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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

.Jahr".

N/'.14

26

Wie am Tage vorher, so lag Ria auch heut erwartungsvoll unter
der seidenen Daunendecke. . Mit Spannung hingen ihre Augen an
.,
der Tür, deren Offnen sie ersehnte.
"Bubi - Bubi - !" beide Hände streckte sie dem Eintretenden
entgegen, während in ihre braunen Augen ein helles Leuchten trat.
"Süße, liebe Ria." Der smlanke blonde Jüngling kniete vor ihrem
Bett nieder und bedeckte ihre Hände mit Küssen. "Wie habe ich
mich um dich geängstigt. Sage mir, wie fühlst du dich ?"
"Eine bedeutungslose Sache war es gerade nicht, Bubi - aber
nun habe ich es ja hinter mir und es so/l nimt mehr lange dauern,
dann hast du mich wieder."
Er langte nam dem Rosenstrauß, den er neben sich auf den Fußboden gelegt hatte, und drückte die dunkelroten Blüten in Ihre Arme.
Ria stedtte die Nase tief in die duftende Fülle und sah blinzelnd
auf den knienden Geliebten. "Oh, die wundervollen Rosen."
,Im schäme mich, daß ich dir nicht mehr geben kann. Du weißt
ja,' wie der Alte mim kurz hält. Aber, das schwöre im dir, wenn
Ich in den Besitz meines mütterlichen Vermögens gelange - und
das wird bald, sehr bald sein - dann sor~e ich ganz allein für
mein Kind:'
"Das werde ich dir nicht verwehren. Du bist der Vater und der
hat ein Recht auf den Jungen."
"Am, Verzeihung, ich wußte nimt, daß die gnädige Frau Besum
hat. Im komme mit dem Frühstüdt." Smwester Beate stand, ein
Tablett in den Händen haltend, mitten im Zimmer.
"Geben Sie nur her, Smwester Beate, der Besumer stört mich
nicht. Geli Bubi, du freust dich, wenn es mir smmeckt ?',
Bubi war aufgesprungen und trat der Smwester entgegen. "Bitte,
geben . Sie mir das Früßstück, im werde es der gnädigen Frau. reichen."

Um Schwester Beates Lippen legte sim ein Lächeln, das mit Spott
und Bitterkeit durmsetzt war. Sie überließ dem blonden jungen
Mann das Frühstückstablett und ging lautlos aus dem Zimmer.
"So, nun werde ich die süße kleine Mama füttern."
"Am, BubL nenne mich nimt Mama. Das Kind ist nun mal da,
aber - man braucht doch nicht immer daran erinnert zu werden.
Du sollst in mir nichts weiter sehen als deine Geliebte."
"Ja, ja, meine einzig Geliebte! Wie ich mim nach dir gesehnt
habe und wie die Unruhe mich verzehrt hat!" Er schmiegte seinen
Kopf neben den ihren in die Kissen und smlang seinen Arm um
ihren Hals.
" Daß du mich noch immer so lieb hast, Bubi."
"Wunde'r t dich das?"
.
"Die Männer sind so unbeständig."
"Aber, im nicht! Im nicht, Ria. Ich schwöre dir
"Im verlange keinen Schwur, Bubi." Sie sah ihm tief in die
Augen. "Wie jung du nom bist!"
"Leider", seufzte er.
"Bubi, Herzensjunjte, weil du noch so himmlisch jung bist, darum
Im liebe dich." Leise fiüsterte
liebe im Dich ja. Hörst du es?
sie ihm die Worte ins Ohr.
Leidenschaftlich preßte er seine Lippen auf die ihren.
"Geh' jetzt, Liebling. Schwester Beate wird böse, wenn du deinen Besuch zu lange ausdehnst."
"Darf idt morgen wiederkommen?"
Lämelnd nidtte sie Gewährung und lächelnd sah sie auf die Türe
die sich hinter ihm geschlossen hatte. Dann hörte sie eine spitz~
Stimme, fuhr zusammen und wandte den Kopf.
"Erwarten Sie noch mehr -" Schwester Beate schluckte ein paar
mal - "Besumer, gnädige Frau '?"
Ria ergriff die Hand der Schwester, die wie ein dunkler Smatten
neben ihrem Bette stand.
.,Schwester Beate - in den heutigen Zeiten kann es nicht schaden, wenn ein Kind mehrere Väter hat - ich - ich denke doch
nur an den Jungen. - Sehen Sie mich nicht so finster an, Schwester
Beate - lachen Sie - lamen Sie mit mir über die Männer' Ach,
es ist ja so leicht, ihnen etwas vorzumachen! Und - ich bin ja
aum nicht ganz sicher - darum ist es nur gerecht, wenn alle drei
sim in die Vaterwürde teilen."
Smwester Beate smüttelte den Kopf. .
"Finden Sie das denn nimt sehr amüsänt?"
"Am üsa n t77" Smwester Beate lachte auf. "Ja - vielleicht."
"Na also! Lamen - nur lachen - so ist es recht !"

