage ich! 
Edith: Und ich sage, so nehme ich’s nicht, so blamiere 
ich mich und Sie haben sich blamiert! 
Georg (mit überschnappender Stimme): Blamage! — Meine 
gütige Empfehlung! 
Schneiderin (für sich und mit verächtlichem Blick auf 
ihn): Du Affe! — Du Idiot! 
Edith: Sie müssen mir ein neues Kleid liefern, so geht es 
nicht! 
Georg (mit ausgestreckten Beinen): Ganz neu! — So 
nehmen wir das Zeug nicht ab! Haha — Frechheit! — Geben 
Sie sich bitte mehr Mühe! Sie blamieren mich! 
Schneiderin (mit drohender Miene): Ich bitte Sie, mein 
Herr, doch hier nicht beleidigend zu werden! Hat das Kleid 
Fehler, so behebe ich sie. 
Georg (in Nonchalance); Beheben — neues Wort hier im 
Hause. (Für sich): Will wohl gar jetzt vornehm erscheinen? 
(Laut): Das ist nicht mehr zu beheben. 
Edith (einschneidend): Ich werde Ihnen mal, Fräulein Da 
maschke, alles vor Augen führen. — Du bist so gut, lieber 
Freund — und läßt uns mal allein. 
Schneiderin (in treuer Bundesgenossenschaft): Jawohl, 
es wird das beste sein, gnädiges Fräulein, wir probieren noch 
mal . . . (zu Georg): Darf ich bitten? 
Georg (protestierend): Ich sehe das nicht ein; — ich 
bleibe . . . ich kenne ja meine Freundin. 
Schneiderin (abgeklärt): Es wäre schon besser, Sie 
gehen ein Momentchen ins Nebenzimmer. 
Edith (mit Güte): Bubichen! 
Schneiderin (bissig, für sich); Bubichen! 
Edith (mit großen Bücken): Wie meinen Sie? 
Schneiderin: Ich sagte nichts. 
Georg (nervös werdend): Na, was soll? — 
Edith: Bubichen, eine Minute! 
Georg (besiegt): Meinetwegen. — (Auf dem Wege zum 
andern Zimmer); Gern tu’ ich’s ja nicht. 
Edith: Adieu, Bubi! 
Georg (mit verzückter Miene): Schatzi! 
Schneiderin (für sich): Zuckerwasser, brrrr . . . 
(Während des Umziehens fällt der BÜck Ediths auf den 
Schreibtisch, auf welchem die Photographien Georgs stehen,
        
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