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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jatrg. 27 
Nr. 35 
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päpstlichen Schiffe, hatte nicht nachgelassen und den 
alten, wiedergefundenen Freund noch in sein Haus ge 
führt. Fast dämmerte schon der Morgen, als der Graf 
Drogo endlich seine Villa betrat, um zur Ruhe zu gehen. 
Er war zufrieden und glücklich, denn er hatte gesehen, 
wie schon in diesen Wochen des Kardinals Gönner 
schaft sich seinen Söhnen wohltätig erwies und Marge 
rita machte ihm keine Sorge. Glückstrahlend war ja 
ihr Gesicht und er war überzeugt, daß sie, die der 
Kardinal jetzt schon ins Herz geschlossen, in der Tat 
der Mittelpunkt der Gesellschaft Roms zu werden be 
stimmt war und stolz war er darauf, wie gewandt und 
voll angeborener Würde sein schönes Kind ihre Stellung 
verstand. Klug hatte es der Kardinal verstanden, jedes 
Gerücht von ihm fern zu halten, das über den Grafen 
Ungünstiges hätte reden können, und der Admiral 
kam eben aus fernen Landen. 
In angenehmer Müdigkeit war der Graf im Begriff, 
sich niederzulegen, als er auf seinem Nachttisch einen 
Brief fand: 
„Seiner Erlaucht dem Grafen Drogo. Eilig zu lesen,“ 
Gähnend erbrach er den Brief. 
„Ich warne Sie, Graf, in letzter Stunde und hoffe, 
daß dieser Brief noch vor der unseligen Hochzeit ihres 
unglücklichen Kindes in ihre Hand kommt. 
Ein verschuldeter Wüstling ist der Graf Granvillardo. 
Erkundigen Sie sich! Verschuldet ist der Graf, nicht 
nur dem Kardinal, sondern den Wucherern der Stadt. 
Eine Liebschaft mit einer öffentlichen Buhlerin brachte 
ihm eine furchtbare Krankheit. Nur Ihr Geld lockte 
den Schurken. Hüten Sie sich, daß er Ihr Kind nicht an 
Leib und Seele vergiftet. Fragen Sie den Doktor Mar- 
Purgo, wenn Sie meinen Worten nicht glauben, er hat 
ihn behandelt und weiß alles. Ein Freund.“ 
Der Graf erschrak, und jetzt fielen ihm jene Worte 
ein, die er unter der Altane belauschte. 
Dann wieder knüllte er das Papier zusammen. 
„Die ruchlose Feder eines anonymen Feindes!“ 
Aber er wälzte sich schlaflos auf seinem Lager, und 
jetzt wunderte er sich selbst über die rasche Hochzeit, 
nachdem der junge Graf sein Kind erst wenige Tage vor 
der schnellen Werbung gesehen. Jetzt fiel ihm auf, daß 
dieser stürmische Werber dann als Bräutigam so kühl 
war. Jetzt erschien ihm selbst das Gesicht des Grafen 
früh gealtert. Was sollte er tun? Nun war es zu spät! 
Der Graf erschrak und jetzt fielen ihm jene Worte ein ... 
In bangen Zweifeln, bald zitternd vor Sorge, bald 
wieder voller Zorn gegen den Verleumder erwartete er 
den Tag. In aller Frühe eilte er zu dem Doktor Mar- 
purgo. 
Er war auf Wochen verreist. — — — 
Mißmutig war der Graf Granvillardo von seinem 
Lager aufgestanden. Der allzu reichlich genossene Wein 
brannte noch in seinem Kopf und ein Gefühl tiefer Be 
schämung war in seiner Brust. Er fühlte die lächerliche 
und elende Rolle, die er in der Nacht gespielt hatte. 
Leichtsinnig war der Graf, aber ein Rest anständiger 
Gesinnung ließ ihn sich schämen. 
Als letzten Notanker und unter der Drohung des 
Kardinals, ihn vollkommen fallen zu lassen, hatte er 
sich zu der reichen Heirat entschlossen. Und als er das 
frohe Gesicht seiner jungen Braut sah und ihre Freude 
über den glänzenden Empfang in Rom hatte sich sein 
Gewissen beruhigt. 
Elegantes Pack 
Roman von 
JOLANTHE MARES 
Das Leben eines Filmstars, die Trabanten, die Frauen, die 
ihn umgeben, schildert die bekannte Autorin in diesem 
spannenden, überaus packenden Buch. — Künstlerinnen, 
Damen der Gesellschaft umkreisen, wie die Motten das 
Licht, den schönen Rolf Roderich. Menschen sind es, die 
unter schimmerndem Hang Zügellosigkeit und Roheit bergen, 
in deren Mitte die Dienerin, das einfache Mädchen, in Rein 
heit, Wohlanständigkeit, wie eine Blume unter Unkraut gedeiht. 
Wirkungsvolles farbiges Titelblatt von Linge 
Preis: Eleg. brosch. M 3.50, Ganzleinen geb. M 4.50 
Charlotte Bell 
Roman von 
OLA ALSEN 
Die gewandte Feder Ola Alsens zeichnet ein lebendiges Bild 
jener Gesellschaftsschichten, die skrupellos ihren Wünschen 
folgen. Aus der Dunkelheit einer Hafenkneipe wird Charlotte 
Bell ins Leben gedrängt. Ein gesellschaftlich entgleister Baron 
gewinnt das schöne Kind, um es seiner Geliebten als Aufsehen 
erregende Begleiterin zu geben. Von der großen Welt um 
fangen, lernt sie einen italienischen Grafen kennen, der sie 
durch Heirat aus der trübenAtmosphäre zu befreien sich bemüht. 
DerKampf der Vorurteile beginnt. Wünsche führen zu Ver 
brechen und Selbstmord. Dieser dem Leben abgelauschte 
Roman ist eine der beachtenswertesten Erscheinungen d. Js. 
Wirkungsvolles farbiges Titelblatt von Linge 
Preis: Eleg. brosch. M 4.—, Ganzleinen geb. M 5.— 
Zu Bezießen dur<£ affe Besseren Bucßßandfungen oder direBt vom 
(D Almanach = Kunstverlag A G • Berlin SW 61 ®
        
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