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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

.J116rg. 26

Nr.3

Nae» muster Mode trägt sie Kfeider,
die stets von tadeffosem Sitz,
ist immer vornehm, ewig heiter
und hat genügPnd Mutterwitz.

AuaG um aen Hafs, den marlllorwe(ßen,
auf Busen aue» und aue» im Haar
vief Eddslei!1(J (oeRend gleißen sefost Rafflie neltnt das wunderoar!

An Ohr und 'Fingern ofitzt Geschmeide,
in Pefzwerli ist sie eingehüfft,
ist affer Männer Augenweide ein Weio, das uns mit Gfut erji'ifft.

Das E(fonoein der lifeinm Zähne
ist hier und da mit Gofd durch/virnt,
Gofd ist aue» ihres Haares StrählT(!,
für dessen Ee»theit sie verbürgt.

Doch ist man mit ihr mitgegangel1,
dann ste[[t man fist: vief ist nie»t dran/
Ihr Bestes hat sie außen hangen,
darunter - hat sie flar I1IWts an /
EridJ

E./Jf~r.

Wie mich der Frühling grüßte!
Die Sonne war schon so hell und stand schon so hoch. Sie
glitzerte auf den nassen Pflastersteinen, goß breite. goldene
Streifen auf die Dächer, schmeichelte mit den kahlen Aesten
der Bäume und brachte eini ge Tropfen an meinem Fenster
zu diamanthellem Aufleuchten.
Die Luft war warm und ein wundersamer Trank von Jugend
und Frische.
Da ging es nicht anders. Ich mußte hinaus vor die Stadt,
um zu sehen, ob dort schon dc r Krokus oder der Seidelbast
hlüht und die Bäume schon Knospen haben.
Schnell in die nächste Elektrische!
Die Scheiben des Wagens spiegeln die Sonne in hüpfenden
Lichtern, sein Messinggestänge prunkt golden.
Schaffner und Fahrer haben längst ihre dicken Fausthand.
schuhe ausgezogen.
Erst .geht's durch .einige yerkehrsstraßen, dann durch ein
paar Vtllenstraßen mIt Vorgarten, und dann werden die Häu.
ser spärlicher.
Endstation.
Ich bin draußen vor der Stadt.
Stehe ·do~t, wo die Anlagen allmählich verwilderter aus.
seh~n. um m das sog~nannte Gehölz überzugehen.
Eme Farbensymphollle von zartestem Blau mit lichtem Gold
verbrämt ist über den Himmel gegossen.
Eine Meise zwitschert ihr Liebesliedchen.
..Tsitsitä, tsitsitä", klingt's über mir in den Zweigen.
Ich blicke hoch und wi1l mir den kleinen, blaugelben Sänger
ansehen.
Schau, da ist ja auch noch ein Buchfinkenhähnchen, springt
WIppend von einem Zweig zum andern und ruft lustig Pink
pink".

"

I

Je.tzt hat es . sein Zweiglein erreicht, auf das die Sonne
schemt und bleIbt sitzen.
Jetzt plustert sich 's auf. Ganz deutlich sehc ich seinc rot.
braune Brust und sein blaugraues Köpfchen.
Und )etzt ?es~nnt es sich auf scinen Liebesruf und singt
ganz leIse: .. Bm Ich nicht ein schöner Bräutigam _ _ _ ".
d No.ch ganz leise. Ein paar kratzige Töne sind auch noch
a~~lschen. Aber wenn die Sonne ein klein bißchen wärmcr
sc emt, d~n~ wird sein Ruf jubelnd die Bäume ermahnen,
daß es Zelt Ist, an junge, grüne Kleider zu denken.

Ich blicke mich um. Wirklich, der Strauch hier hat schon
ganz d icke Knospen, und dort an der Seidelbaststaude prunken
goldgelbe, leuchtende Blüten.
Ich schaue ins weite, sonnenbeschienene Land .
Sehe ein paar rote Dächer, braune Felder und drüber den
endlosen blauen Himmd in einem Blau, so leicht und hingehaucht, daß ich's nicht beschreiben kann.
Wenn es einen Himmel mit weißen Engeln gibt, so muß
unbedingt jenes ßlau die Grundfarbe dcs himmlischen Saales
sein.
Ich sauge mich voll Luft und Lenzwonne und versinke in
Triiume. - - Da sind Stimmen.
Lachende, junge Mädchenstimmen.
Recht so. Die passen zu dem Himmel.
Sie kommen näher.
Ich wendc mich um.
Zwci Backfische toHen mit fliegendem Haar und roten
Wangen dcn Waldweg heran.
.
Just auf mich zu läuft die eine.
Sic hat den Hut in der Hand und macht ganz kleine
Schritte.
Jetzt ist sie ganz dicht bei mir.
.
Ihre Blauaugen blitzen mit der Sonne um dIe Wette.
Da, ein Schrei I
Ein tückischer Stein lag im Wege .
h, ja, Kleines, auf Waldwegen läuft sich's schlecht in
Stöckelschuhen - - -.
Patsch! Da liegt sie, so lang sie der Herrgott schuf.
Ich springe zu, will sie aufheben.. sehe ein paar .s chlanke
Bemchcn mit schwarzen Seidenstrumpfen, und, mem Got~.
das Röckchen ist verrutscht. Ein schwarzes Strumpfband mit
ei ncm rosenroten Schleifchen drauf ist ganz deutlich zu sehen
und drüber - - ein winziges Streifchen rosiger Haut.
Das ging alles in Sekunden.
Die Kleine steht auf, zieht verlegen an ihrem Röckchen und
hat rote, rote Lippen.
Da kommt die andere.
Die beidcn Wildfänge tollen weiter.
Ihre Stimmen verlieren sich.
Mich aber hatte der Frühling begrüßt.
H.lArda

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