Path:

Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr, 4 
JaSrg.2,7 
23 
(Sß/ßfffcfja)fe 
unb 
jRün/tferabenbe 
ber jjeitj’djtift 
»BERLINER LEBEN« 
im IDeinre/taurant 
,,(£ 5 orfott", Kurfürften b amml3 ; B er Rn 13) 
am ©letmtag, ben 18. unb a5.?ßör? 1934 
jRün/tterijcfie 
Darbietungen 
elfter Mrafte 
Äamtnetfdnger @oti? 
ffcöfjer Opern (jaus (SßarlottenBurg) 
Curie Berber, bie ©oriragp&änftferin 
®ubrun Bitbebranbi 
mit ihren 5Ueifterj’cf)n(erlnnen, u. o, 
©ic berühmte 3a??6 anb-jRapeffe JBtn/t 3 aco 6fen 
jViett 
bk neuefkn Scfrfaggr 
©a0 PuBÜtum tan?t 
ifofece ©eni/e 
(/ta&Ü, unueränfaetltcfi): 
VORNEHMES AMÜSEMENT! 
fltie ©amen unb Berten, bie Bertin pa/fieren, 
begehen eine große ‘Ctnterfaj’jungeifünbe, menn 
jtc ben „Bertiner-Ceben-flbenb" nicht bejuchen 
Adern Monna Lucrezias. Und sie warteten weiter 
auf das unerhörte Schauspiel, auf den Augenblick, da das 
Blut der Borgia sich selbst erkennen und ihm geben werde, 
was eben des Blutes der Borgia war, und was die Welt — 
je nach dem Grad ihres Temperamentes oder auch je nach 
der Einschnürung eigenen Urteils durch Profitsucht und Ab 
hängigkeit —■ bezeichnete als: Zuchtlosigkeit oder Unzucht, 
Verworfenheit oder Laster. Vater Alexander und Bruder 
Cesare aber meisterten ihre Geduld kaum mehr. 
Und wieder zog ein Abend herauf, der sah in dem Palast 
der Monna Nanozza alles, was die zivilisierte Welt an Glanz, 
Reichtum, Schönheit, Adel, Pfründen, Macht — an Sünden, 
Verruchtheit, Vorurteilslosigkeit der Zeit, Kriecherei, Niedrig 
keit, Schlechtigkeit, Bosheit, Tücke und Verrat auf also enger 
Bodenspanne vereinen konnte, beisammen zu einem rauschen 
den und berauschenden Symposion, auf dessen Echo der Erd 
ball lauschte. — Und wieder, wie immer, saß die vierzehn 
jährige Lucrezia, schimmernd in weißem Atlas und goldenem 
Brokat, zwischen Seiner Heiligkeit, Alexander VI., und Cesare, 
dem kühnen und furchtlosen Kardinal von Valencia, der sich 
auf männermordendes Kriegshandwerk, wie Rom und die 
Welt tuschelten, schier besser verstand als auf Liturgie, Messe, 
lesen, Hochamt und frommes Psalmodieren. Und wieder 
fühlte die vierzehnjährige Monna Lucrezia die Bücke von 
Vater und Bruder mit unsauberer, wissenwollender Neugier 
sich einbohren in ihres Leibes, den Sitten der Zeit und den 
Unsitten dieses Hauses entsprechend ent hüllte Pracht. — 
Es war, als wenn sie ab getastet würde Zoll um Zoll ihres 
Körpers, abgetastet und —• geschändet. Und doch errötete 
Lucrezia nicht, noch erbleichte sie. Undurchdringlich war 
ihre Freundlichkeit, ihre . . . Unbefangenheit. Wie stets. 
Monna Lucrezia gegenüber aber hatte seinen Platz ein 
Phofo * Opfik * Radio 
Kamerss Avsgengl&ier Apperöic 
Bedarf Pliemen-FekWecher Zubehör 
Verlangen Sie bitte unser Angebot 
RODENSTOCK g.m.bh. BERTIN 
Leipziger Sir. 101—102, Friedridislt. S9—&S, RosenShelerslr. 45 
joadiimtlhaler Sir. 44, GruneweMstr. 56, Neandertlr. 23 
—[ Beate Einrithtaag fäTBeilimmüng*der rlthHgen AngenglSter 
junger fränkischer Ritter: Horst von Lohneck, der mit 
kaiserlicher Botschaft an den Herrn der Christenheit betraut 
worden und dem darum also ehrenvoller Sitz an der Tafel zu 
Teil geworden, Horst von Lohneck, jung und biegsam wie 
ein Page, offenen Auges und adliger Bildung von Antlitz und 
Formen, hatte schon vor der Tafel vor Monna Lucrezia das 
Knie gebeugt. Und, von ihr gütig befragt, hatte er ihr er 
zählt von seiner Heimat, seiner Burg an breitem Strom, wo 
seine Mutter, in Ehren ergraut, im Kreise sittsamer Mägde, 
das Haus bestelle, aber nun auf seine Rückkehr von Rom 
harre, um ihre Arbeit in jüngere Hände zu legen. In die 
Hände eines blonden Jüngferieins, das, ihm als Braut zuge- 
sprochen, in einem altertümlichen Häuschen eines der vielen 
altertümlichen Städtchen zu beiden Ufern des breiten Stromes, 
schalte und walte, bis sie selbst an seiner Seite als Herrin 
droben auf Burg Lohneck einziehen würde. Der Kaiser hatte 
dem Ritter zugesagt, daß, wenn er verrichteter Sache von 
Rom heimkehren würde, Vermählung auf Lohneck gefeiert 
werden dürfe. Das alles hatte der pagenhafte Ritter der 
fremden Frau berichtet, getrieben von einem ihm sonst frem 
den Mitteilungsbedürfnis. Sein Auge aber hatte dabei voll 
unverhohlener Bewunderung auf Monna Lucrezia geruht; 
glaubte er doch, etwas annähernd so Schönes wie diese jung 
fräuliche Frau nimmer erschaut zu haben. — Und auch über 
Tafel brannte diese warme und leuchtende Bewunderung auf 
Monna Lucrezias Antlitz, auf ihrem Nacken, ihren Armen 
und Schultern. ... 
Der feurig© Wein von Chios machte die Runde. Und Horst 
von Lolmeck hob seinen Becher Monna Lucrezia entgegen. In 
stummer Huldigung. Da geschah es, daß, während* sie ihm 
Bescheid tat, ein dunkles Erglühen ihre Wangen und ihre 
Brust überzog. Und ihr war plötzlich, als spüre sie erst jetzt 
ihre — schamlose Nacktheit und mit verhangener Stimme 
befahl sie einem Diener, ihr einen Schal zu bringen, da sie 
fröstele. Gleichzeitig fühlte sie, wie des Vaters Augen ihre
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.