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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jonrg.26

Nr.2

Maric-Hortense erbleichte. Ihr war, als würde ihr ein Messer
ins Herz gestochen. Aber noch; ehe sie zu erwidern vermochte, fuhr der G raf fort: "Ich habe Sie bisher als treu
erfunden. Ich vermag auch heute noch nicht an Ihre Schuld
zu glauben. Ich kenne Ihren Stolz und ich kann nicht glauben,
daß Sie sich so woit erniedrigen würden, mit diesem Menschen - - Aber genug. Hören Sie. Niemand hat mein Kommen bemerkt. Ich kam in der Dämmerung durch das Parktor. Franfi:ois, der Kutscher, ist verschwiegen. - Sie werden
für heut eine Vorstellung befehlen. Ich werde hinter dcm
Vorhang der Königsloge, Ihrer Loge gegenüber, verbo rgen sein.
So werde ich sehen, ohne selbst gesehen zu werde n. D'Argente wird spielen. Und Sie werden ihm durch keine Bcwl:gung, durch kein, auch nicht .das leiseste Lächeln Beifall spenden. Alle Welt wird dann sehen, daß seine Worte nur die
Prahlerei eines Trunkenen wa ren. .Und ich werde ihn, nu r
mit der Peitsche in der Hand, für seine Frechheit züchtigen.
Aber hüten Sie sich, Marie-Hortense, sehe ich nur das kleinste
Zeichen, den kleinsten A usd ruck des Beifalls bei Ihnen dann
bezahlt d'Argente Ihr Lächeln mit dem Tode. Haben Si~ mich
verstanden ?"
"Sie werden mit mir zufrieden sein", sagte Marie-Hortensc
mit starrem Gesicht. - Das kleine Theater im Parke war hell erleuchtet. Hunderte
von Kerzen ' flammten strahlend und spiegelten sich in den
bronzenen Girlanden, die in verschwenderischer Fülle die
Mahagoni-W ä nde bekleideten.
Marie-Hortense saß inmitten der geladenen Gäste in der
ersten Reihe der Loge. Sie sah ebenso weiß aus wie die Seide
Ihres Brokatgewandes. Sie saß, allen sichtbar, vorn an der
Brüstung und hielt -!inen Strauß weißer Nelken in der Hand.

•

Das Spiel begann. D'Argente bezauberte wie immer durch
die Kraft und Leidenschaftlichkeit seiner Empfindungen, den
\Vohllaut seiner Stimme, die prinzliche Anmut seiner Gebärden. In der großen Liebesszene brach der Beifall b.egeistert
aus. Und plötzlich stand Marie-Hortense, allen sichtbar, in der
Loge. Und mit einem Lächeln wa rf sie dem Italiener die
Blumen auf die Bühne. D'Argente, die Nelken ans Herz
drückend, verbeugte sich, mit einem bedeutsamen Lächeln die
Gräfin anblickend. Diese stand noch einen Augenblick. Dann
wandte sie sich zum Gehen. - - - Marie-Hortcnse stand in ihrem Zimmer. Stolz und übermenschlicher Schmerz hatten ihr schönes A ntlitz zu Eis erstarren lassen . .
Jetzt hob sie lauschend den Kopf. Und ihre Hand faßte
wie im Krampf die Lehne des Fauteuils. Schritte kamen näher.
Wieder wie heute früh trat der Graf ein. .Sein Gesicht war
von tötlicher Kälte und .Ent~ chlossenheit. Er wollte sprechen.
A ber Marie~Hortense kam ihm zuvor. "Ich habe Sie erwartet",
sagte die Gräfin und sah ihrem Gemahl in die Augen,
"Nun denn, dann we rden Sie vieIleicht auch erwartet haben
zu .hören, daß Ihr Galan, dem Sie Blumen und Lächeln spendeten, tot ist", sagte der Graf mit furchtbarem Hohn.
"Ich habe es erwa rtet' ~ , sagte die Gräfin ruhig, "der Tod war
die einzige Strafe dafür, daß er die Gräfin Durada schmähte!"
"Wie soll ich das verstehen, Marie-Hortense", fragt e der
Graf betroffen, "sollte ich Ihnen Unrecht - erklären Sie
mir." - "Morgen", sagte die G räfin, "morgen, mein Gemahl.
Heut erlauben Sie mir, mich zurückzuziehen. Die Erregungen
des Tages waren groß."
Und sie ging langsam in ihr Schlafgemach, die Tür schließend. Der G r af, in Verwirrung und Zweifeln, blieb zurück.
Plötzlich hörte er nebenan im Zimmer einen Fall ein Stöhnen.
Er riß die Tür auf. In ihrem Blute lag die Gräfin Marie-Hortense, einen Dolch in der erkaltenden Hand.

Liebeswei se

Kompromiß

"Mein Maxe hat jcsaamt,' det a mein Bild ewig in't Herze
traachen wird."

Er: " Du hast die Treu e gebrochen, Ellal"
Sie: "Na, vielleicht sind die S t ü c k e nom zu gebrauchen?"

"Det is noch jarnischt,- mein. Paule hat sim mein Bild ufrn
Obaarm tätowieren lassen."

Vorwurf
·M u t t er: "Sieh', die Grete dort - die haben ihre Eltern sovieL
lernen lassen und jetzt ist sie eine Leidltsinnige Person ."
Tochter: "Warum hast du mich denn nix lernen lassen, Mutter?"

Drau/geholfen
In die s erLaube küßten wir uns das erste mal, Röschen ."
" Nein Fritz das war 'ne an der e I"
::Gan; rech/ -A n na hi e ß siel"
Aus dem Au/satz einer höheren Tochter
" . .. . Denn wer da li e b t, ist immer gut e rHo/ f nun g."

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