Path:

Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr./3

Ja~,". 26

Innozenz munterte Ihn auf und erzählte anderen Tages, Clarina
sterbe vor Liebe. Sie sei die ridllige Frau für ihn; sei smön, una
smuldig wie die Sonne und reim an Zeminen und Dukaten. Er
habe sie sogar mittlerweile mit dem Tugtndpreis, der "SilberlHie",
belohnt.
Ohino ging allem Ansmein nam auf alles ein und der Papst
äußerte: "Wie smön wäre es, wenn im Eum heute nom oder
morgen als Verlobte überrasmen dürfte."
Nun wußte Ohino, daß der Papst gern goldenen Wein trank
und so saßen Innozenz, der Medlc/ und der Bismof bald fröhlim
beim Pokal mit Ohino, der an diesem Morgen statt des WeiDes
Wasser in seinen Bemer tat, um recht nüchtern zu bleiben.
Als die drei Herren nicht mehr klar denken konnten, holte Ohino
Clarina herbei und aum sie trank unmäßig Falerner und benahm sich
kurtisanenhaft. Dann smlich der Heiratskandidat heimlich von dannen
und ließ die Herren mit der morgenläodlsmen Prinzessin und ihrem
Olanze allein.
Innozenz war bekannt als der lebensfroheste der mittelalterlimen
Päpste, als der tollste und der skrupelloseste Fraucoverehrer. Ohino,
der wohl wußte, daß man ihn hineinzulegen beabsichtigte, beschloß,
sim zu rämen.
Er holte sämtliche Kurtisanen der Bismöfe, Kardinäle und sonstigen
Beamten herbei und ließ sie in den Saal treten, wo die Herren mit
dem Weibe aus Pisa tranken und tranken und um die Ounst einer
Kurtisane wettei ferten.
Innozenz smrie: "Ich bin der große Innozen:. Im habe das erste
Anremt auf sie."
Der Medici erhob seine Stimme: "Im bin die Mamt Italiens . ,.
mir gehöre ihr erster Kuß,"

Des Papstes Freund erklärte: " Im hasse die Frauen, aber liebe
diese Seele aus Pisa."
Dann ruhte sie schließlim an der linken Seite von Innozenz,
während der Medici auf der anderen Platz nahm. Der Bismof lag
zu ihren Füßen,
Die Kurtisanen amüsierten sim und man lamte aus vollem Halse,
während Innozenz laut erk lärte:
"Ohino wird dim heiraten, du aber sollst unsere Buhlin sein
vielseitige Fraue!"
"Wann soll die Homzeit stattfin den 1" fra gte Ohino:
" Heute noch !" Innozenz fiel schwer zu Boden. Man trug ihn wie
gewöhnlim hinaus aus dem Saal in sein Schlafgemach.
Als er wieder nüchtern wa r, erinnerte er sim sofort der schönen
Kurtisane, "Im denke nim t daran, daß Ohino sie als Oattin heim.
führt .. , sie gehört von heute an zum Ooldbestand des Vatikans.
Er wußte nimts mehr vom Tage zuvor, wußte nhilt, daß die Frauen
Ihn wieder einmal in Smmam und Sünde gesehen. Er begehrte
nur das Weib Clarina,
Ohino aber verzim tete gern auf die Ehe, und der Papst dankte
Ihm diese "SelbstQberwindung", indem er ihn zum päpsllime~Hof.
lieferanten für Mehl, Butter und Frümte ernannte. Außerdem
erhielt Ohino das Remt, die T ugendlilie der rein.ten Frau Roms
alljährlim zuspremen zu dürfen.
Die Ku rtisanen hörten von dieser hohen Auszeimnung und sie
waren :um ersten Male voll U meln im Blidt, als sie O blno, den
Frauenverehrer sahen.
Jede Kurtisane buhlte von nun an um die Lilie und Jede bot
ihre Reize ihm umsonst an" was er auf dieser Linie als Weltmann
und "Kavalier" gern akzeptierte.

