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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Janrg. 26

Oberlehrers aus Berlin - den alten Geheim rat mit der blauen
Brille - (wie hieß er d och gleich?) das junge Pärchen, die
Reineckes - die zwei alten Fräulein Schneide rs, die sich so
ähnlich sahen und nur veget arisch aßen . .. Grüne Flächen
d ehnten sich, . ansteigende sonnige Matten mit bunten Blumen

Nr.4

Eine leise Peinlichkeit schwebte durch den Raum .
"Elfe", flüsterte er plötzlich in die Stille und ein Zittern
klang aus seiner Stimme, "meine Elfe."
Evcline starrte erschrocken.
(Was war denn das? was hatte er gesagt? - "meine Elfe?"
- - 25 Minuten nach drei Uhr - - ein Herr saß dort, der
seine Visitenkarte hereingeschickt hatte ein Herr, auf
dessen Namen sie sich im Momente nicht mehr besinnen
konnte - ein fremder H err, der sich die Füße nicht einmal ordentlich abgeputzt hatte! - und sagte zu ihr: ,meine
Elfe.")
,
Eveline fühlte eine Abwehr. Steigernde Ungeduld beschlich sie, als müßte sie die Situa tion einfach wegtu n, ablehn en.
Sie erhob sich, ohne ihn anzuseh en und sch ritt langsam
dem Fenster zu.
Gemächlich schob dort unten eine dicke Frau einen Wagen mit Trauben vor sich her.
Meine Elfe! klang das Echo in ihr nach, meine Elfe - Und in plötzlicher V ision sah sie jenen Abend wieder, da
de r Himmel in sinkendem Sonnenlichte sich dehnte und
seine Silhouette gigantisch scharf gegen den blutroten Abend.
himmel stand.
.
Wie eine Erscheinung aus ferner Legende war er ihr erschienen, steinern gegen die Flammen des Himmels gemeißelt.
Mer kwürdi g kla r hatte sich dieses Bild lebend ihrem Erinnern einge prägt. In jenem Momente, d a die ganze Welt
um sie b~id e schwieg, und er sich nei~te und von seiner Liebe
sprach, III Jenem Momente - - p - d a hat te sie ihn
v ielleich t - geli ebt.
"Elfe", hatte er zu ihr gesagt, "meine Elfe."
Kli ngeln .
Eveline zuckte nervös zusammen (Sollten Haags etwa
schon? . .. aber nein, es war kein Auto - ) draußen hörte
Illan Stimmen .
. . . (ach so, der Hut! . .. n~ ja, immer im letzten A ugenblick - . . . sie würde sich Jetzt aber naeh einer anderen

und flaeternden Schmetterlingen - schattige Waldpfade - lind neben ihr Tristan der Hüne - - ihr treuer Begleiterin der kurzen blauen Joppe - ohne Hut - sonnenverbrannt
- lachend ,. alles an ihm gesunde Kraft, Ehrlichkeit; Natürlichkeit.
U nd di e stil len Abende, da die Grißen zirpten und das
Leben so einf ach und fri edlich schien, die warmen Sternennäc hte, in d enen der alte Geheimrat Niemeyer (richtig,
Niemeyer hieß er!) die Sternenbilder erklärte - die gute
Sauermilch in den runden irdenen Schüsseln mit geriebenem
Schwarzbrot, - - der roman tische Ge birgsfluß, über den
Tristan so leicht sic trug, während sie behaglich in die Sonne
blinzelnd, vo n fremden U rvölkern träumte, die zarte Frauen
als Kriegsbeute mit starken Armen von dannen schleppten. - - J a wirklich. es war eine schöne Zeit - - meinte
Eveline nachdenklich.
U nd der Herr dort .im rostfarbenen Paletot, der fragend
und zögernd nach Ihr blickte - d as war ja Tristan!
Er saß ei n wenig vo rgeb eugt auf der Kante des. Stuhles.
Ihre Mutter hatte ihr einmal .erzählt, daß ein sehr großer
Herr mit einem der Stuhle dieser Garnitur zusammengebrochen war. Jetzt mußte sie gerade daran denken.
"Ein paar Blumen", sa~te Paul Becker in sichtlicher Verlegenheit, fast im Tone em er Entschuldigung.
Die große H and mit d em hellgelbe~ Handschuh legte den
Strauß vor Eveline auf das Marmorhschchen. Das Seidenpapier knisterte leise.
o danke wie freundlich von Ihnen", erwiderte sie und sah
au" s~ine he'tlgclben Riesenhandschuhe.
Diese Handschuhe irritierten sie in einer Weise.
Sie faßte nach seiner Hand; er machte eine freudige Bewegung, als wollte er ihre Hand e~greif~n..
.
"Aber nein", meinte Eveline, "Ich bl~te Sie, tun ~Ie doc~
die Handschuhe herunter! Ich kenne Sie doch gar nicht so.
Er befreite seine Finger umständlich aus ihrer ledernen Umhüllung.
"So", sagte er endlich mit halbem Lächeln wie ein gescholtenes Kind und legte die Handschuhe neben die Blumen auf
das Marmortischehen.

8

Modistin umsehen, das stand fest .- außerdem die letzte
Rechnung - einfach skandalös! - .. .)
Minna klopfte.
"Entschuldigen, gnädige Frau, die Modistin."
"Schon gut, lassen Sie Fräulein Olden ausrichten, ich wäre
sehr ungehalten, daß sie den Hut wieder so spät geschickt
hätte."
        
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