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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.1I

Jahr/l.26

"Draht!" Die Operateure kurbelten und dann war es aus.
vor Hcla Mora - dies sollte ihr Künstlername sein - die
Doch Hc1ene mußte nun noch die Beine hochziehen .und
Mütze zog.
vor einer in das Bild huschenden Hand zurückweichen lassen.
Fieberhaft erregt verbrachte sie die nächsten Tage, und als
Dann befahl Herr Pineus "Pause'" und verschwand mit allen
endlich die Stunde nahte, da sie sich zum Besuch des Ateliers
rüsten mußte, war sie kaum fähig, sich ordentlich anzuziehen.
Leuten: während die Garderobiere erschien und Helene
• Erst im Atelier fand sie die
wieder in die Straßenkleidung
Ruhe wieder, die sogar einige
half.
Enttäuschung aufkeimen ließ,
"Bin ich fertig?" fragte Frau
denn sie mußte warten. Helene
Mohr schüchtern.
saß in einer kleinen Garderobe
Die Garderobenfrau holte
und langweilte sich, während
den Hilfsregisseur Arthur Piedraußen der Lärm eines Filmkebuseh, der ihr mit ungeheuateliers brandete. Sie hörte die
rer Zungenfertigkeit erklärte.
Kommandostimme des Herrn
daß man sie nicht überanstrenPincus, grelle Pfiffe, dann wiegen wolle, ihr für den ersten
der Arbeitsgeräusch von HandTag 100 000 Mark zahle und ihr
werkern, die an einer Dekoraschreiben werde, wann man sie
tion bauten. Endlich kam eine
in der nächsten Woche wieder
Garderobenfrau mit Kostümen.
benötige; die "Strand nixe", so
Helene war etwas peinlich
hieß der Film, sei ja eben erst
berührt, daß man ihr ein elebegonnen worden.
gantes Badekostüm anzog. Das
Aber der sehr überarbeitete
Hilfsregisseur mußte ein schwahatte sie nicht erwartet - es
ches Gedächtnis besitzen, denn
war etwas heftig für den ersten
es kam keine weitere Einladung
Filmversuch. Aber es war, wie
an Helene, sondcrn nach viersich dann herausstellte, kein
zehn Tagen wurde der Film
Trikot, sondern ein schwarzseidenes Kostüm in amerikanibcrcits gespielt. Helene Mohr
schen Geschmack zu dem Seihatte es sich nicht nehmen
denstrümpfe und Stöckelschuhe
lassen, ein Billet zur Premiere
gehörten. Auch einen Umhang, der innen mit pfirsiehfarbeim wahrsten Sinne des Wortes zu erstehen. denn sie mußte'
ein paar Stunrlen vor der Kasse warten, denn die Reklame
ncn Sammet gefüttert war, !lab es - und so betrat dann
hatte wunderbar für den ncuen "Schlager" gearbeitet.
Helene das Atelier, schritt vorbei an Komparsen beiderlei GeAls sich das Theater verdunkelte, überfiel Helene eine nie
schlechts, die keineswt:gs so dezent gekleidet waren, sondern
gekannte Spannung. Doch
eine regelrechte Schwimmdieser Zustand hielt nicht
ausrüstung trugen.
vor. denn der Film er"Sieh da, unser neuer
schien ihr langweilig, und
Star'" begrüßte sie Herr
erst, als die Hadcszcnen
Pincus.
"Entschuldigen
bcgannen, trieb ihr Blut
Sie, gnädige Frau, aber im
heftiger durch die Adern.
Atelier kann man nicht
'(.
Und dann ja dann
galant sein. Da kostet
f \
plötzlich kamen ihre Beijede Minute zu viel Geld.
Darf ich Sie vorstellen?
ne; riesengroß erschien
- " Und sie hör te unihre Schönheit auf der
Leinewand, aber warum
deutlich ausgesprochene
Männer- und Frauennur die Beine, warum
namen und begriff nur,
nur die Beine und dic
C'
>
daß eine sehr keck ausdanach haschende Hand'~
':/ /.
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sehende, füllige Person
Beim nächsten Bild erst
wurde es ihr klar: die
die berühmte Diva Pippa
Hand erhaschte die Diva
Poo war. Helene bemerkte auch, daß sie dasselbe
Pippa Poo - und das
Kostüm wie die Diva
Bild versuchte zu lügen,
trug aber waS nun
diese dicke Person sei
voll
j7luft.olet,
d.ivzlic.kheiL
folgte,
ging viel zu
im Besitze so schöner '
Helene
hätte
schnell, als daß sie alles
Beine.
von·
;z-ac;feru)~
k·6-etuyui.dclL
sofort begriffen hätte
schreien mögen, glaubt
ihr nicht, es sind meine
"Bitte, gnädige Frau",
Beine, meine Beine, diesprach Ernst Pincus weises Weib hat Waden
ter und stupfte sie in
~'äc;'/~e cß1uMtalltulfl
wie ein Ringkämpfer.
die Dekoration, die einen
Melancholisch verließ sie
Badestrand
darstellte,
!J..-tJc/uruzch,vol! /JebtuWendas Kino.
"setzen Sie sieh hier hin
9reid, IJl'tuwxalzf 6 57Zh..
Aber am nächsten Tage
und pendeln Sie mit den
erhielt der Frauenverein
Beinen.
Die :Apparate
zur Bekämpfung der öfstehen schon richtig."
fentlichen Unsittlichkeit
Helene gehorchte, mußein Schreiben der Frau
te ein paarmal die StelALMANACH·KUNSTVERLAG A.G. BERLIN
Postsekretär Helene
lung wechseln, bis sie im
Mohr, in dem sie bat,
Felde des AufnahmeSW 61, BELLE·ALLIANCE·PLATZ 8
gegen die Vorführung
apparates war. Dann rief
von Frauenbeinen bei
plötzlich eine Stimme:
der Polizei Beschwerde
"Alles Licht!" Zahllose
zu erheben.
Lampen knatterten auf:

c-Eete6rrzärchen
.

*

&'Xä/d~u~en.

*

24
        
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