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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 2? 
Nr. 37 
16 
..... unbeweglich stand die bunte Frau .. 
„So! Nun wollen wir den Herrn Gemahl zerreißen 
— wir zwei wütenden Tigerweibchen.“ Und sie 
schnurrte, wie eine große Katze. 
Eva-Brigitte lachte zutraulich und fing an. Phrynel 
und Murillo und ägyptische Tänzerin — und — und — 
„Ja“, sagte Esther Romanowski, „ja, mein Kind, Sie 
haben recht, das ist entsetzlich, das ist fürchterlich und 
das fordert unsere Rache heraus. Aber wie?“ 
„Phi Lächerlich!“ schmollte Eva-Brigitte. — „Die 
bunte Frau!“ 
„Haha — hahaha!“ 
Zwei runde große Kinderaugen. „Nanu? Was haben 
Sie?“ 
„Haha! Haha! Wir machen Sie bunt.“ 
—??— 
„Wir bemalen Sie! Wir färben Ihr Haar blau, Ihre 
Augenbrauen rot, Ihre Lippen gelb, was weiß ich! Er 
soll sie haben, seine bunte Frau. Als Symbol, Kindchen, 
verstehen Sie — alles ist sehr einfach. Wir machen 
einen kleinen intimen Hausball bei mir — das geschieht 
immer im Dezember, und — tja!“ Sie versank in Nach 
denken. 
„Was?“ fieberte Eva-Brigitte. 
„Da fehlt noch etwas. Wir müssen ihn schuldig 
machen.“ 
„Hu! Graulig — schuldig machen!“ 
„Ja. Hören Sie, kleine Frau, vertrauen Sie mir?“ 
„Ohne Einschränkung.“ 
„Gut. Er soll sich in mich verlieben.“ 
Erschreckte, zitternde Lippen. 
„Na, Kind, nun fehlen bloß noch die Tränen. Lachen 
wir mal. So, wenn man hübsche Zähne hat — sehen Sie! 
Und Grübchen auch. Flerz, was willst du mehr. — Also: 
er soll sich in mich verlieben und ich verspreche ihm 
meine Gunst — indem ich ihn — na? Helfen Sie doch? 
— Indem ich —•“ 
„Vielleicht — daß er sich — von mir scheiden läßt?“ 
„Sie sind ein Schäfchen. Punktum. Nein, indem ich 
ihn — ausplündere.“ 
Eva-Brigitte schüttelte seufzend den Kopf. 
„Doch, Frauchen. Kein Mann hat so viel Geld, wie 
eine Frau von ihm verlangen kann.“ 
„Aber — dann sind wir doch arm — und dann —“ 
„Dummchen, ich gebe natürlich die Requisiten, als 
da ist: Schmuck, den er mir kauft, Barschecks, Pelze 
etcetera an Sie.“ 
„Und Sie glauben — o Gott! Daß er mich so be 
trügen kann? Sie glauben, daß er seine eigene Frau 
—vernachlässigt, um — nein, das ist unmöglich!“ 
„Er wird, Frau Eva.“ 
„Dann liebt er mich nicht mehr.“ 
„Dann liebt er Sie erst recht.“ 
„Die Männer! Mein Gott, so etwas soll man nun 
begreifen!“ 
Esther Romanowski legte den Arm um die kleine 
Frau und lächelte sehr fein. 
„So etwas, Frauchen, begreift eben nur — eine 
bunte Frau — wie ich.“ 
Mißtrauisch schielte unter den Augenwimpern Frau 
Eva-Brigitte zu ihr auf. 
„Sie wollen mich — “ 
„Nicht im geringsten! Im Grunde, Herzehen, hat 
Ihr Doktor Egon Raschegg nämlich nicht unrecht. Es 
gibt bunte Frauen — aber wie das „Buntsein“ be 
schaffen ist, das — “ 
„— möcht’ ich so gern wissen —“ 
„Das lernt man nicht, nie und nimmer, Frau Eva- 
Brigitte — wenn man es nicht von Natur hat! Aber 
nun werf’ ich Sie hinaus, ich muß zu meinem Schneider 
atelier. Also in vier Wochen ist der Ball — in vier 
Wochen liegt Ihr Mann mir zu Füßen — und dann: 
Rache!“ Und schlank aufgerichtet wie eine Medea 
stand Esther Romanowski unter dem Kronleuchter. 
Dann lachte sie und führte Eva-Brigitte hinaus auf den 
Flur, um ihr beim Anziehen zu helfen. 
Wirr, mit widerstreitenden Gefühlen, fuhr Frau Eva 
heim. 
* 
Vier Wochen, hatte Esther Romanowski gesagt; es 
dauerte aber kaum acht Tage, bis Riccardo Milano bis
        
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