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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.4

Ja6r". 26

Regen

Im Cafehaus

Die Straße will den Regen nicht mehr trinken
und feucht die Luft auf allen Lungen liegt.
Laternenlichter in den Pfützen blinken.
Der Mißmut durch die Memcltenmenge kriedtt.

Im Zickzack schneidet Flimmerlicht
Stumpfsinn ins Hirn und zuckt im Blut.
Roh tapst die Peitsche meines Nachbars
verblödet Lachen durch Gedankenstram
aus harter Schädeldecke, die . vom Werden brodelt.
Ameisen sind gestreut mit Menschenfratzen.
Dort geigt der lange Spielmann
und lächelt quälerisch um Beifallsgunst.
Ich möchte Hartdgranaten schleudern
und untergehen mit euch Schatten,
um deretwillen ich hier grüble.

Die Wünsche und Gedanken hängen niedrig,
die. Zukunft wird vom Teufel ausgebrütet.
Gott und die Welt ist schlecht, das Leben widrig,
die Menschen sind Gesindel. Kurz, man wütet.
Da kommt des Wegs ein hübaches Kind gegangen,
das ladtt und übers Knie das Röckchen hebt.
- - - Und Gott ist gut, die Seele voll Verl~ngen,
die Menschen Engel, und man freut sich, daß man lebtl

Warum muß ich gegen den Strom schwimmen?
So lacht doch, stellt euch schön und duftet ...
und doch seid ihr verwest, ihr Fludwermolkrtenl
Die Stunde stampft in blan~er Rüstung.
Musik von tausend Stahlposau'nen
umrauscht im Takt den Marsch der Sturmgenalt.
Erzittre, Erde, wenn ihr Fuß dich tritt!

G. L Ohii6dtlaeg.r

Geflügelte Worte
EI gänzt von Erich Elfler

"Morgenstunde hat Gold im MundeI"
Doch schläfst du noch 'ne weit' re Runde,
sparst du im Winter teures Licht,
und merk: "wer schläft, der sündigt nichtI"

Dann ganz allein, will mein Geschledtt
ich brünstig schaffen, das im Blut mir glüht.
Zwölf brummt der 'Turmuhr graues Wimmern.
Die Stunde stampft wann wird es dreizehn donnern! !

•
,,}ohanna geht und niemals "kehrt" cie wieder",
der Lohn war zu gering - j etzt singt sie Lieder
in einem futuristisch-freien Kabarett
und abends tritt sie auf im Nacktballett .

•
,,Kommt den Frauen zart entgegen",
ertappt ihr sie auf Seitenwegen I
Verzeiht in einem solchen Falle nur fordert: Gleiches Recht für alle I"

Pro domo
Liebe ist nicht immer blind. Oft bemerkt sie die Fehler an lkm
geliebten Gegenstande, gibt ihnen aber eine goldene Fauung.
Mari. Her_. von Bau
.... ..

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Der Dichter und seine Musen

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