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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.2

Jonrg.20

Vir impotens: (Alter Trottel)
Oh, welch Entzücken
will mich berücken,
seh' ich sie an.
Welch schlanke Beine
hat jene Kleine
Riihr- mich- nicht-anl
Dieser Schwung um Hüft und
Lenden,
dies Gesicht von Schnee und Blut,
dieses Spiel in zarten Händen Kann da schweigen meine Glut?
Alte Gefühle
machen mich schwüle,
denk' ich es nur. '
Nutzloses sinn' ich,
d>!nn heute bin ich
hors de concours I
Neckisches Duett
(TanzparkeIl und Decke)

Parkett:
Flitschen - Schieben
Scharren
von ekstatisch irren Narren
schändet meine Haut.
Immer seh' ich längs den Beinen
und man möcht' vor Sehnsucht
Glitschen -

weinen,

wenn man, selbst gebannt, was ·
schaut I
Oh! in meines Bodens Glätte
spiegelt sich so manches Nette,
was dir, Decke, dunkel bleibt.
Was ich se!.', kann mich versöhnen
mit dem blöden Trick-Trott-Dröhnen,

weil es mir die Zeit vertreibt.
D eck e:
Teure Schwester vis-ci-visl
Ganz vergeblich deine Müh,
neidig mich auf dich zu machen.
Ich bin über dich erhaben.

Würde dich mein Licht nichtlaben nie säh'st du die zieren Sachenl
Chorus mysiicus:
Wehe! - Wehe
Wie ich sehe,
ist die Welt total verrückt.
Ehemänner Rechtsverkenner
suchen, was sich garnicht schickt.
Ehefrauen im Vertrauen machen's ganz geradeso .
Gegenseitig
sind sie's leidig,
suchen Tröstung anderswo.
Fluch dir Erdel
Und es werde
Höllenqual dein ew'ger Lohn I
lf/erd aus Saulus
endlich Paulull
Kräftige Stimme von unten:
Halt das Maul, mein lieber Sohn/
Steuerbehörde
(unter Vorantragen der Vereins/ahne mit
der Au/.mri/t: Semper aüquid haeret. nam
der Melodie • Deutsmland. Deuumland
über allur)

Feiert Feste, wie sie fallen,
Denn wir brauchen noch mehr
Geld I
Laßt die Pfropfen fröhlich knallen
von Berlin bis an den Belt!
Alles haben wir besteuert:
Sekt und Sitz und jeden Dreckl
Darum lustig nur gefeiert I
Denn es dient ja gutem Zweckl
Finale:
Alle (In teutonism.ehrlimer Bege;.te,ung;
Darum lustig nur gefeiert,
denn es dient ja gutem Zweck}
Jmmer feste zu geleiert,
kommen wir auch nicht vom Fleck I

Noch einmal mit aller Kraft fast gleichzeitig:
Chon.u mysticus (flon obelI:) Wahnl- Wehel- Wahn!
Stimme (flOII unle.. :)
Dem Tücht'gen freie Bahnl
Mephisto (flon ganz unten :)
Hab' meine Freude dranl
Während Richard Wagner im Vordergrund das Finale aus der Götterdämmerung dirigiert und im
Hintergrund ein großer Dichter einem Phantom nachjagt, indem er in der Rechten den Dolch Florian Geyers,
in der Linken eine Berliner Illustrierte Zeitung scilwingt, zieht langsam der Aschermittwoch aus der
Versenkung. An Stelle des Vorhanges fällt eisige Gänsehaut über die Szene, aus deren - nämlich der
Gänsehaut - Poren kleine Zinnsoldaten wachsen - als SlJmbol der Götterdämmerung.

Zauberin Circe
Das slDwere Bronzegofd inres Haares fog in gfänzendem Knoten
tief' im weißen NacHen. fhre Hüften focHten.
• Vergessenr, sagte sie und das wehe Wort Rlang me!caism von
ihren Lippen.
Zornig stand er VOr ilir.
• Vergessen?/ kann man das vergessen, 'Irffa?r
• Oder verg(/J es n,'dJt undgeli' /", sagf(! sie lierrisdi und sdimiegte
sidi in die roten Kissen eines kleinen Diwans.
Traurig soli er sie alt. .So reidit sagst du das/ Du liast mr'dJ
tief' liinaDgezerrt, du Detrügst mr'dJ und r'dJ fteDe diäi/'
SIe rädielie nur.

DUT(fj ilire grausame Kaftherzioieit 'wira geworden, .faßte eJ'
har' ihren Arm.
.Du liast milD lietrogen/ fdi hasse di'di/ Stirli, Dirne/" Und
.funkefna Hitzt ein kleiner Dordi.
WIe eine sdiöne, kleine Tigerkatze liftckt ilin das Wel1i alt.
Dieser Bftck, aiese grünsdiirrerndefl AUl1en madien inn welirfos,
Er räßt die erlionene Waffi kraftfos sinken .
• Du/", raunt sie zwisdien Haß und' LoeRung.
Seine Lippen v,rsinken in 'aer traumweitfoen Grälle ilirer
samtenen Haut.
• Du. . . . '
,Küsse ml'di·/ jauchzt sie feis'!.
Lam~sis

I

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