Eckfwifcf

Die große Madame Dupont

Pelzmantel. Er steht zwar erst auf dem Papier, aber dieser Scheck
ist dir gut dafür."
"Ich danke dir, Franz - einen Pelzmantel ! Mein Herzenswunsch!
Ach, wenn ich doch erst aufstehen könnte!"
"Geduld, mein Engel. Wie schnell sind ein paar Tage vergangen."
"Das sagst du so. Aber, wenn Du an meiner Statt hier liegen
müßtest, würde dir die Zeit auch lang werden."
Franz Schumacher lachte belustigt auf. "Das Kinderkriegen ist
ja wohl Frauensache!"
"Ja, alles Schlimme überlaßt ihr uns."
"Dafür kann ich dom nichts. Das hat die Natur so eingerichtet.
Aber, nun muß ich gehen, Schatz, meine Arbeit ruft mich, auch will
ich dich nicht ermüden, du siehst doch noch recht abgespannt aus."
"Ja, geh'. Im mömte schlafen."

..

E. B.

Die Meute fos / 'FriscD auf zum Jauen I
Horrido / Joanol
Juc6nei/ Hinterdrein /
Doc6 keiner soff wauen
Meinem Henust, meinem Rappen
- Seine Männe jTieut - seine Hufe Happen
In den Weu sim zu sl,ffen,
Er wird zerstampft, wird niederuerr'ffen.
Die Meute mau - oeflen,
Die Beute ist mein /
Mein / - Mein / - Unoestritten /
So JTieuen wti', sausen wir, orausen einner
WIe das wütende Heer,
Im und die Meute, die Meute und im /
Wird um die Wette /
Atemfos/
Sc60n sind wir dem jTümtenden WI1d auf der Spur/
- Armweite nur. Aus6reit' 1'dJ die Arme - Peltsmenknaffl
Hiftnorn / Horrido / - Das Ganze naft /
Die JaUd soff enden .I
StehnDfeiot die Meute. - Es smweigt das Aff
Und ic6 'Fanue das WI1d mit den Händen.

4

p

Leo Heffer
Wieviele Tränen hat Madame Dupoflt veruossen,
Daß sie die LänUe eines Mastoaums hat.
Aq ~äda;en l/Jar sie smon noa;auJi1esa;ossen:
DIe fanuste Junufrau in der kfeinen Stadt,
Die 'Freundinnen waren affe fänust oeseftiJt,
Von ihnen naffen manme smon ein Kind.
Nur sie affein o!t'eo fanue unverene!r'dJt,
Wel1uroße 'Frauen stets ue}iira;tet sind.
Dom, afs Sie inre Not am höc6sten .nat empfunden,
Gab Herr Duponl inr einen süßen WIi,R
Und nat sidj ehefia; mit ihr verollnden,
Trotzdem er ihr nur Dis zur Hüfte ging.
Stofz sebritt an inrer Seite er die Gassen
Sieb in Sie einzunängen, j1ef ihm sa;wer, '
Denn Madame Dlipont unterm Arm zu fassen,
Geranu inm m'dJt. Dazu uenörte mehr.
Wenn er einmaf den Herrn des Hauses zeiuen moa;te,
Dalln ranu er SI'dJ die Wir6efsällle aus,
Und wenn Madame am Herde stand und koc/jle,
Dann raut ihr roter Kopf zum Smfot hinaus.
DOeb reimen sa;fti:fjten, süßen Ehstands weiter:
Man koc/jt m'dJt nur, man küßt aua;, wenn es paßt:
Da brauc6te Dupont immer eine Leiter So wurde ihm das Küssen rasm verhaßt.
WIevIele Tränen nat Madame Dupont vergossen,
Daß Sie die Länge eines ldastbaums hat.
Das GfücR der Lieoe hat Sie nie uenossen,
Wel1 afles klein war in der Heinen Stadt.
arme 'Frauen, die ufeia; Madame Duponlen
In ihrem Wamstum affzu seh Uesa;wind,
Sie affe zähfen zu den Unoefohnten,
Weif uroße 'Frauen sIels uefürebtet sind.

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