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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

.Jahr".26

Nr. /3

Lisa Honr orn.Loewe

Martin rannte mit verzwei felten Herzen in seinem Arbeits.
zimmer herum . Er fuhr sich durdl die Haare, stöhnte, rollte
die Augen. Dann lief er - zum wievielten Male - zum
Schreibtism lind nahm jenen Brief auf, der heute M orgen mit
der übrigen Post ins Geschäft gekommen war. Jenen infamen,
anonymen Brief, in dem ihm ein "wohlmeinender Freund"

mitteilte, daß Frau Greta Wendemann ihren Gatten, den Herrn
Gardinenfabrikanten VI endemann mit einem gewissen Herrn
T obhy Ma!lustnke, Bankter, betrüge.
Herr Wendemann. Gardinenengros, wurde gebeten, am
heutigen Tage in einem bestimmten Cafe zu sein. wo Frau
Greta Wendemann sid- mit Herrn Tobby Mall usmke treffen
würde.
Martin Wendemano tobte. lind es muß zugegeben werden,
daß er Grund d:lZU h;Jt ·e. -- Erstens ist es für keinen Mann
angenehm.. wenn man ihm mitteilt, daß er von der Frau besoncl!'fs einer so hübsmen Frau wi~ Greta - betrogen wurde.

Zweitens hatte Martln Wendemann gerade vorgehabt, Herrn
T obby Mallusmke um ein paar besonders gute Tips zu bitten.
Drittens aber war Tobby Malluschke ein Abbild von Häßlim.
keit. E r war sozusagen einzig in seiner Art. Und wenn er
nom nimt existierte, er hätte um seiner phänomenalen Häßlim.
kei~ erfu nden werden müssen! - Alle diese drei Dinge zusammen

also waren zuviel für einen einzelnen Mann. Und es war
Martin Wendemann unmöglim nam Hause zu gehen und seiner
verbremerismen Frau ins Gesimt zu blicken. Er telephonierte
zum Essen ab: und war um 5 Uhr hungrig und wütend vor
dem bezeimneten Cafe, dessen Eingang er von einem gegen.
über liegenden Hause aus beobamtete.
Pünktlim um 5 Uhr fuhr das grüne Auto T obbys vor. Und
'lobby ging wiegend und dick, seinen Stock mit dem Gold.
knopf fröhlich wippend, hinein.
"Wie die Liebe seinen Smritt beflugelt", damte Martin in.
grimmig und zitterte teils vor Wut, teils vor Kälte. Wie lange

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