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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.14

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Eine Berliner Satire

Es

*

war um zwölf Uhr, war Mitternacht, wo nur die Sünde breit sich
macht, wo nur Genießer noch Zeit zum Wachen für Wein und Sekt
und andere Sachen, da hielt das Auto mit Fräulein Lu an der "Roten
Laterne" zwecks "Rendez-vous." Sie stieg empor die Marmortreppe,
auf daß sie den Herrn aus Batavia neppe. Der saß schon im
Smoking da, elegant, und er küßte voll Inbrunst die weiße
Hand. ,,0", schwelgte der Herr aus Batavia, "dies Händchen
ist süßer als Kaviar." "Ach, Kaviar, den lieb ich", sprach
sie schon - begeistert und eine Portion , die rollte bald einladend und frisch, mitsamt Champagner auf dM Tisch.
Nachdem sie getafelt, wunderschön, wollt' sie sich
einmal als Kreisel sehn, und sie tanzte mit Jean,
dem kleinen Schieber und hauchte ihm zu: "Um
- f, mein Lieber I" Der Herr aus Batavia sah zu
indeSSM mit Wonnegrunzen und vollgefressen.
Er wollte nicht trotten und walzern - mit
netten Kokotten, er rauchte indes Zigaretten.
Doch Lu, die hüpfte von einem zum
andern nach der Regel von dem Seelen2 'Uhr fragte
wandern.
Um
Holland leise: "Mein Mädchen,
bereit zur Auto - Reise?" Sie
meinte: "Mein Schatz, ich habe
so Schulden, qu schenkst mir
funfzig powere Gulden I'"
" Nein , zwanzig, mein
Kerlchen, in unserer
Währung 1 Und, daß
du es weißt, das
ist
ne Besc her u ng

in },1ark
gerechnet
viele
Billionenl "Bon", sagte
Lu, "doch will ich
betonen, ein Stündchen nur - kauf einen
Cherrg dort am Buffet bei
der blonden Mary."
Im
Auto wollte Holland gleich
küssen, doch hatte ers unterlassen müssen, denn Lu, die sagte
als wirkliche Dame, sie hasse dies
Knutschen, das infame. Zu Hause erlaube sie einen Kuß - er wollte sie
streicheln, dod. sie rief:
Schluß I" In
der Wohnung sprach sie energisch und
knapp: .Nun lade mal deine Gulden erst
ab!" "Ich bin ein Kaufmann, nachher meine
Beste I- -V och langte er in die seidene Weste
und gab t' einen Vorschuß - "den Rest nachher!"
Sie hoffte, er zahlte am Anfang mehr. Um drei
Uhr flog er die Treppe hinunter, denn er schenkte, mobil
gemacht und ,,{linter, statt zwanzig Gulden im ganzen nur
zehn, der Gulden ''steige - sie werde es sehn . Das schrie er
hinauf, doch herab mit Geklirr fiel Lus entzückendes Nachtgeschirr. Um zehn kam ein ,Herr ';'it guter Gesittung, er wollte
kassieren und kam mit Quittung. "Herein mit dem JungenI" rief
sie Marie laut zu und kratzte ' sich am Knie. Als der Herr gleich
nun ins Zimmer platzte, sie imm~;' noch am Knie sich kratzte. "Verzeihung, ich mödile nur hier kassiereitl Ich will also keine Zeit verlieren!" "Mensdl, setz' dich zu mir auf diese Kante -" meine "Dame I"
er verlegen sie nannte, "Meine Dame, ich bitte um 60 Billionen! Doch
möchte ich besonders betonen, wenn Zahlung nicht erfolgt nun bald, übergeben
wirs dem Rechtsanwalt." "Na, halt' die Luft an - bei mir da hängst du - I So
eins zwei drei? Mein Junge was denkst du! Wie piepe mir alles i61 - nimm
Gulden, hier hast du den Kitt - für ,meine Schuldenr' ,,zu wenig, mein
Fräulein" - er rechnet es aus. "So wage ich mich nicht nach Haus." Sie geht
halb Eva rasch ohne Schuhe und Strümpfe zu der Eichentruhe und gibt den Rest H

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