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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Johrg.26

Nr.2

Goldschmiedläden und dann wie gewöhnlich vor einem SchuhFremden zu werfen, die ihn sofort scheinbar zufällig aufladen stehen. Seine elegante Figur, seine übertrieben stutzerfing.
hafte Kleidung mußten die Aufmerksamkeit der Frauen auf
Draußen schöpfte er einigemal tief Luft und bereitete sich
auf den Angriff vor. Er trat etwas seitlich in den Schein
ihn ziehen. So kam es, daß eine schlanke Dame in einem
kostbaren Pelz, die ebenfalls an
einer Laterne und wartete.
das Schaufenster trat, ihm von
Nach einigen Sckundcn öffnete
der Seite einen nicht gerade
sich die Tür und die Dame. in
mißfallenden Blick zuwarf, den
dcr Hand ihr Täschchen und
cin
Paket,
erschien.
Ein
er erwiderte. Er sah ein reirascher, wohlgezielter Blick traf
zendes. fast schön zu nennenihre. mit den soeben gekauften
des Profil mit zartem Teint
Stiefeln
bekleideten
rüße.
und gutgefärbten Lippen. Die
Lächelnd schritt sie an ihm
Schöne lächelte über den Au~­
- vo rüber. Er ließ sie vorbei und
druck vollster Hingerissenheit
ging ihr nach. An einer dunkin seinem Gesicht und verlen Stelle war er neben ihr unU
schwand im Laden. ehe er noch
bot ihr seinc Begleitung an.
eincn Blick nach ihren Füßen
Gespan;,'t
werfen konnte.
"Mein Herr", flötete sie und
spielte die Erstaunte. Aber sogleich begann er ihr seine
durch die Ladenscheibe b!if kendo wodurch er eInigen PassailLeidenschaft zu gestehen. und daß er noch nie eine Frau mit
ten auffiel, gelang es ihm ·endlich. drin die schöne Fremde zu
solch schlechthin göttlichen Füßen kennenzulernen die Ehre
entdecken. Sie hatte sich auf einem Schemel niedergelassen
gehabt hätte und er rühmte
und tat ein reiz e.nC:~s , vollihren feinen und vo rnehmen
kommen ebenmäßiges Bein dem
Geschmack in der \Vahl der
vor ihr knieenden jungen VerSehuhc und redcte sich so in
käufer hinstrecken. Aber lei .
ein Feuer, daß sie halb bedet -- leider trug sie einen
lustigt. halb geschmeichelt dem
einhchen Schnürschuh, den ihr
vollendeten Kavalier Gehör
d,~r junge Mann mit geübter
schenktc. An der Ec~c trat
i Hand öffnete. Dann erhob sich
sie unter die Kolonnaden und
der Verkäufer und verschwand
sag te: "Sie haben mich sehr
im hintern Teil des Ladens.
cl müsiert, mein Herr, aber ich
Marcel war so vertieft, daß
habe Eile. Mcin J'vlllnn erwarihn ein Herr erst ganz enertet mich. Wir müssen uns
gisch bitten mußte, Platz l.U
trennen!" - "Wie? Trenncn.
machen. "Pardon, Par - don".
doch nicht für immer'? Sic
stammelte er verwirrt und gab
werden nie einen glühcnderen
den Eingang frei. EinenAugenNur emt mir eingepräS"ter Schutzmarke .. Fön":.
Anbeter finden als mich. Mablick schämte er sich seines
Der patentiert e .. Sanax.,. ... Vlbrafor ist der beste
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dame. Wann darf ieh Sie wicBenehmens und schwankte, ob
Überall erhältlieh.
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derschen '?"
er das Feld räumen oder hineingehen und irgend \".twas kau"Eigentlich nie
ein
fen sollte. Er tat das Letztere und forderte verschiedene
schalkhaftes Lächeln huschte über ihr Gesicht. - "Das heißt,
zu jeder Stundc stehe ich zu Ihrer Verfügung."
Schuh-Creme. Sowie der ihn bedienende junge Mann davon"Ich möchte nicht gern gesehen werden - Sie verstehen - ."
eilte, um das Gewünschte zu holen. drehte er sich unauffällig
- "Darf ich Ihncn meine
um und sah - sah, wie die
Karte überreichen?
Ich
Schöne einen hocheleganten,
werde Sie morgcn um Vicl'
schwarzen Knöpfstiefel mit
erwarten!" Und er gab ihr
spitzer Fasson und hohem
eine Karte, auf der seine Absatz prüfend in der Hand
zweite Wohnung im unteren
hielt und ihn dann nickend
Teil des Boulevard, nahe
dem Verkäufer gab, der ihr
sogleich den Schuh über
der Kirche Saint Germain
des Pres, stand. Denn Marihren kleinen Fuß streifte
eel de Poiore war ein vorund geschickt zuzuknöpfen
sichtiger Mann.
"Und
begann. Er hätte in diesem
wenn
ich
nun
nicht
Augenblick 1000 Franken
komme?" fragte sie ihn.
darum gegeben, wenn er
"Sie werden bestimmt
hätte mit dem Jüngling tau·
kommen und mich zum
schen können. Eine wilde
glücklichsten der Sterhlichen
Eifersucht auf diesen "gemachen, wenn ich die reischäftsmäßigen Ladenzenden neuen Stiefel mit
schwengel" stieg in Ihm
meinen Lippen berühren
hoch und nur mit Mühe
darf. "
fand er sich in die Wirklich"Sie sind ein Schwärmcr.
keit zurück. Gedankenlos
mein Herr!" sagte sie laut und dann rasch und leise: "Gut, ich
nahm er eine Cremebüchse nach der andern in die Hand und
komme'"
legte sie wieder hin - da er aber nicht ewig so stehen konnte,
nahm er schließlich die erste beste. zahlte und verließ den
Und sie kam. - Marcel öffnete ihr, zitternd vor ungestümem Verlangen, und
Laden. nicht ohne noch einen verzenrenden Blick nach der

OQIGINAL

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