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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jdrll. !M

Nr. 14

'daß sie das Verlangen in sich trugen, die smöne Frau Beatrice
von Auge zu Auge zu sehen.
Arimino war damit einverstanden.
Bruno fragte: " Wann, mein Freund 1"
"Um amt frühmorgens", entgegnete Arimlne, "meinetwegen!"
"Und im 1" woHte Egano wissen.
"Um elf, mein Bester!"
"Aum im mömte sie sehen", sagte Tedaldo.
"Um fünf am Nammittag", erwiderte Arimino wohlwollend.
Jetzt fragte leise Ferendo, wann ihm die Gunst erwiesen
werden sollte.
" Meinetwegen um zehn Uhr abends . , . Meine Frau wamt
und spin:tt bis spät um ,Mitternamt."
"Gut", meinte treuherzig Riccardo, "dann gestattet, daß
im um zwölf Uhr in der Namt sie begrüße."
"So ein Genießer", seufzten die anderen. "Um zwölf!"
Der Ehemann tat, als habe er nimts gehört und sIe gaben ihm
die Hand zum Absmied.
"Vergeßt nimt, meine Freunde, und wisset, daß Ihr die
reinste Frau Italiens morgen kennen lernt."
" Wir werden ja sehen", sagten die Freunde unte'r sim und
sie zwinkerten ,sim versmmitzt mit den Augen zu.
Arimino wollte alle prüfen. . . wollte sehen, wer ein edler
Freund ihm sei.
Bruno kam früh um amt. Als er von der Dienerin hörte,
die junge Frau liege nodl im Bett, nahte er trotz ihrer Abwehr
ins Smlafgemam.
"Süße Unbekannte!" rief er ihr entgegen. "Komm an mein
Herz . . . Du hast mim simer hier erwartet! "
Sie floh und er wollte sie erfassen. Da ersmien ein Reit.
knemt und verprügelte ihn, während der Gatte ihn dabei
unterstützte.
.,Elender! Das heißt du Freundsmaft?" Und Bruno wurde
wimmernd in den Keller gesperrt, namdem die Beiden ihn gebunden hatten.
Egano stürzte sim wie ein Tiger auf die junge Frau, als
er sie im Smleiergewand vor sim erblidtte.
Arimino war wieder zur Stelle, und ihm. Egano. wie T edaldo
und Ferendo ging es nidlt besser.

Wohl sagten sie: "Ein Ehemann lasse in diesem Aufzug
nimt seine Frau herumspazieren". Der Ehemann aber sperrte
sie alle trotz Protest und Empörung in den Keller~
"Eum werde im .. !" Er war wütend und freute sim dodl,
seine Rache gekühlt zu haben,
Dann ging er zu seinem Fraumen und umarmte sie leiden ..
smafdim.
"Remt so!" sagte sie. "Du bist ein Edelmann. mein goI.
dener Gemahl!"
"Du bist die köstlimste Frau Italiens!" jubelte er, Dann
aber zitterten vom vielen Prügeln seine Nerven so sehr, daß
er den Wunsm hegte, in den kühlen Abend hinauszureiten ...
weit in die vollmondbeglänzte Nadlt!
Sie gab ihm ihren Segen und er galloppierte weiter und
immer weiter an der Seite seines Knemtes. Aber er hatte
Riccardo vergessen , , . jenen Freund um Mitternamf.
Riccardo kam und fand die smöne Frau smon im Smlaf.
gemam, Riccardo erzählte in seiner Einfalt : "Wir haben uns
alle vorgenommen, Eum heute glüdtlidl zu sehen. "
Beatrice erzählte nun, was die anderen zu erleiden gehabt
hätten ; dom da sie ihren Mann an diesem Tage haßte und
sein Benehmen sdländlidl fand, hatte der junge Herr keine
Mühe, sie zu erobern. Wußte sie dom den Gatten fern
von hier.
Riccardo fragte: ., Waret Ihr immer so unsdluldsvoll, wie
Euer Mann es glaubte?"
Sie erwiderte: "Einem Ehemann soll man nie seine gute
Meinung rauben, sonst raubt man sidl das Vergnügen."
Riccardo wußte Besmeid.
Zwei Stunden später holte er die hohe Rittersmaft aus dem
tiefen Keller und alle waren froh , hier im Raume den Rest
der Namt verbringen zu dürfen.
Als Arimino, der Gemahl, frühmorgens ins Zimmer trat,
faßte ihn das Entsetzen.
Keiner im Keller. alle hier, teils sdllummernd, teils wamend .. .
und die Gattin mit gesmlossenen Augen .. träumend .. ? Ein
Traum, wie er herrfimer sim nie über ihre Sinne gesenkt hatte.
"Was tut Ihr da?" herrsmte er sie. den Degen ziehend, an.
Riccardo erwiderte ruhig und gelassen : " Wir smützen die
Reinheit und den Smlaf deiner treuen Frau Beatrice."

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AUS DER PIKANTEN WELT
Die Männer spekulieren au/ der Börse. die Frauen auf die Börse.

•
Bist du in der Liebe glüclclich, so vergiß nicht, daß es noch
andere Männer gibt. - bist du unglüclclich, daß es noch andere
Frauen gibt.
Die sittlichen Ge/ahren der Großstadt erregen die größte Entrüstung der jungen Leute, denen diese Ge/ahren nicht begegnen.

•
Die Zollwächter an den Grenzen des Auslandes sind gewöhnlich
selbst SchmuRgler gewesen.

•
Die Frauen sind Edel.teine, und wir müssen ihnen gegenüber
die Fassung bewahren.

8

Die Augen sind die Auslage/enster der Frauen.

•
Wir bewundern die Au/richtigkeit derjenigen , die
zu uns gestehen.

uns

Viele Frauen fängt man nur wie die Schmetterlinge schädigt.

ihre Liebe

arg be-

•

Auch von der Liebe gilt es: jugend denkt nur an das Kauen ,
Alter denkt an das Verdauen.

•
Wenh du eine Geliebte findelI, denke dran, wer sie verloren hat.

•
Alle jungen Damen sind unbeständig, immer wollen 'sie wech,eln,
besondera den Namen.
        
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