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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr.36 
Jafirg, 27 
19 
WEIHNACHTEN 
Verse in Prosa von Egon H StraßBurger 
Der Tarntfienvater. 
Affein sein. Besonders am Weihnachtstag, 
Kinder, ist Bein Vergnügen. 
Hier Bifft aud> Bein duftender Tannenzweig 
und Lichterchen nicBt und Engef. 
Tamifie, Tamifie! Das ist die Losung: 
Mann, Trau, die KöcBin und sieBen Kinder, 
Es Bonnen aucB acBt sein, je meBr desto schöner. 
Und ist Beisammen die ganze Geseffschaft, 
So freut sich der Herrgott im siebenten Himmef. 
Und Vater Büßt Mutter voff sanfter Rührung 
Und Vater Büßt affe die sieBen Kinder. 
Und es weint die KöcBin 
CDie reich BescBenBt ward) 
In einer EcBe und sie denBt voff Sehnsucht 
An Adoff, den Liebsten, 
Der fern in Ostindien 
Afs Koch auf dam Dampfer 
In englischen Diensten 
Vielleicht Pfumpudding Berstefft 
In dieser Minute. 
.O wonniger Adolf/’ 
* 
Die einsame Jungfrau. 
Die afte Jungfer, Afma Bitter, 
Schaut schmerzlich hinaus 
In den riesefnden Schnee. 
Die afte Jungfer denBt schmerz fich und herzfich 
An vergangene Tage und Jahre zurücB. 
Weihnachten ist Beute — 
Das Bäumchen im Gfanze 
So viefer Lichter... es Bfüht, es Bfüht! 
Es Bfüht im Gfanze und ZucBerengef 
Lächefn himmfisch im TfügefBfeid 
Einst war auch die Afma so schön wie diese, 
Nur hatte Afma Bein TfügefBfeid, 
Aher andere Dinge; 
Süße Lippen, süßes Lächefn. - 
Wo sind sie hin die hübschen Verehrer? 
Wo hat die Zeit sie hinverschfagen? 
Vieffeicht wiegt der eine heut' drei Zentner, 
Vieffeicht ist der andere Staatsanwaft, 
Vieffeicht trinBt der dritte KarfsBader Safz, 
Vieffeicht hat der vierte Podagra. 
Und Afma Bitter hoft fünfundvierzig 
Photographien aus dem Bfeinen 
NähBästchen hervor. 
Die fünfundvierzig 
Hat sie gefieht 
Sie hat genossen das irdische GfücB. 
Das GfücB ist zersprungen 
Wie Gfas . . . Wie Kristaff 
Die afternde Afma in der Mansarde 
Greift rasch zur Tfasche 
Vor Wut und Verzweiflung... 
Nun hpt sie noch einen einzigen GefieBten: 
OrangenfiBör. .. 
Sie facht und stößt durch die Zähne: 
„ Weihnachten /" 
Ex, AfmaT 
* 
Der LeBematm. 
Herr PiesehrinB schmücBt noch 
Den Baum mit SifBer 
Und gofdenen Kugefn, die mächtig gfänzen. 
Heut’ ist er im SmoBing, 
Der hübsche, charmante 
Und wirBfich entzücBende 
Junggeseffe. 
Herr PiesehrinB hat nicht 
Ein Weih sich erobert. 
Das mit ihm das GfücB einer Ehe teift. 
Er pfiff auf freudige Ehebande 
Vief fieher war ihm 
Das Pech der GefieBten 
Das Pech, das BfeBte . .. 
Nun mußt’ er BeschenBen 
Der Jungfrauen sechs. 
Und die sechste erwartet er heute im SmoBing 
Nachdem er die herrfiche Tanne geschmücBt, 
Setzt müd er sich in den Ledersessef 
Und phifosophierend senBt er sein Haupt; 
. Was haB' ich im Lehen...? Ich fiehe und zahle... 
Bin ich denn ganz richtig 
In meinem Gehirn? 
Nein, solch ein Lehen ... 
Verwünscht, ich verdamm ' es . ., 
Ich heirate lieber, eh es zu spät.. /' 
Es Bfingeft, 
Und nochmals... es Bfingeft, 
Er eift und öffnet 
Und im Arme fiegen statt einer gfeich zwei... 
Gfeich zwei seiner Liebchen ... 
O schöne Bescherungl
        
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