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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Jafirg. 27 
Nr. 36 
Skizze 
Grunenberg 
Der Mann: So — (beiseite): Ich mich scheinbar 
auch. (Laut): Na, in Gottes Namen (schreibt den 
Scheck): hier sind die 2000 Mark. 
D i © Dame (steckt den Scheck ein und küßt ihren 
Man n flüchtig); Ich danke dir, mein Dickerchen. Ich 
will dich aber jetzt nicht länger stören. Auf Wieder 
sehen! 
p er Mann (begleitet sie zur Mitteltür): Auf 
Wiedersehen! 
Die Dame (geht ab, schlüpft wieder in den Do- 
guno, setzt die Maske auf und begibt sich hinter die 
Sortiere.) 
DerMann: Gott sei Dankt Das wäre noch einmal 
? U li ^gelaufen! (Reibt sieh die Hände): Aber mein 
schlechtes Gewissen hat mich 2000 Mark gekostet. Die 
uatte sie sonst im Leben nicht von mir bekommen, 
w* s ? — (eilt zur Portiere): meine schöne Unbekannte 
uatte ich fast vergessen (schiebt die Portiere zur Seite): 
Conanen Sie vor, die Luft ist rein. 
\iP ' e Dame: Ich habe schöne Angst ausgestanden. 
w enn Ihre Frau Lunte gerochen hätte — 
Der Mann: Nein, Lunte hat sie nicht gerochen, 
aber das Parfüm. Na, Sie haben ja gehört, was ich ihr 
für ein Märchen erzählt habe. Im Märchenerzählen bin 
ich groß. 
Die Dame: Den Eindruck habe ich auch be 
kommen. Aber etwas hat mir doch an Urnen gefallen: 
wie Sie so mit Grandezza und Nonchalance ihrer Frau 
einen Scheck über 2000 Mark ausstellten. Fabelhaft. 
Der Mann: Nicht wahr? 
Die Dame: Wie sich da andere Männer anstellen 
würden! Die bekämen einen Veitstanz. 
Der Mann: Nein, darin bin ich großzügig. Abe* 
sprechen wir doch nicht immer von mir und meiner 
Frau! Die ist fort und nimmer kehrt sie Wieder — 
wenigstens heute Abend nicht mehr. Wir sind allein, 
ungestört. Na — und Sie werden doch hoffentlich 
wissen, wie man sich als Dame von Welt in solchen 
Situationen benimmt. 
Die Dame: Ja — anständig. 
Der Mann : Großartig. Um sich anständig zu be 
nehmen, kommen Sie ausgerechnet zu mir.
        
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