------cAii niatu1!(!U

~--,

<1-

Der Herzog von Rimelieu hatte sehr viel Oeldversmreibungen
ausgestellt, die er am Ende nim t bezahlen wollte oder gar ab·
leugnete. E ine solme Verschreibung von hunderttausend Talern
besaß au m die Präsidentin Frau von St, Vi neen t, deren Existenz
der Herzog ebenfalls ableugnete und die er nicht einlösen wellte.
Die Angelegenheit kam vor den adli gen O erimtshof, wo der
Herzog sagte: "Madame! Wie können Sie behauptfD, daß im Ihnen
für eine Gunstbezeugung einen Smein Ober hunderttausend Taler
ausgestellt habe! Betramlen Sie sim doch nur selbst! Wer wird
denn für ein Oesicht, wie das Ihre, eine so ungeheure Summe ver·
spremen !"
Im bilde mir gar nimts auf mein Aussehen ein", sagte die
Präsidentin zu dem alten und remt häßlim gewordellen Herzog, aber betramten Sie dom bitte nur Ihr Oesimt ganz genau und urteilen
Sie dann, ob man es für eine geringere Summe ertragen könnte!N

•

Als im Jahre 1788 die Nationa l vers~mmlun~ in ,Paris einberufen
wurde befand sim darunter aum dIe Oattm emes Herrn von
T ours: eines der Deputierten, in dem Luxembourg.~arten, wo sie
allein spazieren ging. Sie war sehr kostbar gekleIdet: aber das
Kostüm war nimt eben nam dem Oesmmack von Pans, sondern
nom das altväterlime ihrer Jugend. Ein paar junge Leute kamen
da vorüber, wo die Dame stolzierte, die jetzt wegen ihrer alt·
modismen Kleidung der Oegenstand ihrer witzelnden Bemerkungen
wurde, was Frau von Tours aber nimt zu merken smien. Endlim
trieb einer von den Witzlingen seine Leimtfertigkeit so weit, daß
er der Dame mit vieler Ehrfurmt den Saum ihres Rockes küßte.
"Ist es jetzt Mode, mein Herr", fragte sie, tIden Damen den Rock
zu küssfD?"
"Nein, Madame", antwortete der junge ~ensm, .:,aber. im h~be
so große Ehrfurmt vor Altertümern, daß Im es fur melOf. Pflld!t
gehalten habe, Ihrem Rock diese Ehre zu bezeugen!"
"Aber warum sagten Sie das nimt gleim, mein Herr -",
en tgegnete die smalkhafte alte Dame, "id! würde Ihnen gern
etwas anderes zu küssen gegeben haben, das noch fünfzig Jahre
HlJIrs Wolt"
älter ist." - Ihr Mund war schon mumienhaft.

8

Orpheus und Eur;ydi'hes Vermählung
I
Dann aoer war es, als der Aoend Ram,
daß er ihr Herz in wundersam,r S<6am
mit zagem WI'mpern.ß"listern s~eu oe,,1nrt,
und sie so sanft dur~ seine Pforte flinrte,
daß sie, i6n niclit me6r s~auend, nur ersplirt"
wie süß sein Atem inr den A tem na6m.

Wie wüßte sonst icli i6re Odemzlig e,
wenn Sie mir Zep6yr 6ätte niclit gef1e6' n 9
nun 6auent sie Malnaclit üher mein Ge/lige
des SaitenspÜ!fs WI" LI"o,s",dodi"n.

11
Der Morgenwind oe/ragt delf Nachtwind
Dur Morll_"wi"d:

EntfToß so Reusenem Lieoesound ein Sonn 9
D.r Nacbt"Ji"d:

Aus inren Träumen nur ein Sennsu~tston.
I6n, na~gl's~{u~%t in einem Tropfen Tau
singt nur ein D iditer ein~r sdjönen 'Frau,
um di'e er Mo nd um Mond vergebens wiro/,
his er arRadis~ in de, Wonne stirot,
daß sie sidi hel'm{üh einmal so dur~tränkt
wie 'rau die Lilie, L i/i" Tau empfän"t.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.