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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr. 37 
34 
Nr. Julian FüM’Folües Band Varn Brofien Sshanspielhaus sp i '® ,t Rercedespalast Tel. Zentrum 4239, 7983 
Der Marchese wandte ihm den Rücken, schlug einen 
Pergamentband auf und vertiefte sich anscheinend in 
sein Studium. Der Graf starrte am Fenster. Das 
leichtsinnige Blut in ihm wallte auf. War er nicht ein 
Tor? Hatte der Marchese nicht recht? Er oder ein 
anderer und — der Marchese di Santa Croce sah aus, 
als ob er der Mann sei, auch Margerita zu lenken. Ihm 
selbst war ihre ruhige Überlegenheit und ihr dauerndes 
Komödienspiel fast unheimlich geworden. 
Freilich — er wußte, daß sie ihn geliebt hatte und 
— je mehr er überlegte, desto mehr leuchtete ihm selbst 
der Vorteil dieses Handelns ein. Zumal ihm Margerita 
nicht nur gleichgültig, sondern in ihrer überlegenen Art 
unbequem war. Jetzt konnte er sogar darüber lachen, 
daß sie ihren Herrn finden sollte. 
Und daß der Marchese ein Hochstapler war? Er 
zuckte die Achseln. Wer trug seinen Namen mit Recht? 
Dazu lockte das Geld. 
Eine Stunde fast hatte er so am Fenster gestanden, 
während der Marchese ruhig las. 
Dann trat er zu ihm. 
„Also morgen, Marchese, darf ich auf Ihren Besuch 
rechnen.“ 
„Zu welcher Stunde?“ 
„Wir peflegen um drei Uhr zu speisen.“ 
„Ich werde mir erlauben, Ihrer freundlichen Ein 
ladung Folge zu leisten.“ 
„Und das Geld.“ 
Fast verweisend sagte der Marchese: 
„Nicht doch von Geschäften, wenn Sie von der Ehre 
Ihrer Einladung sprechen. Wenn Sie die Kleinigkeit 
Sie stand an der Tafel und ordnete noch an den kostbaren Blumen, 
die der Gärtner geliefert hatte. 
mitnehmen wollen? Ich werde es holen und den Schein 
schreiben. Das nachher. Für jetzt bitte ich Sie, der 
gnädigsten Gräfin meine ergebensten Empfehlungen zu 
übermitteln, aber meinen Namen nicht zu nennen. Es 
würde mich freuen, ihr unvermittelt gegenüber 
zutreten.“ 
Er ging in den Nebenraum, um das Geld zu holen, 
das diesen schmählichen Handel bekräftigen sollte und 
unterdes dachte der Graf: 
„Natürlich nenne ich den Namen nicht.“ 
Auch ihm war es jetzt eine kleine teuflische Genug 
tuung, zu sehen, ob die Selbstbeherrschung der Gräfin 
auch standhalten würde, wenn er ihr unvermutet den 
Gegenstand ihrer Leidenschaft zuführte. 
Viertes Kapitel. 
Der Graf Granvillardo hatte sich in der Gräfin ge 
täuscht. Er hatte ihr nur sagen lassen, daß er einen 
Freund mitbringe als Gast. In der großen Halle des 
Palazzo war das Mahl bereitet, festlich, wie Margerita 
es liebte; sie selbst stand in der Mitte der Halle, von 
dunkelblauer Seide umflossen, zart und bleich wie 
immer. Der Graf ließ dem Marchese den Vortritt und 
blieb mit Absicht zurück. Wenigstens an ihrem Er 
schrecken, ihrer Verlegenheit wollte er sich weiden. Sie 
stand an der Tafel und ordnete noch an den kostbaren 
Blumen, die der Gärtner geliefert. 
„Meine Liebe, ich bringe dir einen alten Freund.“ 
Margerita sah auf — wenn sie erschrak, wenn ihr 
Herz in diesem. Augenblick, als vollkommen unvor 
bereitet, der Gegenstand ihrer Sehnsucht in allen diesen 
Wochen vor ihr stand, stürmischer schlug, keine Miene 
ihres Gesichtes verriet es. Mit dem gewohnten, be 
zaubernden Lächeln, das sprichwörtlich in Rom ge 
worden, streckte ' sie dem Gast ihre Hand entgegen. 
Auch nicht einmal diese zitterte. 
„Wenn der Herr dein Freund ist, sei er mir auch in 
unserem Hause herzlich willkommen.“ 
Auch der Marchese machte eine ruhige Verbeugung 
und küßte ihre Hand. Freilich, er war ein schlechter 
Schauspieler und verstand es nicht vollkommen, seine 
Erregung zu verbergen. Fast ärgerlich sagte der Graf: 
„Du kanntest den Marchese?“ 
„Wir sahen uns bisweilen in meines Vaters Hause.“ 
Ihre unglaubliche Gewandtheit und Verstellungskunst 
half über das peinliche dieses Mahles hinweg und sie 
plauderte mit der Unbefangenheit eines fröhlichen 
Kindes. Nach der Tafel sagte der Graf: 
„Ein leidiges Geschäft zwingt mich, euch auf Stunden 
zu verlassen. Ich denke, Marchese, ich finde Sie noch 
und wir besuchen an diesem Abend die Oper. 
Den Geldbeutel in der Tasche ging der Graf mit ge 
senkter Miene, sich seiner eigenen Verächtlichkeit wohl 
bewußt, hinaus. 
Nach Stunden kehrte er wieder und fand die beiden 
vor dem Kamin in ein Schachspiel vertieft. Margerita 
sah auf und blickte ihm mit ihrem unschuldigen Kinder 
blick in die Augen. 
„Du kommst spät, mein Freund, ich hatte Mühe, 
deinen Gast zurückzuhalten.“ 
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