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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr. .,

vermitteln. A ls der
sdne Zahlenschmierage beendet
und sich freundlichst verabsc hi edet hatte, flötete
also auch ich.
.. Kar!, K-a-r-I !"
Im
Augenb lick
stand Cl' da. "Sie
wünsc hen's'?"
"Ja. ich wollte
Sie Bur fragen. wie
hier die Wetterverhältnisse sind."
Er zwinkerte mir
laehcnd zu., ,,0,
setr gu t gnä' He rr.
Und was die Marquise ist, dic gcht
alle Tag gegen 12
auf den Schloß·

berg. - Licb ist sie, gelt? -Und Duzzi heißt sie mit de m
Vornamcn. - (J'rad Duzzi. das
ist so herzig, als wie a Sehoßhunder\. Und morgen geht's a
in Elektra, der Sitz nehen
Ihnen."
"KarI!"
.. Wünsr.h' gute
Unterha l.
t un g", und schon war er fort.
Ich sah, daß meine Angcbetete sich erhob und tat unauffällig desgleichen. Wir fuhren in demselben Lift nach der
dritten Etage. Ich 'w g so bcscheiden und selbstverständlich
als möglich den Hut. Welche
Freudc, sie nickte wieder, etwas
erstaunt zwar, aber nicht unfreundlich. Also mußtc ieh
rasch einen Vorst oß wagen,
denn der Lift wartete sichcr nicht. bis mir etwas Gescheites
einfiel und vo n dem, was ich jetzt sage, hängt alles ab, wa rd
mir klar bewußt. Der Lift hielt. Ich stürzte ihr nach, zog
abermals den Hut und lächelte.
\Vir sind Zimmernachbaren."
Jetzt ward ihr Blick belustigt.
Nous le sommes."
.. 0" bedauerte ich, .. Sie sprechcn nicht dcutsch?"
.. ,
I
"
"Non, je ne le par e pas. .
,
.. Und Sie ve rstehen auch l1Jeht?'
.. ~on, je ne le comprends pas."
.. Nicht ein Wort?':,
"Non, pas un mot.
Ich blieb zerknirscht stehen. Diese brutale, herzlose Tatsache zerstach mein Gehirn. Denn ich konnte auf Französisch nur fluchen und schimpfen, da mein Vater einmal einen
Jean hatte, einen ganz echten. U nd da der ei~ Oberesel. ~ar
und ich ihm das, da er nicht deuts~h sprach, 11Icht .begrel~lich
machen konnte, hatte ich mir auS dIesem Zwecke e111 LeXIkon
gekauft, war aber über meine Tiernamenkenntnis~e r:ie hinausgekommen. Das alles ging mir in dem BruchteIl e111er Sekunde in grauenhafter Erregung durch den Kopf.
. "Bon soir", sagte eine weiche Stimme neben mir, und die
mollige, kleine Hand drehte an dem Schlüssel der Tür 112.
Ich verbeugte mich und tat dasselbe.

6

Kaum war ich in meinem Zimmer angelangt, als mir Kur l
einfiel. Der mußte mich französisch lehren . Ich klingelte wie
rasend. Paul der Zimmerkellner erschien.
.. Rufen Sie mir den Karl' Ich muß ihn dringend sprechen."
Endlich enchieft
und ich erzählte ihm den Vorfull. Als
ich geendet haU., l.aehte er.
.. Aber spricht .ie ,. deutsch, wenn sie hat "eantwortet Ihnen
auf Fra2en. mu •
auch hab n verttandenl Hat sich halt
Spaß gem.eht, eHe D\nlli."
Gott, 'War der M.ensch klug. Ich umarmte ihn in meiner
Freude, n .. nnte ihn meinen besten Freund und schenkte ihm
1<>,0 000 Kronen, die er dankend einsteckte, und sich li ebenswlII'dlg empfahl.
1n der Nacht f nd ich wenig Ru he, stand um 6 Uhr morgens auf u nd horchte an der Verbindu ngstüre. Um 9 endlich
be~;lI1n s.lch etwas zu regen - und um 10, da fühlte ich scho n
meme Huhneraugen wachsen. also um 10 belZann sie ein dcutsches LIed nach dem anderen zu singen. Um 11 schien ~ i e
fertIg ?Um Ausgehen bereit. Ich stürzte in die Vo rh alle, be.
auftragte Kar!, .ihr Zimmer im Laufe des Vorm ittags mit
B1un~en zu schmucken und wartete geduldig weiter .
"l'ur nicht ~ehüchtern sein", raunte mir Kar! im Vo rbeigehen zu, .. Wer nix wagt - hat nix."
Und Ich war nicht schüchtern. A ls sie kam, grüßte ich sie
WIC cl11e länRst Bekannte.
"Verstehen Sie noch immer nicht deutsch?"
"Non, \)!lS un mot."
Ich lac lte, sie lachte und wir gingen zusammen auf den Schloßberg. Ich lud sie auf
ein Gahelfrühstück ein, kaufte ihr eine Bonbonniere. daß sich ei n Regim ent hätte d amit
den f\'\ agcn verderben können, und machte
ihr nach . 'oten den Hof. Cnt! 'k wurde in
fli eßendem D~utsch immer liebenswürdigcr
und n:Jhllt meinen Vorschlag, mit ihr nach
der E lcktnl SOUpieren zu gehen, dankbar an.
A lso, was konnte man sich tür den ersten
Tag ein er Bekanntschaft noch mehr wünsch'cn. Zu Mittag saßen wir am se lb cn
Tisch, und Karl, welchcr eine stumme,
nichtwisse nd e Miene zur Schau tr ug, he dientc noch einmal so eifrig.
Am ;--.!achmittag gingen wir ins Kino, und
beim nHch Ha useweg nann ten wir uns bereits mit den Vo rnamen. Im Hotel angelangt. gingen wir in unsere Zimme r, um uns
für das Theater umzuziehen. Ich .kroch gerade in meine Smoking hose, als ein furch t bllrer
Schrei, der nur d er Kehle

.r
        
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